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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-10-01 · Heft 40 (1.10.1878) · p. Seite 635

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 40 (1.10.1878)
Date
1878-10-01
Page
Seite 635 (sequence 11)
Language
German
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635 Von der Don au, den 10. September. (Literarische Notizen.) Mit wahrer Freude lasen wir neulich, auch in diesen Blättern, die Ankündigung daß in c. 8 Tagen die Presse verlassen würde: „Geschichte der Juden in Nürnberg und Fürth. Auf Grund des vorhandenen gedruckten Materials, der in der königl. Archiven zu Nürnberg und Bamberg befindlichen Acten und Urkunden, der Archivalien im Cultusgemeindebefitz rc. rc. herausgegeben und bis auf die Neuzeit ergänzt von Hugo Barbeck, Nürnberg, Friedrich Heerdegen (Barbeck) 1878" (114 S.) Die viel verheißene und mit Spannung erwartete Schrift liegt uns nunmehr vor. Der Verfasser, von dem, wie wir aus dem Umschläge ersehen, vor einigen Jahren ein ,^riegsbuch vom 29. Juli bis 1. September 1870" erschien und das, obgleich es nie in den Buchhandel kam, doch zwei Auflagen erlebte, versichert, daß hinsichtlich der Geschichte der Juden in Nürnberg, womit sich die erste Abtheilung der Schrift beschäftigt, das gesammte Urkundenmaterial neu gesichtet wurde; eine „Citation" der Quellen wurde, wie im Vorworte bemerkt wird, unterlassen, da „anfänglich die Arbeit nicht für den Druck bestimmt war." Wir erkennen bereitwillig den guten Willen des Verf. an, bedauern aber auch, daß er diese Schrift der Oeffentlichkeit übergeben hat; auch den bescheidensten Erwartungen wird in keiner Weise entsprochen. IeuiI Eine gegenseitige Rettung. Einer wahren Begebenheit nacherzählt von Leon McnLclsburg in Koretz (Pothynicn). < Fortsetzung.) Ich trat eilenden Fu ßes aus der Bude in die finstere1 Nacht hinaus. Da plötzlich stieß ich auf einen Menschen, den ich gar nicht bemerkt hatte und den ich schier umrannte.; — Anstart aber mich barsch auzulassen, grüßte er höflichst, bat um Entschuldigung und fragte mich in russischer Sprache, wo hier der Postojall (Gasthaus, der jüdischen Fuhrleute fei — Ich zeigte ihm nüt dem Finger hin und fügte hinzu: „Wenn der Herr einen Fuhrmann zu miethen wünscht, so bin ich der einzige, der noch da ist — sonst sind alle Fuhrleute verreist." „Nun gut", sagte der Mann, „wollen Sie mit meinen: Herrn fahren?" Wohin?" fragte ich. „Weit, weit, einige Hundert Werste gen Südostrußland", war die Antwort. „Recht gern" entgegnete ich, hocherfreut. „Sagen Sie, was Sie verlangen, wir wollen sehen, ob wir handelseins werden können." — „Ich weiß ja eigentlich noch nicht", sagte ich, „wo das Ziel unserer Reise sein wird." Der Mann nannte mir ein Dorf im.schen Gouvernement. „Wie lange kann wohl die Reise dahin dauern"? ftagte ich. „Einen Monat, wenn die Pferde gut sind", entgegnete der Mann. „Einen Monat", rief ich, „o, so könnte uns ja noch der Winter Die vielen, in den letzten Jahrzehnten erschienenen Vorarbeiten zu seiner Geschichte, wie Hegel's vortreffliche Bearbeitung der Nürnberger Chronik in den „Chroniken der fränkischen Städte", Wiener's Regesten zur Geschichte der Juden in Deutschland, selbst Stobbe's Juden in Deutschland während des Mittelalters wurden von Herrn Barbeck völlig unbenutzt gelassen. Sehen wir von den in der Beilage III kurz erwähnten, zum Theil auch schon früher bekannten Urkunden ab, „die wegen vorgeschrittenen Druckes nicht mehr im Texte verwendet werden konnten", so ist diese ganze „Geschichte der Juden in Nürnberg und Fürth", nichts anders als ein noch dazu unvollständiger Auszug aus des Pfarrers Würfel bekannten „Historische Nachrichten von der Judengemeinde in Nürnberg" und „Histor. Nachrichten von der Judengemeinde in dem Hofmarkt Fürth." Wir schweigen davon, daß Herrn Barbeck jede Kenntniß des Hebräischen abgeht, so schreibt er consequent „Barnoß", Michel „Chafed"für Chasid (S. 54), das Ablesen der„Ehubab", für Ketubah (S. 63) „Mehari" Weil statt R. Jacob Weil (S. 21) und erwähnen nur noch der Ergänzungen aus der neueren Zeit, die der Verf. hinsichtlich Fürths aus dem Bamberger Kreisj archiv und dem Archiv der Fürther Cultusgemeinde gewonnen j haben will. Die neuere Geschichte der Juden in Nürnberg I besteht aus wenigen dürren Notizen. 51. X. t e t o n.! überfallen." „Auf der Rückreise können Sie allenfalls auf den Winter rechnen", sagte der Mann nach einer Weile Nachsinncns. „Darauf bin ich aber nicht vorbereitet, ich habe ja keinen Schlitten", sagte ich. „Was thut das?" erwiederte der Mann, „bei einem Schneefalle verkaufen Sie den Wagen und kaufen sich einen Schlitten. Wie viel Pferde haben Sie denn?" „Zwei, die schon mehr als zwei Wochen rasten und also gut gehen werden", erwiederte ich. — Ist Ihr Wägelchen gedeckt?" fragte abermals der Mann. Ich bejahte die Frage. „Nun, so sagen Sie, was Sie verlangen?" Ich sann ein Weilchen nach, dann sagte ich: „Wenn ich einen ganzen Monat fahren, den Wagen verkaufen und einen Schlitten kaufen muß, so müssen Sie mir wenigstens zweihundert Rubel geben." Ter Mann fand die Summe zu hoch und sing an zu handeln. Ich blieb aber bei meiner Forderung. Endlich fragte er: „Haben Sic einen Paß?" Ich griff in die Tasche, zog ein Papier heraus und hielt es ihm hin. „Nun, so spannen Sie die Pferde vor und kommen Sie zu meinem Herrn, der schon mit Ihnen fertig werden wird." Ich bat den Mann, mit mir in die Schankbude zu gehen, um mir dort den Mann anzusehen, der mir etwas verdächtig vorkam. Er wollte aber anfangs nicht von der Stelle, sondern trat leise in den Schein, der von der hellen Gaslampe durch die offene Thüre auf die Straße fiel, und nachdem er meinen Paß abgefordert, besah er sich 40*

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