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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-09-03 · Heft 36 (3.9.1878) · p. Seite 568

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 36 (3.9.1878)
Date
1878-09-03
Page
Seite 568 (sequence 8)
Language
German
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568 einen raschen Umschwung zu Gunsten derselben genommen, Tactik des Radicalismus zu kommen, und nunmehr berühr denn „Romunal", der erst vor wenigen Wochen die Zusammen-! die rumänische Presse die Judenfrage en passant." — Die berufung einer Constituante in Sachen der Judenfrage für „Prefsa" schreibt dieser Tage in einem noch weit bezeichnendern geradezu unmöglich hielt, weist nunmehr sogar aus deren! Tone: „Es wäre eine Verrücktheit, uns der Erecutirung derevent. Nothwendigkeit hin. Wie sich die Zeiten und Ansichten I jenigen Bestimmungen des Berliner Vertrags (die Zurückgabe doch ändern können! Sehr zutreffend stnd die diesbezüglichen j Bessarabiens und die Gleichstellung der Juden), die uns für Bemerkungen der in Bukarest erscheinenden „Preffe" (conferdie Anerkennung unserer Unabhängigkeit als conditiones sine natin): „Romanul habe, als ihn die Kunde von der Seitens «pm non auserlegt wurden, entgegensetzen zu wollen." — des Congresses beschlossenen Gleichstellung der Juden ereilte. Wir haben also allen Grund, zu hoffen, daß die Ausförmlich wie ein feuerspeiender Berg mit lavaähnlichen Wuth-' tragung der rumänischen Judenfrage einen günstigen Verlauf ausbrüchen gegen die Juden nach allen Seiten hin geschleudert j nehmen wird, und nicht wie die Feinde unserer Sache das und die gesummte radicale Preffe unterstützte ihn wacker in j Gegentheil zu behaupten stch nicht entblöden. — Ich theile Ihnen diesem Unternehmen, den einzigen Zweck im Auge behaltend, > bei dieser Gelegenheit mit, daß die am 15. und 17. Juli die Aufmerksamkeit des rumänischen Volkes von den anderj u. c. a. St. zu Daroboiu stattgefundene Schwurgerichtsverhandweitigen zahllosen politischen Gebrechen und Mängeln der! lung in Sachen der Cimara-Darabana-Affaire in Folge Nicht- Bratiano-Rosetti-demokratischen Regierung eine Weile abzu-! erfüllung mehrerer Formalitäten wieder verschoben werden mußte! lenken, aber die allgemeine Meinung wußte bald hinter diese! I. Freimann. ^lOetblLUXJ 6U/<XC&U/C&beu. Deutschland. Berlin, 18. August. (Privatmitth.) Mit großem Bedauern muß ich meiner neulichst gemachten Bemerkung, daß unter den 29 Candidaten, welche die Socialdemokraten diesmal für den Reichstag aufgestellt haben, kein Jude sei, nachträglich ein <l*-menti geben. In der Thal ist Mar Kaiser, der bei der Stichwahl in Freiberg in Sachsen die Mehrheit erhielt, der Sohn eines angesehenen jüdischen Hauses in Schlesien. Er ist jetzt erst 2t> Jahre alt, und deshalb das jüngste Mitglied des Reichstages. Erzogen ward er zur kaufmännischen Laufbahn, wandte aber dem Ladentische den Rücken und warf, sich auf die Journalistik. Er hat weder Gymnasialnoch akademische Bildung, erwarb sich aber ein reichlich zusammengewürfeltes Wissen, namentlich in der volkswirthschaftlichen Literatur und in der parlamentarischen Geschichte der letzten zehn Jahre. Er j gehört also zu jener Klaffe Literaten gewordener Commis, gegen i welche neulichst Carl Gutzkow in seiner Broschüre „Dionysius j Longinus" so scharfe Pfeile versendet hat. Er wurde zuerst in der entschlafenen „Demokratischen Zeitung" von Guido Weiß beschäftigt, kam dann zum „Dresdener Volksboten", der sich zur heutigen socialdemokratischen „Dresdener Volkszeitung" umwandelte. Schriftsteller ist Kaiser nicht, aber gewandt im Styl und als Redner. Er kleidet sich gut, steht im Rufe eines Gourmands und sein Aussehen zeigt nichts vom „Elend des Volkes". Sein Emporkommen verdankt er nur dem großen Mangel an geistigen Kräften im Lager der Socialdemokraten. Sein Ideal ist Laffalle, dem er aber weder an wissenschaftlicher Begabung noch an Genie gleichkommt. So haben wir also sechs Juden im Reichstage von allen Schattirungen, außer der der conservativen und des Centrums. — Der eben vollendete Wahlkampf wird übrigens in der Geschichte des deutschen Parlanrents eine bedeutsame Stelle einnehmen, und zwar wegen der wilden Leidenschaftlichkeit, die er hervorgerufen. Wenn wir zwar von den amerikanischen Wahlschlachten insoweit fernblieben, als, so viel wir wiffen, es nur in Harburg und Elberfeld (Barmen) zu Pöbelerceffen kam, so näherten wir uns doch jenen hinsichtlich der scandalösen Preßkämpfe und Parteihetzereien mit starken Schritten. Jndeß muß man, um gerecht zu sein, . hervorheben, daß diese schmähliche pöbelhafte Kampfweise nur ' von den Conservativen ausgeübt wurde, während die Liberalen sich überall innerhalb der Schranken des Anstandes und der Mäßigung bewegten und sich zu einer gleichartigen Behandlung ihrer Gegner nicht hinreißen ließen. Nichts gleicht der Wuth, mit welcher jene Leute, die sich doch den gebildeteren Klaffen zurechnen, besonders gegen die Juden losfuhren, und namentlich, wo sich evangelische Pastoren in den Kampf mischten, . vernahmen wir Aussprüche und Ausdrücke, welche an niedriger Gesinnung und Form nichts übrig laffen. Wir werden uns hüten, dergleichen wörtlich zu wiederholen. Wir wiffen aber > jetzt genugsam, was wir und die freisinnigere Welt überhaupt! von ihnen zu erwarten haben, wenn sie die Herrschaft an sich j rissen. | Posen, 19. August. Behufs Constituirung eines Vereins zur Ausbi ldung jüdi scher R eligi onslehre r der Provinz Posen sand gestern (Sonntag) unter Leitung des , Oberrabbiners Dr. Feilchenfeld, welcher durch Acclamatoin

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