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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-09-24 · Heft 39 (24.9.1878) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 39 (24.9.1878)
Date
1878-09-24
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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emeine Zeitung des Hudenthums. Ein unparteiisches Organ für Mes Wische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 dis LV- Bogen. Preis Lierteljahrig 3 Mark. Inserate werden , mit 20 Ps. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. j Alle Postämter und Buchhandlungen! nehmen Bestellungen an. | Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippsou in Bonn. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an lir.L. phiUp-soa in Bon»; hinftchrlich der Inserate an?l. Trofft in Leipzig uns Neffen Kilralen in Berlin, UrrSlau re. Inseratr, welche bis vouarrrtay «»gehen, finden in der darauffolgenden Nummer Berückfichtigung. Beilagen werden mit 1 Mart 50 Pf. xrc> Hundert berechnet. 42. Jahrgang. Leipzig, den 24. September 1878. 38. Inhult. Leitende Artikel: Eine Betrachtung zu den hohen Festen. II. — Die Volksschule in Preußen vom religiösen Stand» punkte. — Ieitungsnachrichten: Deutschland: Breslau. - Oesterreich-Ungarn: Pest. Wien. Bonn, Przemysl. Von der Donau.— Xürfei: Eonstantinopel. — Rumänien: Bukarest. — Bonn: Notizen. Literarische Notizen.— Feuilleton: Eine gegenseitige Rettung. <A?elteiu)e CXtit&e£. Bonn, 18. September. (Eine Letrachtuug zu den hohen Festen. ll. Der Wechsel des Jahres, der Schluß des vergangenen mit all' seinem Thun und Lassen des Menschen und der Beginn des neuen mit all' dem Geschick, das es dem Menschen bringen wird, enthält wie von selbst den Gedanken der göttlichen Vergeltung, des göttlichen Gerichts, das die Verhängnisse für den Menschen an dessen Thun und Lassen knüpft. Sobald daher dem Drommetenfeste am ersten Tage des Tischri die Bedeutung des Neujahrs eingesenkt war, verband sich mit ihm folgerichtig die Vorstellung vom göttlichen Gerichte. In der traditionellen Entwicklung des Judenthums war die mosaische Vorschrift (2 Mos. 12, 2), daß der Monat, in welchem zur Dollmondszeit das Peßach gefeiert werden sollte, auch der erste Monat des Jahres sei, allmählich zurückgewichen. Man zählte vier Jahresanfänge (L^L? n>'2“iS, Rösch hasch. I. 1): den einen am ersten Nisian, als den Anfang der Regierungsjahre der Könige und den der Feste, den zweiten am 1. Elul für das Verzehnten des Viehes, den vierten am 1. Schebat für das Verzehnten der Baumfrucht — den dritten aber am 1. Tischri als Anfang der Jahre und zur Berechnung der Brach- und Jobeljahre, wozu noch die Beachtung der Orlab an den neugepflanzten Bäumen und das Verzehnten der Kräuter kam. Dies ist nichts Anderes, als den ersten Tischri zum wirklichen Neujahrsfeste erheben, und darum auch ihm den Gedanken des göttlichen Gerichts einsenken. Auch hier sehen wir die Consequenz der traditionellen Weisen das göttliche Gericht gewissermaßen vertheilen. Sie nehmen (a. a. O. 2) an, daß „viermal im Jahre die Welt gerichtet wird: am Peßach über das zukünftige Gedeihen des Getreides, am Wochenfest über die Baumfrüchte — es schließt sich dies an die Darbringung der ersten Garbe am Peßach und der Erstlinge am Wochenfeste an — am Laubhüttenfeste über den Regen, den Früh- und Spätregen — ganz den Vorstellungen und Bedürfnisien eines ackerbauenden Volkes gemäß — am wirklichen Neujahrsfeste aber (am Drvmmetenseste) „gehen alle, die in die Welt gekommen, vor Ihm vorüber wie Lämmer", die beim Verzehnten durch eine kleine Pforte gehen und gezählt werden, „wie es in der Schrift heißt (Ps. 33, 9), „der aller Herzen gebildet, prüfet all' ihr Thun." Es versteht sich, daß die drei anderen „Gerichtstage" verblaßten, und im religiösen Bewußtsein des Volkes eben nur mit dem Neujahrsfeste der Gedanke an die göttliche Vergeltung aufs Innigste verschmolz. Dies arbeitete sich demnach durch das ganze Ritual dieses Festes durch, in welchem vorwiegend dieser Tag als „Tag des Gerichtes" zum Ausdruck kommt. Wir erinnern z. B. nur an das Gebet Spn das ebenso einfach wie hochpoetisch, ebenso innig wie phantastisch ist, und worin es heißt: „Und alle, die in die Welt gekommen, ziehen vor dir vorüber wie die Lämmer der Heerde; wie der Hirt mustert seine Heerde und läßt die

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