Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 114 (22.9.1838)
- Date
- 1838-09-22
- Page
- Seite 461 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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461 Wir haben stets das Schlechte, das Antihumane, was Druck und Verfolgung und gezwungene Zsolirung der Judenheit aufgedrangt haben, und immer noch aufdrangen, verabscheut, und es ist unser Bestreben, unser Lebenszweck, an der Aufgabe der Zeit, jenes auszulöschen, zu vertilgen, eifrigst mitzuhelfen. Nie aber konnten und können wir solche Verrather an uns selbst sein, daß wir auch das Gute, das Geistige, das Göttliche am und im Judenthume, von welchem sich noch immer so viele menschliche Gebiete nähern und sättigen, daß wir das, was in einem schrecklichen Kampfe unser geblieben, aufgeben wollen, um einige Rechte, welche die Zeit und die wahre christliche Liebe, an der wir nicht verzweifeln, uns doch geben wird, einige Decennien früher zu erlangen; um den Evolutionsmannern zu gefallen, welche, die Entfaltung des menschlichen Geistes in tausend Blüthen und Formen mit Gewalt verkennen und nur die ihrige gelten lassen wollen. Wir wissen, was wir von den Menschen, wie sie sind, fordern können, und darnach handeln wir. Wir haben noch nicht geklagt, und noch nicht angeschuldet — wir hoffen und streben! So wie aber nicht von jüdischer, so kann auch nicht von christlicher Seite Ahasver das Zudenthum sein, denn dann würde der große Spruch ihres Meisters: „Vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun!" — zur Lüge gemacht werden. (Fortsetzung folgt.) B e l l e t r i st i k. Israelitische Lebensbilder *. (Letzte Nummer in No. 92 ). So wie donnernd stürzten Von der Höh' des Volkes Wellen Und auf Felsengrund zerschellten. Weitzerstiebend, schaumgepeitscht. In die Harfe greifen^ Und in weichen Trauertönen Diesen herben Schmerz versöhnen Dem Jahrhundert, wollt' ich schon — Als das düstre Auge Schaute auf des Stromes Spiegel, Wie er drunten um die Hügel Ruhig in die Ferne zog. Sonnenstrahlen spielten Auf der Fläche, dichte Wälder Warfen Schatten, reiche Felder, Grüne Auen sättigt' er. Segel spannten schimmernd Sich auf seiner Wog' an Masten, Ueber aufgehäuften Lasten, Die er murmelnd fürdertrug. Und die müden Menschen Warfen ihre heißen Glieder In die kühlen Wellen nieder, Tauchten frischer wieder auf. Da durchfuhr es fröhlich, Wie ein Strahl, der Seele Trauer, Und ein wonnevoller Schauer Hob den schon gebrochnen Muth. Nicht am Felsengrunde Bist Du, Israel, zerstoben, Nicht in Dunstgewölke hoben Sich die Wellen Deines Stroms. 7. Der Mann. I. Von der Felsenhöhe, Wo du standest, einsam prächtig, Sankst Du, dem Geschick ohnmächtig, Sankst Du nieder in das Thal. Dort, wo donnernd stürzen Von der Höh' des Srromes Wellen, Und am Felsengrund zerschellen, Unter Weiden saß ich da. Aber Deine Wogen Sammelten sich doch'zusammen, Daß, in breitem Bett, sie schwammen Durch die Gränzen aller Welt, Düstre Wehmuthsschauer Drangen durch der Seele Raume, Und vergangner Zeiten Träume Brachten Thränen in den Blick. Brachten ihre Gaben Durch die Ferne, nah' und weite. Brachten zu des Lebens Streite Ihren Gottessegen mit. So wie einst die Väter Unter Trauerweiden saßen, Und an Babels Strom vergaßen Nimmer das zerstörte Haus. Ja, noch spiegeln Sterne Sich in Dir und Frühlingssonne, Ja, noch schöpfet Kraft und Wonne Sich -er müde Mann aus Dir.