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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-10-15 · Heft 42 (15.10.1878) · p. Seite 661

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 42 (15.10.1878)
Date
1878-10-15
Page
Seite 661 (sequence 5)
Language
German
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661 meinen, daß sie zu exorbitanten Conclusionen führen könnte.! Redaction.) I Paderborn, im September. Privatmitth.) Soeben! wurde der 19. Jahresbericht über „die israelitische Waisenj Erziehungsanstalt für Knaben und Mädchen aus Rheinland! und Westfalen" und zwar für die Zeit vom 1. Jauuar 1876 bis zum 15. Juli 1878 veröffentlicht. Das Waisenhaus hat in dieser Zeit einen schweren Verlust durch den Tod seiner Gründerin und Vorsteherin Fräulein Fanny Nathan erlitten, die, 1803 zu Paderborn geboren, am 15. Juli 1877 verstarb. Ihre Nachfolgerin, die am 29. October 1877 vom Curatorium zur Vorsteherin gewählte Nichte der Verstorbenen, Frau Johanna Warcks, welche gewiffermaßen für die Anstalt erzogen worden und stch im Erziehfache gute Erfahrungen erworben hat, entwirft in der Einleitung ein Bild der Verewigten, welche mit einer seltenen Hingebung dem hochherzigen und segensreichen Werke sich gewidmet hatte. Die Anstalt enthält gegenwärtig 41 Zöglinge, nämlich 26 Knaben und 15 Mädchen und hat seit ihrer Eröffnung mit 2 Knaben im März 1856 100 Zöglinge ausgestellt, welche die besten Resultate ihrer Erziehung in der Anstalt erweisen. Dieser Erfolg spricht wohl in eindringlicher Weise für die Erhaltung des Waisenhauses, und muß jeden Menschenfreund, insonders in den beiden Provinzen, für welche es bestimmt ist, bewegen, durch nachhaltige Spenden die Existenz desselben zu sichern. Wir halten uns daher überzeugt, daß der desfallstge Ruf nicht verhallen und dadurch der Ausfall gedeckt werden wird, der daraus entstehen könnte, daß die sel. Nathan nicht mehr durch! persönliches Erscheinen die für das Waisenhaus fließenden' Gaben zu verstärken vermag. Eine Anstalt wie diese kann! nicht aufgegeben werden, denn gerade in den letzten Zeiten! stellte sich ihre Nothwendigkeit durch die vergrößerte Zahl der Aufnahmsgesuche erst recht heraus. Bereits werden die Ge-' dächtnißtage (Jahreszeit) von 378 Verstorbenen in der Synagoge der Anstalt abgehalten, und wir hoffen, daß diese Duelle für die Spenden stch immer erweitern werde. In dem verflossenen Zeiträume von 2 Jahren wurden 67,212 Mar! vereinnahmt und 65,174 verausgabt, der Ueberschuß von 2038 Mark ist durch später eingereichte Rechnungen consumrrt; in diese Ausgaben ist jedoch der Ankauf von 11,306 Mark Werthpapieren einbegriffen. Diese abgezogen, hat jedes Waisenkind jährlich 515 Mark gekostet. Die Stiftung besitzt gegenwärtig einen Fond von 116,891 Aiark. Dies ist Etwas, aber freilich noch lange nicht genug, um den Fortbestand für alle Zeiten zu sichern. Aus dem .Grofthcrzoglhum Hessen, 29. September, schreibt man der „V. Z.": Das neu erschienene Gesetz über die bürgerlichen Wirkungen des Austritts aus einer Kirche oder Religionsgemeinschaft bestimmt, daß der Austritt, der nicht mit dem Uebertritt in eine andere Kirche verbünden ist, erst dann bürgerliche Wirkungen hat, wenn er beim Amtsrichter des Wohnortes protokollirt wird. Der Aufnahme dieser Erklärung geht ein, dem Vorstand der Kirchengemeinde mitzutheilender Antrag voraus, worauf nach vier Wochen die Austrittserklärung zu Protocoll genommen wird. Der Austritt befreit von allen Leistungen, die auf der persönlichen Kirchen¬ oder Kirchengemeindeangehörigkeit beruhen. Das Gesetz findet keine Anwendung auf den Austritt aus der israelitischen Religionsgemeinde ohne gleichzeitigen Austritt aus dem Judenthume. Kinder unter vierzehn Jahren muffen durch die vertreten werden, welchen die Bestimmung über die religiöse Erziehung zusteht. Hannover, 18. September. (Privatmitth.) Wenn wir unserer soeben geschloffenen und weit über die Grenzen unserer Provinz hinaus berühmt gewordenen allgemeinen Provinzial- Gewerbeausstellung in diesen Blättern Erwähnung thun, so geschieht es, um den Beweis zu liefern, wie ungerechtfertigt der in vielen judenfeindlichen Zeitungen und Broschüren unseren Glaubensgenoffen gemachte Borwurf ist, daß letztere arbeitsscheu seien, sich meistens nur dem Handel widmen, dem Ge-! werbe und der Industrie dagegen fernbleiben oder, wie die; „Saarzeitung" jüngst zu behaupten gewagt hat, daß die Juden nur schlechte Arbeit liefern. Die große Anzahl jüdischer Äus-! steller, welche in unserer Gewerbeausstellung zu sinden war, : thut nämlich auf's Deutlichste dar, mit welcher Hingebung auch , die Juden in unserer Provinz Industrie, Handwerk und Fabrikwesen zu fördern und Hunderten von Arbeitern Beschäftigung zu gewähren befliffen sind. Die Anerkennung, welche ihre Ausstellungsgegenstände gefunden haben und welche sogar so weit ging, daß unser Kronprinz bei dem Besuche, den derselbe vor mehreren Wochen unserer Ausstellung gemacht hat, in den Räumen zweier jüdischer Aussteller längere Zeit zu verweilen und sich eingehend mit den dort besindlichen Gegenständen zu beschäftigen Veranlagung nahm, beweist, daß das Urtheil der „Saarzeitung" ein falsches und auf Unkenntniß beruhendes ist. Weit entfernt, hier die große Anzahl unserer Glaubensgenossen namhaft zu machen, welche unsere Ausstellung beschickt nnd ihre Strebsamkeit und Geschicklichkeit auf dem Gebiete der Industrie und des Handwerks oder in der Hebung des Fabrikwesens bekundet haben, wollen wir uns, nachdem die I ury ihr Urtheil gefällt hat, damit begnügen, diejenigen jüdischen Aussteller anzuführen, welche mit Preisen bedacht worden sind, wobei wir nicht unterlassen mögen, darauf aufmerksam zu machen, daß es bei den gestellten Anforderungen wahrlich nicht leicht war, sich unter den vorzüglichsten Ausstellungszweigen eine besondere Anerkennung zu verschaffen. Mit dein ersten Preise wurden ausgezeichnet : Die Aerzner Maschinenfabrik von Adolph Meyer in Hannover, welche vor Kurzem auch von der königlichen Landwirthschafts-Gcsellschaft zu Eelle wie bei dein Preispflügen in Hameln mit der silbernen Medaille prämiirt wurde; das

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