Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 47 (19.11.1878)
- Date
- 1878-11-19
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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"Allgemeine Z' eilung des Judenlhums. Cm lmparteiischcs Orgm für Mes Wische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 dir 2*/. Bogen. Preis Biertellährig sAiarl. Inserate werden i mit 20 Ps. für die Pelitzeile oder deren i Raum berechnet. Alle Postämter und Buchhandlungen nehmen Bestellungen an. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. Verlag von Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig. ' In rcdactionellen Angelezenherten! wende man sich an l>r. L. Philinpson in; Bonn; hinsichtlich der Inserate an A. * Masse in Leipzig «nd dessen Kilrale«! i« Berlin. Breslau :c. I Inserate, welche bis Donnerstag erngehen,! finden in der darauffolgenden 'Jiummer! Bern rlsichrigung. Beilagen werden mit 1 Marl 50 Pf. pro Hundert berechnet. 42. Jahrgang. Leipzig, den 19. November 1878. Jß 47. Inhalt. Leitende Artikel: Ein Brief an M. G. in L. I. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: D eutschland: Bonn, Königsberg, Stuttgart. — Oesterreich-Ungarn: Lemberg. Wien. — Amerika: New-Dort. — Bonn: Notizen. Literarische Notizen. — Feuilleton: Eine gegenseitige Rettung (Forts.) — Vermischtes: Das Dasein der Seele. -£e*1eiu)& (f£t1tf;c£. Bonn, 13. November. Ein Brief an Ül. G. in £. I. Sie stellen, geehrter Herr, eine eigenthümliche Aufforderung an mich. Sie bemerken, daß Sie Gelegenheit genommen hätten, den Aufsatz „Die Grundsätze der Redaction" im ersten Jahrgänge dieser Zeitung (1837) zu lesen. Sie erkennen an, daß die darin ausgesprochenen Gedanken und aufgestellten Aufgaben consequent und angestrengtest sowohl durch diese Zeitung als auch durch die anderweitigen Bestrebungen und Schriften des Redacteurs verfolgt und bethätigt worden seien, was bei dem großen Wechsel der Ereignisse und dem oftmaligen Wandel der Strömungen in einem so langen Zeiträume an sich gewiß rühmlich sei. Allein Sie vermißen doch in jenem Aufsatze den einheitlichen Grundsatz, das eigentliche Charakteristikum ausgesprochen zu sehen, aus welchem, wie aus einem festen Mittelpunkte, alle einzelnen Fäden, sei es unbewußt ausliefen, sei es mit Bewußtsein herausgesponnen werden. Sie zweifeln nicht daran, daß ein solcher Grundgedanke bei tnir vorhanden gewesen, und setzen voraus, daß es mir nicht ungelegen sein möchte, ihn jetzt, nach einem so langen Lebensgange in der Oessentlichkeit, in präcisen Umrissen zu zeichnen. Ich stand allerdings an, Ihrem Wunsche zu genügen, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil ich stets ungern von mir sprach und spreche, und vielmehr was der Allgemeinheit und der Zeit angehört, auf mich beziehe. Nichts erscheint mir fataler, als eine Selbstbespiegelung, mit welcher gar zu häustg eine Selbstberäucherung stch verbindet. In der jüngsten Zeit bat eine Menge „alter Herren" in Büchern wie in Feuilletons ihre „Erinnerungen und Erlebnisse" dem Publicum aufgetischt. Es ist dies immer besser als die Lesewelt mit Selbstbiographien zu überschütten, da unter der gedachten Rubrik es gestattet ist, auf tausenderlei Dinge einzugehen, die sich zu gleicher Zeit abspielten, wenn auch der Erzähler in nur sehr geringer Berührung mit ihnen stand. Ich bekenne offen, daß aus allen den gedachten Mittheilungen nur wenig zu lernen war, wenn es auch den älteren Leser angenehm berührte, an frühere Persönlichkeiten und Situationen erinnert zu werden. Jndeß Ihre Aufforderung geht doch aus etwas ganz Anderes hinaus, und es entging mir bei weiterer Erwägung nicht, daß in derselben vielmehr eine allgemeine Beziehung enthalten sei, daß es gelte, einen Gedanken auszusprechen, welcher zur Signatur unsrer Zeit gehört, und der zugleich eine Mahnung für das gegenwärtige und zukünftige Geschlecht einschließe. Mag es daher sein, wenn mir der freundlich gesinnte Leser verspricht', hier ebenso, wie ich selbst, von der Person ganz abzusehen. Der Gedanke, der mich von meinem Eintritt in das Amt und aus das engere Gebiet der jüdischen Publicität und Literatur an beseelte und fteudig begeisterte, war einfach ausgesprochen: Hier muß man nicht zerstören, sondern ausbauen, nicht auflösen, sondern schassenl . . . Wer stch in die Zustände des Judenthums und der Judenheit vor 59 Jahren.