Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-08-27 · Heft 35 (27.8.1878) · p. Seite 557

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 35 (27.8.1878)
Date
1878-08-27
Page
Seite 557 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3227177-3227213--36508-3306558
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

557 Jeuilleton. Correspov-enz. Lehrer Versammlung. Stuttgart, 12. August 1878. Heute fand hier in der Restauration Löwenftein die alljährlich stattstndende Eonferenz israel. Lehrer Württembergs statt, wozu sich 22 Vorsänger und Lehrer aus allen Theilen des Landes einfanden. Auch Herr Hofrath Oberkirchenvorsteher l>r. Levi beehrte eine kurze Zeit die Versammlung mit seiner Anwesenheit. Der Ausschuß des israel. Lehrer-Unterstützungsvereins hielt schon am Vorabend Sitzung und verwilligte, da der Stand der Unterstützungskasse ein günstiger ist, an 11 arme Lehrer und Lehrerswittwen Unterstützungen im Gesammtbetrage von 955 Mk., einzelne Gaben bis zu 100 Mk. Allgemein wurde dem Bedauern Ausdruck gegeben, daß manche Dereinsmitglieder gar nichts für die Unterstützungskasie wirken. Bei der Hauptversammlung, die um 10 Uhr eröffnet wurde, gab Herr Oberlehrer Liebmann, Vorstand des Vereins, in den Begrüßungsworten der Entrüstung und dem schmerzlichen Bedauern Ausdruck über die gegen das geheiligte Oberhaupt des deutschen Reiches versuchten ruchlosen Attentate und über die Freude über die Erhaltung des Lebens deffelben und wies zugleich hin auf die Aufgabe aller derjenigen, die mit an der Erziehung des Volkes arbeiten, den destruktiven Bestrebungen entgegenzuarbeiten. Die Versammlung bezeugte ihre volle Zustimmung zu diesen Aeußerungen. Einen großen Theil der dreistündigen Verhandlungen nahm ein Referat des Herrn Oberkantor Eichberg von hier in Anspruch über die Zerfahrenheit und Planlosigkeit, die bei der in den israel. Schulen bestehenden Ertheilung des Religionsunterrichts wahrzunehmen ist, besonders in Städten, wo die meisten Kinder die christlichen Lehranstalten besuchen. Es mußte aber leider konstatirt werden, daß bei der Lethargie des Einzelnen und der Gemeinden und der vielverbreiteten Religionslosigkeit nichts Befferes zu erwarten sei. Lehrer Straßburger in Buttenhausen, der durch eine Visitation an der Anwohnung bei der Versammlung verhindert war, hatte der Versammlung Vorschläge behufs Einführung einer zweckmäßigeren deutschen Lesesibel zur Beschlußfassung vorgelegt. Da der Lehrplan auch für die israel. Schulen nach der für die christl. Schulen eingeführten Fibel bestimmt wird und die israel. Seminaristen ihre Anleitung zum Leseunterricht nach dieser Fibel erhalten, da ferner die bis jetzt gebräuchliche Hästers-Hecht'sche Fibel bei ihren vielen Vorzügen, besonders zum Zwecke des Anschauungsunterrichts doch ihre großen Mängel für die württemb. Schulverhältniffe hat, besonders eine von der amtlich normirten sehr verschiedene Orthographie und Kalligraphie und viele norddeutsche Provinzialismen, auch ihr Stufengang ein schwieriger ist, so hält der Referent es jetzt, da die Oberschulbehörde die evangel. Fibeln revidirt, für zeitgemäß, auch für die Einführung einer Fibel mit gleichem Lehrgänge wie bei der evangelischen und entsprechenden Abänderung für' israel. Schulverhältniffe zu arbeiten und entsprechende Petitionen an die maßgebenden Behörden, besonders um Subventionirung aus der israel. Een-! tralkirchenkaffe zu richten. Ter Vorschlag wurde als unaus-! führbar abgelehnt. Mit warmem Danke wurde des neulich erfolgten Gesetzes, > die rechtliche Stellung der Volksschullehrer betreffend, gedacht, deffen Wohlthat auch auf die israel. Vorsänger ausgedehnt wurde. ' Tie Versammlung gab ferner dem Wunsche Ausdruck, es möge für die Folge den Mitgliedern der Inhalt der Tagesordnung einige Tage vor der Versammlung mitgetheilt werden, um sich vorher auf dieselbe vorbereiten zu können. Bei dem gemeinsam eingenommenen Mittagsmahle wurde der Toast des Vorstands auf die württ. Königsfamilie mit Begeisterung ausgenommen. Anzeigen. Concurs. In der israelitischen Cul Lusgemeinde zu Teplitz in Böhmen ist die Stelle eines Localrabbiners und Predigers mit 1. April 1879 neu zu besetzen. Mit diesem Posten ist ein jährlicher Gehalt von östr. Fl. 1200 nebst den üblichen Emolumenten verbunden. Reflectanten wollen ihre durch Geburtsschein instruirten Gesuche mit dem Nachweise über zurückgelegte rabbinische und philosophische Studien, bisherige Verwendung re. an den Unterzeichneten bis 31. December 1878 gelangen lassen. Teplitz, 19. August 1878: Von der isr. Cultusgemeinderepräsentanz Der Vorsteher: Angelns Pick. (7187)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.