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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-10-08 · Heft 41 (8.10.1878) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 41 (8.10.1878)
Date
1878-10-08
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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emeine Zeitung des Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeikung erscheint wöchentlich einmal in ü dis 3'/- Bogens Preis BierreljähriI 3M»rk. Inserate werden mir Lti Ps. für die Pcrirzeile oder deren i Raum berechnet. Alle Postämter und Buchhandlungen nehmen Bestellungen an. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bomr. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. In redactionellen Angelegenheiten :rende man fich an lir.'e. Pyilipvson in Bonn: hinsichtlich der Inserate an A. Moste in Leivrig und denen Filiale« in Berlin, Breslau re. Inserate, welche bis vonnerrtag erngehen, finden in der darauffolgenden Nummer Berücksichtigung. Beilagen werden mit 1 Mark 50 Pf. pro Hundert berechnet. 42. Jahrgang. Leipzig, den 8. Oktober 1878. 41. Inhslr. Leitende Artikel: Eine Betrachtung zu den hohen Festen. IV. — Analekten: I. P. Hhacintbe und das Iudenthum. II. S. 2. Luzzatto und Maimonides. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Köln, Bonn, Leipzig, 'Breslau. — Belgien: Brüssel. — Rumänien: Bukarest. — Bonn: Notizen. Frankfurt a. M.: Literarische Notizen. — Feuilleton: Rahel Meyer. J£«xkevx)e Bonn, 2. October. (Eine Betrachtung zu den hohen Festen. IV. Die heilige Schrift sucht in dem Menschen das Gefühl und Bewußtsein der Schuldhaftigkeit vor Gott zu erwecken.- Die Thora legt oft genug dem Israeliten das Wort des reuigen Bekenntnisses in den Mund. Wer schildert den Seelenzustand des sich schuldig fühlenden Menschen ergreifender als die heiligen Sänger? „Der Sünden meiner Jugend und meiner Misiethaten gedenke nicht!" ruft seufzend der Pfalmist aus (25, 7). „Denn meine Misiethaten übersteigen mir das Haupt, wie eine schwere Last sind sie zu schwer mir worden" (38, 5). „Denn meine Schuld bekenne ich, und gräme mich um meine Sünde" (SB. 19). „Denn ich erkenne meine Misiethaten, und meine Sünd' ist stets vor mir. An dir, an dir allein Hab' ich gesündigt, und was in deinen Augen bös, gethan" (51, 6). Er lehrt uns: „Nicht Schlachtopfer begehrst du, sonst gab' ich sie, Ganzopfer gefallen dir nicht. Die Schlachtopfer Gottes sind ein zerbrochner Geist, ein gebrochnes und zerknirschtes Herz verschmähst, o Gott, du - nicht!" (51, 18. 19). Und er sagt es allen Menschen in's Herz: „Wenn, Iah, die Sünden du aufbewahrtest, wer könnte, Herr, bestehen?" (130, 3). Aber in der That, der Psalmist kennt auch die Erhebung der Seele, die in einem reuigen Bekenntniß enthalten ist. „Da ich schwieg, verzehrte mein Gebein sich, in meinem Stöhnen den ganzen Tag. Denn Tag und Nacht lag schwer deine Hand auf mir, mein Lebenssaft versiegte wie in des Sommers Dürre. Selah. Meine Sünde ihat ich dir kund, meine Schuld verdeckt' ich nicht, ich sprach: auf meine Misiethat will ich dem Ewigen bekennen — da vergabst du meine Sündenschuld! Selah" .32, 3—5\ Und wie schildert er die Empfindung Desien, der fühlt: es ist mir vergeben! Entsündigst du mich, ruft er aus: dann „läsiest du mich hören Wonne und Freude, und alle meine Glieder jubeln!" (51, 9. 10). Aber hier zeigt sich der Vorzug einer Institution vor dem bloßen Wort. In unsren Tagen, wie Wenige lesen und wie selten die Psalmen, und wenn sie ihnen zu Gesichte kommen, wie wenig beherzigen sie ihre Worte! Aber eine Institution, wie es der Versöhnungstag ist, ruft alle Bekenner des Judenthums zu sich, nur die draußen lastend, die mit vollem Bewußtsein draußen bleiben wollen. Und ob, wer da kommt, es sich mehr oder weniger klar macht, weshalb er kommt, und was die Bedeutung und der Zweck dieser Feier ist, der er sich zugesellt: der Tag spricht durch sich selbst zu ihm, und durch Alles, was da geschieht und gesprochen wird. Dies ist also die unermeßliche Wichtigkeit und der große Inhalt dieser Institution des Versöhnungstages: daß er im Bewußtsein Aller, die ihn begehen, das Gefühl der Schuldhaftigkeit vor Gott weckt und verstärkt, dann wieder das Gefühl der Nähe des allbarmherzigen Gottes, und diese beiden Empfindungen wirken

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