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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-07-23 · Heft 30 (23.7.1878) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 30 (23.7.1878)
Date
1878-07-23
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Iudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 di» Bozen. Preis Vierteljährig sMark. Inserate werden mir 20 Ps. iiir die Peiirzeile oder deren Ranni berechnet. Aue Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Äestellmtgen an. Heraus gegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippsou in Bonn. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. In redaktionellen Angelegenheiten wende man sich an lir. t.'. JJqilippfon m Bonn; hinsichtlich des Bezugs und der Inserate an üannmänuer'» öudilmiiötuiiij in Leipzig. Ioleriiir, welche bis vounrr« «aa einzeben. finden in t er darausiolzende» Nummer Berirctsichiizung. Beilagen werben mit 1 Mark 50 Pf. pro Hundert berechnet. 42. Jahrgang. Leipzig, den 23. Juli 1878. 3tt. ^Inhalt. Leitende Artikel: Das hundertjährige Jubiläum des „Nathan der Weise". III. — Die Convention zwischen England und der Türkei vom 4. Juni. — Der Congreß. — Der Culturkampf in der Menschheit (Schluß). — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin. Königsberg. Nürnberg, Bielefeld. — Oesterreich-Ungarn: Wien. — Frankreich: Paris. -- Rußland: Petersburg. — Rumänien: Bukarest. — Bonn: Notizen. Nekrolog, literarische Notizen. — Feuilleton: Corresponden;: Ruhrort. AeitetiDe fiLitiftef. 1 Bonn, 17. Juli. Das huudertjahrige Jubiläum des „Nathan der Weise". ili. Auf drei Stufen erhob sich also, wie wir gesehen. Lessing zu dem höchsten Resultate seines forschens- und schaffensreichen Lebens. Als junger Dichter lehrte er von der Bühne aus, daß es auch rmter den Juden bochgebildete und edelherzige Menschen giebt und daß es auf die Behandlung seitens der christlichen Welt ankomme, um die Juden in Bildung und socialem Leben den Christen gleichgeartet zu machen. Wir sahen, daß um die Mitte des vorigen Jahrhunderts dies ein Ausspruch war, der die deutsche Lesewelt in Erstaunen setzte und den selbst aufgeklärte Männer wie Ritter Michaelis nicht einmal als Voraussetzung des Dichters, weil ganz unwahrscheinlich, gelten lassen wollten. Weiterhin führte der junge Gelehrte die Ansicht aus, die er bei dem Cardanus vorgefunden, daß von einem allgemeinen Standpunkte die drei Religionen neben einander zu bestehen die volle Berechtigung hätten, indem er die mangelhafte Darstellung des Cardanus für das Judenthum und den Islam mit gewichtigen Gründen und in wärmster Weise ergänzte. Es war dies, wenn man die Anschauungsweise jener Zeit, die unbedingte Ausschließlichkeit, welche die christliche Welt gegen die beiden anderen Religionen übte und in welcher sie diese kaum eines Blickes würdigte, betrachtet, ein sehr kühnes Vorgeben, und für das Judenthum von höchster Bedeutung. Die christlichen Gelehrten und Denker hatten sich gewöhnt, das Judenthum seit dem Ursprung des Chriftenthums als Religion für todt und nur noch als ein Convolut abergläubischer Cercmonieen und Satzungen zu erklären. Jetzt sollte es als immer noch kraft- und lebensvoll und mit völliger Gleichberechtigung neben dem Cbristenthume erscheinen'. Im „Nathan der Weise" endlich sah Lessing diese Gleichstellung nicht mehr als eine zu begründende Ansicht, sondern schon als eine seststebende Tbatsache an. Man war eben in dem Vierteljabrhundert. das zwischen seinem Cardanus und Nathan lag, weiter gekommen und hierzu hatte Mendelssohn einen großen Dheil beigetragen. Indem Lessing, sich stützend auf den Satz, daß „der Mensch nicht zum Grübeln, sondern zum Thun bestimmt sei" (gleich dem alten talmudischen Satze: „nicht die Erklärung ist die Hauptsache, sondern die That"), die große These in seiner dramatischen Dichtung zur Anschauung und lebendigen Verkörperung bringen wollte, daß das Wesen der Religion in der thätigen triebe, in der Ausübung der Gerechtigkeit und der gegenseitigen Duldsamkeit bestehe, ließ er zugleich keinen Zweifel übrig, daß die drei positiven Religionen ein gleiches Maß dieses Wesens enthalten, wenn sie nur den Geist der Ausschließlichkeit, das alleinige Gefäß der Wahrheit zu sein, und durch ihre Glaubenssätze allein das Seelenheil zu gewähren, aus sich verbannen, ■ von sich auf immer trennen wollten. Aber Lessing ging noch weiter. Er wählte zu dem eigentlichen Träger dieser Lehre,

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