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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-06-25 · Heft 26 (25.6.1878) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 26 (25.6.1878)
Date
1878-06-25
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Iudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles Wische Interesse. l Diese Leitung erscheint wöchentlich einmal in 2 vi» 2'/-> Bogen. Prei» Biertel,ädrig 3 Ulark. Inserate werde» mit 20 Pf. für die Pctitzeile oder dci cn Raum berechnet. Lite Buchhandlungen, °"---mter und Zeitungs»Expeditionen nehmen Bestellungen an. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Bonn. Verlag von Bauwgärtuer's Buchhaudluuq iu Leipzig. ÄN redactiouellen Sng___ »ende man sich an l>r. t. »hiliP,son in " “in; hinsichtlich der Inserate an St. " ‘ ~ ’ ' "»Filialen ' Moste in Leipzig und deffcn I Berlin, BreSlanrc. Inserate,' S eilageu »erben mit 1 Mark 50 Pf. pro Hundert berechnet. 42. Jahrgang. Leipzig, den 25. Juni 1878. J\? 26. Inhalt. Leitende Artikel: Der Classenkampf in Deutschland. III. — Streiflichter auf die Verhältnisse der galisischen Juden. - Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Stuttgart, Boun, Hannover. — Oesterreich-Ungarn: Pest. — Krakau. Frankreich: Pari«. — Belgien: Brüssel. — Großbritannien: Manchester, London. — Schweden: Stockholm. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Das Klima in Palästina. £cdeudc OLxhkel. Bonn, 19. Juni. Der Classenkampf in Deutschland. III. Der erste Trug des Socialismus ist, wie wir schon angedeulet, daß er sich an die Arbeit knüpft. Zur Arbeit sind alle Menschen berufen, genöthigt und gewillt. Ja, die größte, dauerndste Befriedigung schafft dem Menschen die Freude an der Arbeit! Und so ist es eines der gröbsten Verbrechen des Socialismus, dem Volke diese Freude an der Arbeit zu vergiften, und ihm die Arbeit nur als eine Last, als eine Ausbeutung seiner Kräfte darzustellen. Die erste Forderung, die sich somit der Socialismus gestellt hätte, wäre die Vertheilung der Arbeit und zwar nach einem gerechten Maße. Nun ist es allerdings gerecht, ras Uebermaß von Arbeit, soweit es möglich, gesetzlich zu verhüten, und ist dies auch schon durch Gesetze über die Beschränkung der Arbeitszeit und der Arbeit von Frauen und Kindern geschehen. Aber die vom Socialismus verheißene Bertheilung der Arbeit ist eine Unmöglichkeit, da ja schon dieselbe Arbeit für verschiedene Individuen wegen der Verschiedenheit ihrer Kräfte, ihrer Befähigung und ihres Willens durchaus ungleich ist. Zugleich würde dadurch die Arbeit nichts als ein Zwang, mit gänzlicher Aufhebung des freien Willens, mit völliger Vernichtung jeder persönlichen Freiheit, ein Sklaventhum, wie es härter noch niemals bestanden. Wir haben es hier also nur mit einem Manöver zu thun, mit welchem die socialistischen Schwätzer das Volk verlocken und betrügen. — Der richtige Ankergrund des Socialismus ist vielmehr die Ungleichheit des Besitzes. Der Socialismus will den Besitz aufheben, alle Products der Arbeit der Gesammtheit übertragen, welche sie, also alle Genußmittel, an die Einzelnen vertheilt. Zwar haben einige neuere Socialisten, denen die Aufhebung alles Besitzes doch zu ungeheuerlich erschien, ihre Theorie beschränken wollen, indem sie nur die Aufhebung alles „Productivbesitzes" verlangten. Alles also, was zur Production gehört, Boden, Capital, Gebäude, Maschinen und Werkzeuge, alles dies im ganzen Umfange der gesammten menschlichen Production soll Gemeingut sein. Jndeß dies ist nur Schein; denn was bleibt dann noch übrig? Höchstens daß der Einzelne von den ihm zugetheilten Genußmitteln sich aufsammeln könne, was er gerade nicht verzehrt. In der Gesellschaft des Socialismus hätte ja auch ein sonstiger Besitz gar keinen Zweck, also gar keinen Werth; er müßte, um productiv zu werden, sofort wieder an das Gemeingut abgegeben werden. Wir wollen nun mit den socialistischen Theoretikern über den Besitz und das Besitzrecht gar nicht streiten. Wir meinen, daß mit dem Begriff der Arbeit auch der des Besitzes unzertrennlich verbunden ist. Arbeit heißt nichts Anderes als Erzielung eines Besitzes. Jede Arbeit ist persönlich, folglich auch der Besitz. Deutlich wird dies so recht auf dem geistigen Gebiete. Jede geistige Arbeit enthält die Erzielung von Kenntniffen und Gedanken und diese sind persönlicher Besitz, der auch dadurch nicht aufhört persönlich zu sein, daß wir die Kenntniffe und Gedanken Anderen mittheilen. So wenig die Arbeit, ebenso wenig ist daher der Besitz von der Natur des Menschen

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