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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-07-09 · Heft 28 (9.7.1878) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 28 (9.7.1878)
Date
1878-07-09
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Zudenlhums. Ein unpartciischcs Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscbcink wöchentlich einmal in 2 diS S>/, Koqen. Prei»> BierteljähriI »Mark. Inserate werden mit 20 Ps. für die Petitzeile edcr deren Raum berechnet. AlleBuchbandlungen, Postämter und Zeimngs-Exvediriönen i nehmen Bestellungen an. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. Benag von Baumgartners Buchhandlung in Veivzig.! In redacrieneNen Angelegenheiten : wende man sich an I>r. C. vbiUppfon in Bonn: dinstchrlich ded Bezugs und der Inserate an ßonmaörtn«’* ßumhanülanq ' in veipzig. Zaserale, welche diSvonner,- i tay eingeden, finden in der darauffolgen-! i den Aummer Berücküchrigung. Beilagen werden mit 1 M a r l 5 0 P f. pro Hundert berechnet. 42. Jahrgang. Leipzig, den 9. Juli 1878. 28. 'Inhalt. Leitende Artikel: Das hundertjährige Jubiläum des „Nathan der Weise", l. — Der Congreß.— Der erste jüdisch-galizische siseuieindetag. — Zeitungsnachrichten: D cutschl and: Berlin. Aus dem l^roßherzogthum Lachsen, Düsseldorf. Karlsruhe, München. — Oest erre icb - Ung arn: Pest. — Bulgarien: Lom-Palanka. — Runiänien: Suczava. — Holland: Rotterdam. — Rußland: Kalisch. — Bonn: Rotten. — Feuilleton: (5or rcsp ondenz: 5ildeöhenn. — Rothmünzen und Marken der Juden in Polen. —Derm ischres: Jstoczh und der „Wiener Spaziergänger". — Schwärmerei. J-CttcitDe (5^r.ttltcl. Bonn, 3. Juli. j Das hvn-ertjährige Jubiläum des „Uathan der Weise". i. Vor Kurzem beabsichtigte man in Frankreich den hundertjährigen Todestag Voltaire's feierlich zu begehen. Da erhob der Clerus gewaltig seine Stimme, uin gegen diese Feier zu prolestiren. Er wußte wohl, warum er dies that. Er hatte niemals einen entschiedeneren Feind gehabt als Voltaire, der die Waffen der Ironie und Satire ebenso gut wie die des Pathos zu gebrauchen verstand und der mit einem bis dahin nie gekannten Muthe gegen ihn auftrat, und zwar in einer für alle Volksschichten verständlichen Weise. Der französische Clerus wollte der öffentlichen Voltairefeier eine ebenso öffentliche der Jungfrau von Orleans entgegenstellen, jener Heroine, welche französische Bischöfe als Here hatten verbrennen laffen. Die französische Regierung sah sich genötbigt, um Zusammenstöße zu vermeiden, deren Wirkungen nicht zu berechnen waren, der beiderseitigen Feier, soweit sie öffentlich sein sollte, die Genehmigung zu versagen. So ward die Voltairefeier nur in einigen Hörsälen, die der Jungfrau nur in einigen Kirchen begangen. Wer die Umstände kennt, unter welchen Voltaire vor hundert Jahren verstarb, fast erdrückt von den Ovationen der ganzen Pariser Bevölkerung, überall, wo er erschienen war, von einer zujauchzenden Menge umringt — der kann sich nicht verhehlen, daß der allgemeine Geist in Frankreich seitdem just keinen Fortschritt gemacht habe. Run, auch wir in Deutschland haben in diesem Jahre ein bunderljähriges Jubiläum zu feiern, nicht das Jubiläum eines Todes-, sondern eines Geburtstages, zwar nicht eines der großen Männer, deren Verdienste eine späte Zukunft noch dankbar zu feiern bat, wohl aber eines der größten Meisterwerke, die der deutsche Genius geschaffen, eines Meisterwerks, das weniger als Kunsterzeugniß, denn als Schöpfung der reinsten und wahrsten Humanität über seine und viele Zeiten hinausragt und dadurch zu einer welthistorischen Erscheinung geworden ist. Am 15. November 1778 begann Lessing, wie eine Bemerkung auf dem noch erhaltenen Manuscripte des ersten Entwurfs besagt, die versificirle Ausarbeitung seines „Ratban der Weise", und zu Anfang April des folgenden Jahres war das Ganze vollendet. Der 15. November des lausenden Jahres ist also der eigentliche Geburtstag dieses unsterblichen Dramas Wir wollen zunächst die cigenthümlichen Verhältnisse ins Gedächtniß zurückrufen, unter welchen diese Dichtung geschaffen wurde *). Am 10. Januar 1778 verlor Lessing seine Gattin, mit der er nur ein Jahr der glücklichsten Ehe verlebt batte.; Sic starb nach der Geburt eines Knaben, der nur wenige i Stunden geathmet. Lessing war tief niedergebeugt. Er sab j sich des ganzen Glückes beraubt, daß er erst nach so langem I 1 j Das Folgende nach Danzel's Leben Lessing's, Stahr's Leben Lessing's und Kayserling's Leben Mendelssobn's.

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