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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-09-17 · Heft 38 (17.9.1878) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 38 (17.9.1878)
Date
1878-09-17
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung -es Iudenthums. Ein unparteiisches Orgm für alles jüdische Interesse. > Diese Zeitung erscheint wöchentlich | einmal in 2 dis ->>/. Bogen. Preis | BierteljähriA 3 Mark. Inserate werden! mir 20 Pf. für die Petitzeile oder deren i! Raum berechnet. Alle Postämter und Buchhandlungen nehmen Bestellungen an. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippjon in Bonn. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. In redactionellen Angelegenheiten ' wende man fich an Iir. t. Mliydsan in j Bonn; hinsichtlich der Inserate an Hl. l Möge in Leivü» und dessen Filialen \ in Berlin. BreSlau rc. Zuserate, welche bis vonuerstay eingehen.! sinken in der daraussolgenden stummer! > Berücksichtigung.! Beilagen werden mir 1 Mark 50 Pf. pro Hundert berechnet. 42. Jahrgang. Leipzig, den 17. September 1878. Jts 38. InKnK. Leitende Artikel: Eine Betrachtung zu den hohen Festen. I. — Literarischer Wochenbericht. — Der Berliner Vertrag im Originaltexte. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Aus Württemberg, Karlsruhe, Bonn. — Italien: Turin. — Bosnien: Lemberg, Serajewo — Rumänien: Hamburg. —Amerika: New-Orleans. — Bonn: Notizen. Literarische Notizen.— Feuilleton: Aus dem Volksleben mit seinen Licht- und Schattenseiten. VII. — Etwas über die Seele und die Unsterblichkeit. — Die Bedeutung des Assyrischen. — Vermischtes: Ein Pseudo-Jude. Juden im mittleren Arabien. Der „Semite". B onn, II. September. Eine Letrachtung zu den hohen Festen, i. In den Tiefen des Menschengeistes liegt der Seelendrang, der Herzenswunsch, aus der Schuldhaftigkeit herauszukommen und vor Gott versöhnt zu sein, d. h. vor Gott, vor dem Ideale des Guten und Heiligen sich rein zu fühlen, vor dem unendlichen und liebevollen Weltgeiste, dem wir unser Dasein und all besten Inhalt verdanken, von dem wir uns abhängig wissen. Dieser Seelendrang ist die eigentliche Religiosität im Menschengeiste, und er giebt den Maßstab für unsere religiöse Anschauungs- und Empsindungsweise ab. Der Mensch, in welchem dieses Verlangen erloschen ist, mag er immerhin dann und wann ein Gefühl des Dankes gegen Gott, des Vertrauens und der Hoffnung auf Gott, ein Wort heißer Bitte in der Stunde der Gefahr und Noth haben, hat aufgehört, wahrhaft religiös zu sein. Wir meinen hier noch nicht die Zerknirschung des Verbrechers, die Gewistensunruhe dessen, der sich eines schweren Vergehens, eines argen Fehltrittes schuldig gemacht. Wir meinen vielmehr das Schuldbewusstsein jedes Menschen, denn „es lebt kein Mensch, der nicht sündigt, wie die Schrift uns wiederholt zuruft, das Gefühl der Unzulänglichkeit in der Erfüllung seiner Pflichten, die Empfindung der Mangelhaftigkeit in Allem, was im Thun und Lassen, im Denken und Sprechen von uns zu verlangen ist. Dessen uns völlig bewußt zu werden, mit fester Hand die Sonde in diese Wundmale unseres Herzens zu senken, und dann zu aufrichtiger Ausgleichung, zur Läuterung und Versöhnung vor Gott hinaufzustreben, dies ist es, was wir als tiefverborgen in unserer Seele, als Drang unseres Herzens, als wahrhafte Religiosität bezeichnen. Wohin wir auf religiösem Gebiete blicken, von den Altären Aegyptens und Indiens und den Götterhainen der Germanen bis zu den Dogmengebäuden der modernen Religionen, überall sehen wir dieses Seelenbedürfniß hervortreten, in Symbolen und Acten, in Glaubenssätzen, Ceremonien und Handlungen. Aber wie groß und zahlreich waren auch hier die Verirrungen des Menschengeistes! Wenn von Vereinen Seile das bloße Symbol, die einfache Ceremonie an die Stelle aller tieferen Seelenbewegung trat, wenn ein oberflächliches Bekenntniß und ein Ablaß zur Sühne selbst des schwersten Verbrechens genügen sollte: so gelangte man andererseits zu einer fürchterlichen Ascetik, zu den schauerlichen Bußübungen der Bramanen, zu lebensgefährlichen Kasteiungen und Geißelungen, zur Flucht aus dem Leben und Entsagung eines menschenwürdigen Daseins. Aber auch auf dem Gebiete des Gedankens, von der in der Willensfreiheit des Menschen begründeten Befähigung zum Bösen wie zum Guten, zum Laster wie zur Tugend kam man bis zum Begriff von der angeborenen Verderbtheit des Menschengeschlechts, der Erbsünde, für welche der Ausgangspunkt in dem ersten Vergehen des ersten Menschen

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