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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-10-22 · Heft 43 (22.10.1878) · p. Seite 686

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 43 (22.10.1878)
Date
1878-10-22
Page
Seite 686 (sequence 14)
Language
German
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686 Sie fleht freilich nicht den Racheengel an, denn sie fühlt die Größe ihrer Schuld und daher die Unabwendbarkeit der Strafe. Aber ihr Blick ist nicht nur Verzweiflung, sondern sie schaut zurück zu dem verlorenen Paradiese, sie saugt mit dem grenzenlosen Schmerze über das Verlorne zugleich die Energie ein, zu ringen, um wenigstens etwas wiederzuerlangen. Der Mann neben ihr beugt nur das Haupt, wagt nicht vorwärts, nicht rückwärts, zu schauen; sie aber, wenn auch momentan noch tiefer gebeugt, bezeugt doch im Aufblick des Auges, das sie die Fähigkeit der Wiedererhebung nicht verloren hat. Und so öffnet uns dieser Blick der Eva eine Perspektive in die Zukunft: Sie ziehen dahin, einen jammervollen, dornenbesäeten Weg, aber das Weib wird mit geläutertem Sinne des Mannes Herz und Kraft zu neuer Thätigkeit entzünden; das erste Blümlein wird dem unfruchtbaren Boden entsprießen, wenn sie in gemeinsamer Arbeit seine verborgene Kraft entfeffeln, und nach und nach wird ein Saatenmeer sich ausbreiten um sie. Nicht mehr in unschuldsvoller, kenntnißloser Anbetung, wie auf dem ersten Bilde, nicht mehr in Selbstvergötterung und genußvollem Müßiggang, wie auf dem zweiten, wird Eva dahinleben; diese Wege führten sie zur Sünde, machten sie zur Verlockerin und Verderberin des Mannes , sondern in gemeinsamer Arbeit, in schwerem Ringen, ihn ermunternd, erfreuend wird sie wirken, und sich verklären zur wahren, gottgegebenen Gefährtin seines Lebens. Dann hat sie die hohe Aufgabe ihrer Erschaffung erfüllt und wird dem kommenden Geschlechts, welches sie bald fröhlich arbeitend umgiebt, Vorbild und Erzieherin sein, umstrahlt vom Segen des Errungenen. Drei und ein halbes Jahrhundert sind über diese Deckengemälde dahingerauscht; der Weihrauch des katholischen Cultus hat an ihrer Vernichtung und Verdunkelung gearbeitet. Staub und Feuchtigkeit haben daran genagt, aber die Kraft und Wärme des Colorits, die Großartigkeit der Formen blicken dennoch siegreich hindurch. Auch das Schicksal, die Entwickelung, die Mission des Weibes ist dieselbe geblieben, sie gewinnt immer mehr Boden in der der Befreiung entgegenringenden Menschheit und soll daraus die Verpflichtung ziehen, diesen Boden mit Blumen und edlen Früchten zu schmücken *). 1) Michelangelo hat somit den ganzen Vorgang vollstäridig im Sinne des Ä. T. aufgefaßt, und sich von dem späteren Dogmenkram der „Erbsünde" u. dgl. nicht beirren lasten. Redact. Anzeigen. Tvi A sind ausschliesslich an die Annoncen-Expeditfon von Rndolf M Mosse in Leipzig oder deren Filialen in Berlin, Breslau, Chemnitz, Coln aKh., Frankfurt a M. etc. zn adressiren. Berlin G. Zimmer v. .M. 1.5< > an Hötel de S«\e Omnibus am Bahnliof. 1 w _ Bnrgstrasse Nr. 20 neben der Börse. (B. 3106)!! Kunst-Stickereien!! in Gold, Silber, Seide rc. für Synagogen. Vereine u. s. w. fertigt höchst elegant und kunstvoll Frau Rosalie Reiter, erste Handarb.-Lehrerin der jüd.' Industrie-Schule, Breslau, Unterbär I. Allerhöchste Anerkennung, sowie Prima-Referenzen und Zeugniste über gelieferte Arbeiten zu Diensten. (Br. 8400) Eine Schächterstelle in hiesiger Synagogen-Gemeinde ist baldthunlichst zu besetzen. Bewährte, durchaus zuverlässige Bewerber, mit tüchtigen jüdischen Kenntnisten, wollen ihre Zeugniste bis spätestens 15. November d. I. an den Herrn Landrabbiner Br. D?eper einsenden. Solche, welche als Lehrer oder durch musikalische Kcnntniste sich nützlich machen - können, werden bevorzugt werden und eine erheblich bestere! Einnahme erzielen.; Hannover, den 11. Cctobcr 1878. , Der Vorstand der Synagogen-Oemcinde J)v. Cohen. (8019.) Ein Wissensch. geb. und geprüft. Lehrer, Cantor und Prediger sucht sofort eine Gemeinde- oder Hauslehrerstelle. Offerten an liudolf Mosse, Leipzig sub J. M. 8980. (8980) Die Israel. Gemeinde dahier wünscht für ihre Gtementnrschnle einen geprüften Lehrer, der zugleich die Function als ftn und EiTtw übernimmt, zu engagiren. Fixirtes Gehalt: 900 Mark nebst 400 Mark Nebeneinkünfte garantirt. (Unverheirathete bevorzugt.) Antritt den 1. Januar 1870. Hierauf Reflectirende belieben ihre Zeugniste an den Unterzeichneten einzusenden. Schiceich, Landkreis Trier, October 1878. (0020) Der Israel. Gemeindevorstand. Eine geprüfte, auch musikalisch gebildete Lehrerin mosaischer Religion Lucht entsprechende Stellung in einer Familie. Gef. Offerte unter 8. 1460 an Rudolf \ Mosse in Nürnberg. (M 8807.)

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