Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1878)
- Date
- 1878-07-16
- Page
- Seite 462 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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462 Staatsanwalts-Substitut Kleborn erklärt, es sei ihnH Wohl bekannt, daß in Galizien viele Ehen aus diese Weise geschlossen würden; namentlich seien es die Chassidim, welche mit Vorliebe der gesetzlichen Ehe ausweichen. Die Polizei wolle aber wissen, ob eine gesetzliche Ehe geschlossen worden sei, nicht welche Ansicht irgend Jemand über die Ehe überhaupt und über die rituelle insbesondere habe. Die Angeklagten hätten ganz gut gewußt, daß ihre Ehe vor dem Gesetze ungiltig sei und daher, im vollen Bewußtsein der Lüge, der Polizei eine falsche Meldung gemacht. Or. Neuda bestreitet den Umstand, daß die Angeklagten mit Absicht gelogen. Die Trauungs-Ceremonien wechseln in Galizien wie allenfalls hier die Leichenseierlichkeiten, und der gemeine Mann glaube dort in der That, daß die rituelle Ehe auch die gesetzliche sei. Der Gerichtshof schloß sich den Anschauungen des Vertheidigcrs an und sprach die Angeklagten frei, indem er die Absicht, die Behörde irrczufübren, als nicht vorhanden annahm. Daß die Ehe dennoch als ungiltig angesehen wird, und erst durch eine neue staatsgesetzliche Trauung legalisirt werden muß, versteht sich von selbst. Die schwarzen Inden in Indien. Ein englisches Blatt berichtet aus Aden: „Unter den hier angekommenen und nach Malta bestimmten Truppen befinden sich, was gewiß eine große Merkwürdigkeit ist, auch einige pechschwarze Juden, die an der Malabarküste zu Hause sind und gleich andern Eingebornen ihres großen Vaterlandes der englisch-indischen Armee eingereiht wurden. An der bezeichneten Küste, zumal in der großen Handelsstadt Kotschin, giebt es nämlich auch Colonien von schwarzen Juden, die angeblich Ueberreste jener Juden sind, die König Salomo nach Indien geschickt hat, um hier für ihn der Elephantenjagd obzuliegen oder in den Goldbergwerken daselbst zu arbeiten und die nun im Lause der seit damals vergangenen dreitausend Jahre ihre Hautfarbe gänzlich geändert haben, so daß man sie heute gar nicht mehr von den anderen Bewohnern des Dhekan unterscheiden kann. Ihre Muttersprache jedoch ist schon längst nicht mehr das Hebräische, sondern das sogenannte Hindi, in dem auch ihre heiligen Schriften und ihre Gebetbücher abgefaßt sind. Ueberhaupt besitzen sie von der heiligen Schrift nur die Bibel, aber immer nur geschrieben, nie gedruckt. Von den Festtagen feiern sie nur den Sabbath und das Osterfest und ist ihnen sogar auch das englisch-jüdische Fest „Feast of Atonement“ (Versöhnungstag) gänzlich unbekannt. Auch in Bezug auf die Speisegesetze differiren sie von den anderen Juden, da sie während der Zeit ihrer mehr als dritthalbtausendjährigen Jsolirung von ihren übrigen Glaubensgenossen — Weiße Juden sind erst im Anfänge des sechzehnten Jahrhunderts nach Indien gekommen — ihre meisten Glaubensvorschristen vergeben haben. Sie leben aber noch heute isolirt von den Weißen Juden Indiens, da Letztere sie nicht als wirkliche Abkömmlinge des jüdischen Stammes betrachten. Dagegen prahlen Erstere mit ihren Freiheitsbriesen, die sie noch von den uralten Königen Indiens, darunter einen auch von Tschandrakupta ^Sandracotus,, dem Zeitgenossen Alexander des Großen, der bekanntlich seinen Liebling Megasthenes an den Hof dieses indischen Königs als Gesandten geschickt hat (302 v. Ehr.), erhalten haben. Auch nennen sie sich nicht „Juden", sondern „Beni Israel" (Söhne Jsracl's, und sie behaupten, im Besitze einiger, von den Patriarchen selbst verfaßten Gebete zu sein. Sic leben in großer Armuth und Unwissenheit und ernähren sich meistens von der Agrikultur oder als Taglöhner. In den früheren Zeiten wurden sie auch von den indischen Regierungen sehr stark bedrückt, jetzt aber, unter der englischen Oberhoheit, leben sie frei und zufrieden. In der Stadt Kotschin haben sie sogar ihr Ghetto (Mata Tschirri), wo sie eigene Richter und eine eigene Stadtwache haben. In der englischen Armee dienen viele derselben mit Auszeichnung".', 1) In den obigen Angaben finden sich mehrfache Jrrthümer. Tan von Salomon nach Indien gesandte Hebräer die Ahnen dieser > schwarten Juden sein feilten, ist schon darum unannehmbar, weil I eine gänzliche Verwandlung der Hautfarbe während der geschichti lichen Zeit nirgends vorgekommen ist. Tie gewöhnliche Annahme! ist vielmehr, daß sie die Abkömmlinge schwarzer Lklaven sind, die; sich zur Religion ihrer südischen Herren bekannten. Auch dürfen , sie nicht mit den Beni Israel verwechselt werden, Weißen indischen , Juden, die aus Arabien herübergekommen. Ueber letztere haben l wir erst vor Kurzem ausführlicher nach der Mittheilung der Angloi Jewish-Association berichtet. Redaction. Zknzeigen. M ft n c li e n. MM Br. Steintaclier’s ..BrnniM, durch seine idyllische Lage, sowie die Nähe der kunstreichen Gressstadt (München ist zu Kuss in V* Stunde zu erreichen) bietet. Brünnthal für Jeden einen wahrhaft angenehmen .Aufenthalt: durch seine vortreffliche ärztliche Leitung für Kranke ein Asyl des Heils. Herz-, Magen-. Leber-. Uückenmarkskrankheiten. Gicht, Hautleiden. Scropheln, Schwiichezustünde, Medicinvergiftung, hatten sich stets besonders günstiger lleilresultate zu erfreuen, worüber Steinb acher’s bewährte Schriften Auskunft, gehen. l’rospcct. gratis. Preise massig. Minderbemittelt«; berücksichtigend. (3*74b.) ^6180756