Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1878)
- Date
- 1878-10-22
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ocitun Mtlge meine des Iudenlhums. Cm unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. I Diese Zeitung erscheint wöchentlich i einmal in 2 diS 2'/-. Bogen. Preis Bierteljährig n Mart. Inserate werden mit 20 Pf. für die Periczeile oder deren i Raum berechnet. Alle Postämter und Buchhandlungen nehmen Bestellungen an. i___ Heraus gegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. Berlag von Baumgärtner^s Buchhandlung in Leipzig. In redactionellen Angelegenheiten j wende man fich an Nr.'L. Vkililipson >n > Bonn: hinsichtlich der Inserate an?l. i -Llosscin^eiVriSunVVessenSiUalen in Berlin. BrcSla» rc.! Iuserate, welche bis vonnerstag eingehen,; finden in der darauffolgenden Rümmer , Berücksichtigung. Beilagen werden mit 1 Mark 50 Pf. pro Hundert berechnet. 42. Jahrgang. Leipzig, den 22. Oclober 1878. '^2 43. InKutl. Leitende Artikel: Warnung betreffs der Svnagogeugebäude. — Rumänien und die Juden. — Analekten: III. Johannes Huber und die sociale J-ragc im Judenthume. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Posen. Aus dem Großherzogthum Hessen. Berlin, Hannover. Stzrelno. — Oest erreiä'-Ungarn: Brodv. — Bosnien: Serajewo. — Rußland: Cherson. — Amer i ka: Cincinnati. - Bonn: Notizen. Literarische Notizen.'— Feuillekon: Die Geschichte der Cva in den Deckengemälden der sixtinischen Kapelle. jCeüeu<)e Bonn, 16. October. Warnung betreffs -er Synagogengebäude. Aus Pest läuft die betrübende Nachricht ein, daß am Vormittage des Versöhnungsfestes im neuen israelitischen Tempel ein unglücklicher Vorfall sich ereignet hat. Bei Beginn des Seelenheil-Gebetes, während dessen diejenigen Andächtigen, deren Eltern noch am Leben sind, dem Brauche gemäß das Gotteshaus verlassen, entstand dadurch, daß nur eine Seitenthür als Ein- und Ausgang diente, ein arges Gedränge, indem Viele hinauseilten. Andere wieder eintreten wollten. Bei diesem Gedränge sollen mehrere Personen derart gedrückt worden sein, daß Ohnmächten und verschiedene Verletzungen vorkamen. — Magy. Hir. berichtet über den traurigen Vorfall Folgendes: „Ein junger Mensch, dem im großen Gedränge sehr übel wurde, schrie in seiner Verzweiflung: „Feuer!" Hierauf entstand ein solches Gedränge, daß das Geländer der zur Galerie führenden Stiege zertrümmert wurde und die flüchtenden Frauen niederstelen und übereinanderstürzten; 40 bis 50 Frauen lagen so zu Haus und jammerten entsetzlich. Es währte lange, bis. die hierüber entstandene Panique stch legte, auch die Polizei war erst spät in genügender Anzahl am Platze. Viele Frauen wurden in ohnmächtigem Zustande in die benachbarten Häuser getragen, wo ihnen ärztlicher Beistand geleistet wurde." — Nach einer anderen Version war die Ursache des Unfalls, daß eine Frau ohnmächtig wurde, man nach Master rief, und dieser Ruf dahin verstanden wurde, daß Feuer ausgebrochen sei. Drei Frauen und ein Kind kamen zu schweren Verletzungen. Der Gottesdienst wurde erst Nachmittag wieder ausgenommen. — Man wird sich erinnern, daß ähnliche Unglücksfälle in den letzten Jahren mehrmals vorgekommen, wie in einer Posenschen Stadt (Ostrowo) und in Rußland, wenn wir nicht irren, auch im Großherzogthum Baden. Es ist dies Wohl angethan, um die Gemeinden und Vorstände aufmerksam zu machen. An stch sind die Synagogen der Feuersgefahr, wenn ste nicht von außen kommt, nicht ausgesetzt. In der Regel stnd es aus Stein masstv aufgeführte Gebäude; in ihnen giebt es, außer etwa den Vorhang vor der h. Lade, nichts, was leicht Feuer sängt, und außer den brennenden Kerzen ist nichts vorhanden, was eine Feuersbrunst bewirken könnte. Dahingegen stnd sie, namentlich an den Herbstseiertagen, äußerst überfüllt, die Frauengalerien gewöhnlich für die Maste der Besucherinnen nicht geräumig und kaum mit genügendem Durchgang durch die Sitze versehen. Hierzu kommt eine auffällige Mangelhaftigkeit an breiten und hohen Ausgängen und zwar so, daß solche Ausgänge an den verschiedenen Seiten und Theilen des Gebäudes vorhanden wären. Schon unter gewöhnlichen Umständen entsteht dadurch am Ende des Gottesdienstes ein höchst lästiges, leicht gefährliches Gedränge. Jede irgendwie entstandene Unruhe oder Angst treibt aber die Maste so gegen den unzulänglichen Ausgang, daß eine hohe Gefahr entsteht. Und wie leicht kann in der dichtgedrängten Menge, welche