Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 36 (3.9.1878)
- Date
- 1878-09-03
- Page
- Seite 571 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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571 lich vor: „Es wäre verständiger und praktischer, wenn diel Vertheidiger der Emanzipation der Juden gegenwärtig drei Hauptforderungen aufstellten: 1) Zulassung der Juden zu unbegrenzter freier Seßhaftigkeit und allen Gewerben auf Grundlage derselben Gesetze, welche ste in den Landstrichen genossen haben, wo sie ansässig waren, vorläufig vielleicht mit Ausnahme der Schenkwirtbschaft; 2) Aufhebung aller Verordnungen, welche ausdrücklich für Juden gegeben, und 5) Durchsicht der Eivilgefetze und Aufhebung jedes confessionellen Unterschieds in denselben." (Wir unsrerseits predigen seit oO Jahren, daß die unbedingte Freizügigkeit das einzige Mittel ist, um in Rußland den Uebelständen betreffs der Juden abzuhelfen. Halbe Maßregeln schaden mehr als sic nützen. Die Erfahrung aller Länder hat dies erwiesen.) Bonn 25. Aug. (Notizen.) Das Asyl für jüdische Greise zu Brüssel hat seinen dritten Jahresbericht veröffentlicht, der das Gedeihen der Anstalt unter eifriger Fürsorge der an der Spitze stehenden Damen und Herrn erweist. Es werden jetzt in derselben 8 Männer und 7 Frauen erhallen mit einem Totalaufwande von 16,428 Frs. für das Jahr 1877. Das bisjetzt genossene lebhafte Jntereffe Seitens der Jsraelitett in Brüffel wird auch diesem Asyle seine Zukunft sichern. — Am 14. d. fand zu Hann. Münden die Einweihung der wiederhergestellten, durch den Brand am 2. Februar d. I. sehr beschädigten Synagoge statt, welcher Feier auch die Spitzen der Behörden anwobnten. Die ergreifende Predigt des Landrabb. I)r. Guttmann aus Hildesheim, die schön vorgetragenen Solis des Eantors Katz, der als Herausgeber der „Traditionellen Synagogengesänge" bekannt ist, sowie die Ausführung des musikalischen Theiles durch den hiesigen Orchester-Verein, welchem die israelitische Gemeinde den wärmsten Tank auszusprechen hat, erhoben die Feier zu einer selten weihevollen und begeisternden. — Man schreibt uns aus Rheine unterm 18. Aug.: Der Redacteur des „Lingen und Rheinischen Volksboten" van Acken wurde wegen eines Artikels: „Kann der Jude Heren;" vom Obergerichte in Osnabrück am 14. d. Monats zu 14 Tagen Gefängniß und in die Kosten verurtheilt. Dies wird seinen Eifer, gegen die Juden zu Hetzen, ein wenig abkühlen. — Aus Papa (Ungarn) wird uns geschrieben: Was in unserer Zeit nicht alles möglich ist! Die hiesigen Orthodoren gehen mit dem Plane um, eine „autonome jüdisch-orthodore Realschule" zu errichten. Der Rabbiner unserer Orthodoren ist ein Schwiegersohn des Herrn Rabbiners Hirsch in Frankfurt a. M. B onn, 25. Aug. (Literarische Notizen.) Noch vor dem Eintritte der Herbstfeierlage wird, wie man uns aus Kopenhagen schreibt, eine dreißig Bogen starke Schrift des Oberrabbiners itr. A. A. Wolfs erscheinen. Dieselbe enthält eim kräftige Widerlegung und ausführliche Abwehr gegen drei evangelische Geistliche, welche in Werken, die eigentlich zur Erbauung und Belehrung dienen sollten, sich in gehässigster Weise über Juden und Judenthum ausgelassen haben, besonders gegen den Bischof Martensen, der in seiner „Praktischen Ethik des Christenthums" die Gleichstellung der Juden sogar für einen Mißgriff erklärte. Man ist hier aus das Werk in allen Kreisen gespannt, da der Vers, in öffentlichen Blättern eine vorläufige Erwiederung hatte erscheinen lassen und dann auf die von ihm herauszugcbende Schrift verwiesen hatte. — Das jüdische Kalenderwesen nimmt von Jahr zu Jahr größeren Umfang an. So erschien auch jüngst in Halberstadt im Verlage von H. Meyer ein „Jllustrirter jüdischer Kalender für 5659". Die Illustration besteht freilich nur in einer Illustration des Sir Moses Montefiore; der Kalender ist aber typographisch sehr beftiedigend ausgestattet. Außer dem Zubehör des Kalenders enthält das entsprechende Heft einen Sonettenkranz „Zion" von Arnold Ludwig, der in der Form sehr gelungen, im Inhalte steilich über den gewöhnlichen mit Zion verbundenen Gedankenkreis nicht hinaus geht. Eine recht lesbare Erzählung „Zwischen alter und neuer Zeit" von Caroline Deutsch und eine Biographie Montefiore's. Wir wünschen dem Unternehmen den günstigsten Erfolg. — Fest- und Gelegenheits- Predigten von Or. S. Maybaum, Rabbiner zu Saaz. Erster Theil. Breslau. Hepner 1878. Der vorliegende Band, dem weitere folgen sollen, enthält 24 Predigten, theils zum Paffahfeste, zum Wochen-, Hütten- und Schlußfest, theils Gelegenheitsreden. Die Predigten sind sämmtlich kurz gehalten, eine jede nicht mehr als 7 Druckseiten saffend und außer der Einleitung in zwei Abschnitte zerfallend. Wir können nicht sagen, daß diese bestimmte und stets durchgesührte Form allen Anforderungen genügen könne. So wohlthuend es ist, Umschweife und Abschweifungen und jede überflüssige Weitläufigkeit vermieden zu sehen, so wird doch auch durch diese knappe Form I die Ausführung eines reicheren Gedankens nach deffen verschiedenen Richtungen hin sehr beschränkt und bisweilen die eben geweckte Stimmung der Zuhörer nicht genug ausgetönt, um nicht schnellem Erlöschen anheimzusallen. Abgesehen hiervon, können wir dem Versaffer eine herzliche Anerkennung aus-! sprechen. Er versteht es, die höchsten religiös sittlichen Fragen j seinen Zuhörern zugänglich zu machen und angemeffen zu beantworten. Seine Sprache ist edel, klar, flüssig. Jndeß müffen wir doch bemerken, daß, wenigstens in dem vorliegenden Theile, der Redner vorzugsweise das intellectuelle Moment berücksichtigt, dagegen denn Gemüthe und dem sittlichen Element weniger Nahrung zusührt. Ter Redner steht auf der Höhe religiöser Erkenntniß, versenkt sich aber weniger in die Tiefen des Herzens und in das Leben des individuellen Men-! schen. Was wir an den vorliegenden Reden noch rühmen wollen!(ist, daß der Vers, zwar zur Unterstützung von Schriftstellen :J6*