Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 37 (10.9.1878)
- Date
- 1878-09-10
- Page
- Seite 588 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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- Tunis 2× ep/1048155
- Oran 1× ep/1048048
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588 uns aus ihrer Hand, sie thaten uns nichts. Denn Gott ließ j überhaupt in Werken der Wohlthätigkeit und Gemeinnütziguns Erbarmen bei dem Fürsten finden. Wir find verpflichtet, j keit eine ehrenvolle Stellung einnahmen. Besonders zeichnete Gott zu loben, daß er uns dieses Wunder gethan; und ich isich Don Aaron Cardozo, der Abkömmling einer portuhabe die Sache niedergeschrieben, damit sie künftigen Geschlechtern; giefischen Familie aus. Als Delegirter des General Fox, Gouverneurs von Gibraltar, schloß er 1805 einen Vertrag mit Sidi-Mahomet, Beh von Oran ab, die Garnison von Gibraltar und das englische Geschwader im Mittelmeer zu approvisioniren. Bei dieser Gelegenheit rettete er drei Engländern in Oran das Leben. Ebenso brachte er einen Vertrag zwischen der portugiesischen Regierung und dem Beh von Tunis zu Stande. Der König Ludwig XVIII. von Frankreich verlieh ihm 1824 die Ehrenlegion. Er war bedeutender Landeigenthümer und erbaute das damals schönste Haus in Gibraltar, in welchem er alle diese Stadt besuchenden ausgezeichneten Fremden freigebig bewirthete. Er war Consul für , Tunis und Algier, Präsident der Handelskammer und Vor- Die Auflösung giebt uns Leckh in seiner Geschichte des j sicher der jüdischen Gemeinde. Henry Beaylis veröffentlichte bekannt werde." Wenn wir erwägen, wie die Israeliten von jeher vor dem Verbrechen des Mordes zurückschauderten, wie sie vor Menschenblut durchgehends Grauen und Entsetzen empfanden, wie sie sogar das thierische Blut, weil seit uralter Zeit zum Genüsse verboten, verabscheuten, und wie der Talmud gebietet, man müsse sich lieber selbst tödten lassen, ehe man eine Mordthat begeht T,2;T 78*; nrr; wenn man ferner erwägt, daß dies dem christlichen Volke, unter dem sie lebten, unmöglich unbekannt geblieben sein konnte: so muß man erstaunen, daß daffelbe solche lügenhafte Beschuldigungen immer und immer wiederholte. Ursprungs und Einfluffes der Aufklärung in Europa. Er sagt einmal: „Im Mittelalter war dem Volke durch eine falsche Theologie das Gefühl der Wahrheit abhanden gekommen." Darmstadt. _ Mannh eimer. Vermischtes. Die Juden in Gibraltar. An einer anderen Stelle find bereits einige Notizen über die jüdische Gemeinde in jener merkwürdigen Festung, welche den Eingang zum Mittelmeere beherrscht und unter dem Schutze der Engländer ein ganz anderes Ansehen erlangt hat, als sie unter der verfallenen spanischen Herrschaft hatte, aus dem siebenten Jahresbericht der Anglo-Jewish Association gegeben worden, namentlich daß erst seit der Eroberung Gibralta's durch die Engländer, im Jahre 1701, Juden sich daselbst wieder niederlafien konnten, und gegenwärtig die Gemeinde aus 1533 Seelen besteht. Wir fügen hier noch Einiges hinzu. Auch in dieser abgeschlofienen englischen Besitzung zeigt sich in dem kleinen Häuflein Juden der Zug zu schriftstellerischer Thätigkeit. Abraham Benatar verfaßte ein Buch „Komischer Anekdoten und Scuyren", Emanuel del War eine englische und spanische Grammatik nebst Vokabularium, die in einigen Schulen eingesührt ist. 1843 erschien eine zweimonatliche Zeitschrift in spanischer Sprache „(’ronica lsraelita“, an welcher besonders Judah Serfath arbeitete; sie ging aus Mangel an Abonnenten bald wieder ein. Rabbi Joseph Elmabech, einige Jahre Ober-Rabbiner von Gibraltar, schrieb 7,2'? b* *.2p‘n über einige jüdische legislatorische Fragen; Rabbi Jsaac Lewh verfaßte nT“? m, eine Sammlung verschiedener Autoritäten über Eherecht, welches Werk auch ins Spanische übersetzt wurde. — Auch verschiedene staatliche Aemter wurden von Juden in Gibraltar bekleidet, welche eine Broschüre über seine Biographie 1830. — Dieselbe Stellung als Eonsul für Oesterreich und Marokko nahm Judah Benoliel ein, der 1839 starb. In Tangar war in einer Synagoge zwischen zwei Juden ein Streit entstanden, der zu Thätlichkeiten führte. Dies nahm der damalige Gouverneur zmn Vorwände, um vom Sultan den Befehl zu erlangen, alle Synagogen niederzureißen. So waren die dortigen Juden lange Zeit ohne Gotteshäuser. Als der Sultan Muley Abderrahman, Großvater des jetzigen, Tanger besuchte, eilte Benoliel dahin, und da ihm der Sultan persönliche Ehren nnd Rechte bewilligen wollte, erbat er die Erlaubniß, die Synagoge wieder zu erbauen, was ihm auch bewilligt wurde. Bis zum heutigen Tage wird am Versöhnungstage in den Synagogen zu Tanger eine Gedächtnißfeier für ihn abgehalten. Als Pius IX, damals noch Cardinal, von Chili mit einer großen Summe Geldes zurückkehrte, legte er diese bei Benoliel nieder und der Papst erwähnte noch öfter achtungsvoll dieses Juden von Gibraltar. Als 1825 Sardinien eine Flotte gegen Marokko schickte, glich Benoliel als Consul von Marokko die bestehende Differenz auf befriedigende Weise aus. Don Moses Levy, ein Kaufmann von Gibraltar, war auch der erste Jude, der Liffabon besuchte, als das portugiesische Gesetz die Juden noch aus Portugal verbannt hielt. Er hatte dies auf besondere Einladung des Grafen A. Vincent, des Admirals der portugiesischen Flotte, der ihn dem Könige Don Juan VI. vorstellte. Dieser gewährte ihm durch einen besonderen königl. Befehl die Erlaubniß, in Liffabon zu residiren. — Tie erste Synagoge wurde in Gibraltar 1768 errichtet, 1812 in gothischem Style neu erbaut. Aber schon 1800 wurde eine zweite errichtet; beide zeichnen sich durch prächtige Ausschmückung aus. Zwei frühere Neben-Synagogen wurden in Lehrhäuser verwandelt. Die Gemeinde besitzt große und kleine Vereine für alle Zweige der Wohlthätigkeit und des Unterrichts.