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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-09-10 · Heft 37 (10.9.1878) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 37 (10.9.1878)
Date
1878-09-10
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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"Allgemeine Zeitung des Iudenthums. Cm unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wiichentljch einmal in 2 dis 2V- Bogen. Preis Vierteljährig 3 Mark. Inserate werden mit L» Ps. sür die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Postämter und Buchhandlungen nehmen Bestellungen an. Hera us gegeben von Rabbiner I)r. Ludwig Philipp fon in Bonn. Verlag von Bamngärtner'S Buchhandlung in Leipzig. In redactionellen Angelegenheiten > wende man sich an Or. L. Philipps»» in > Bonn; hinsichtlich der Inserate an N. l Alolle in Leipzig und veffea Kilraleu » in Berlin. BreSlau :c. Juleratr, welche bis vounerstag einzehen, finden in der daraussolzenden Stummer . Berücksichtigung. > Beilagen werden mit 1 Mark 50 Pf. pro Hundert berechnet. 42. ÄllhrglNIg. Leipzig, den 10. September 1878. «^2 3i. Inbnkt. Leitende Artikel: Briefe aus Petersburg. IV. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Bonn. — Oesterreich- Ungarn: Pest, Lemberg, Pest. — Fraukreich: Paris. — Belgien: Brüssel. — Bosnien: Wien. — S erbien: Belgrad. — Jlumänien: Bukarest, Berlin.— Pal äst i na: xonstantinopel. — Bonn: Notizen. Literarische Notizen. — Feuilleton: Zu Peßach.— Vermischtes: Die Juden in Gibraltar. teilende (ftthftef. Petersburg, 25. August. Griefe aus Petersburgs). IV. Nachdem ich in meinen beiden letzten Briefen die geistige Physiognomie unserer Brüder in Rußland charakterisirt habe, werde ich hier in aller Kürze deren materielle Lage darzustellen versuchen. Don innen unsägliche Armuth und verzweiflungsvolle Hülflosigkeit, von außen kalte Theilnahmlosigkeit und gehässige Zurücksetzung, schwere Belastung mit Steuern und Abgaben von der einen, und deprimirender Druck entehrender Ausnahmegesetze von der andern Seite, machen unsere Lage zu einer' äußerst beklagenswerthen und tief ergreifenden. In einigen Provinzen, die schon seit Alters her und ganz besonders seit der letzten polnischen Revolution zu den ärmsten des weiten russischen Reichs, sowohl wegen der vernachlässigten Bodenkultur, 1) Um etwaigen Mißverständnissen vorzubeugen, bemerke ich hier. _ daß ich unter „aufgeklärten Pionieren" — in meinem III. Briese Nr. 31 Seite 488 d. Z. — solche verdienstvolle Männer wie I. B. Lewinsohn, M. A. Günzburg, A. Benjacob, I. Serisewsky und andere, die in aller Einsicht mit gutem Beispiel vorangingen. nicht verstanden habe. Diese Männer haben nur die Schuld derjenigen Aufgeklärten oder Pseudoaufgeklärten, deren Gebahren ich offen gerügt habe, gebüßt, mit welchen sie nichts gemein hatten, als die Bildung, oft auch dies nicht. Corresp. als auch der geringen Industrie und des minimen Handels gehören, sind circa drei Millionen Juden eingesperrt, und auch hier sind sie, da sie kein Land besitzen dürfen, auf den Aufenthalt in den Städten beschränkt. Der polnische Adel, der in früheren Zeiten eine Haupterwerbsquelle den Juden bot, ist theils exilirt, theils emigrirt, und der noch im Lande zurückgebliebene ist schrecklich verarmt und heruntergekommen. Die großen und reichen polnischen Güter, die eine große Stütze sür das Land waren, sind theils in die Hände einiger ausländischer Speculanten übergegangen, die vom Wohl des Landes nichts wisien wollen, theils confiscirt und Arendatoren zur Ausbeutung überlasten, und die Güter, welche noch ihren alten Besitzern gehören, sind durch die Armuth der letzteren ganz verkommen. Der Bauer, vom Hause aus arm und dem Trünke ergeben, vermag am wenigsten die Industrie des Landes zu heben und zu fördern. Landbau, so wie öffentliche Aemter sind uns bekanntlich unzugänglich. So ist die ganze jüdische Bevölkerung Rußlands nur auf Handel und Gewerbe angewiesen. Beide aber, an sich wegen des Mangels an großen Handelsmärkten, Häfen und Fabriken, wie auch der relativ geringen Bedürfniste der armen und noch wenig civilisirten örtlichen Bevölkerung nicht bedeutend, sind überdies nicht mehr das Monopol der Juden wie einst: der Binnen- und Producten-Handel, sowie der Er- und Import, besonders in den Grenzgegenden und dort, wo die Communication durch die Eisenbahn erleichtert worden ist, werden jetzt zum großen Theil auch vom Bauer betrieben. Das abgeschlostene, enge Zusammenleben der Juden, schon davon

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