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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-06-04 · Heft 23 (4.6.1878) · p. Seite 366

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 23 (4.6.1878)
Date
1878-06-04
Page
Seite 366 (sequence 14)
Language
German
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366 einen von dem seinen verschiedenen RitnS befolgten, ebensowenig verdrängten seine ausgesprochenen Ansichten über das Judenthum die Bedürfnisie anderer religiöser Körperschaften anS seiner Sympathie. Seine Freigebigkeit war von jener Art, welche keinen Unterschied zwischen Glauben und Glauben macht und blieb völlig unbeeinflußt von seelischen Unterscheidungen. Er achtete streng die gewiffenhafte Ueberzeugung Anderer, und die Frage, ob Religion oder keine Religion, sprach nicht mit, wenn man ihn um Hülfe für Bedürftige anging. In ihm fand sich jene seltene Bereinigung von Gedankenfreiheit unv Eifer für seinen eigenen Glauben. Und doch wird wahrscheinlich das Andenken an seine unermüdlichen und ernsten Bemühungen für die sociale Stellung der Juden am längsten in jenen Ländern fortleben, in denen sie noch jetzt unterdrückt werden. Ungerechtigkeit irgend einer Art war ihm durchaus verhaßt und Unterdrückung schien ihm nur eine Art von Ungerechtigkeit. Bor mehr als fünfzehn Jahren erweckte die Lage der Polen feine thätige Sympathie und ein Meeting nach dem anderen fand in seinem eigenen Hause statt und wurde von zahlreichen polnischen Flüchtlingen besucht, zu dem Zwecke, einige Erleichterung der Leiden, unter denen sie lebten, zu bewerkstelligen. Diese waren keine Juden, aber sie fanden in ihm nichtsdestoweniger einen treuen Freund und mächtigen Bertheidiger. Gegen die Unterdrückung der Juden, besonders in Serbien und Rumänien, hat er thatkräftig bei mehr als einer Gelegenheit von seinem Parlamentssitze aus protestirt; und bei all' unserer Würdigung der wohlwollenden Beachtung, welche die verschiedenen Remonstrationen bei dem auswärtigen Amte bei den Ministern Ihrer Majestät gesunden, dürfen wir doch nicht den Einfluß außer Acht lasten, den Sir Francis Goldsmid ausgeübt, und die Achtung, welche man stets seiner gewandten Berlheidigung der Rechte seiner unterdrückten GlaubenSgenosten zollte. Seit der Errichtung der Anglo-Jewish Association war er deren thätige Stütze. Als einer ihrer Bicepräsioenten wurden seine Dienste oft in Anspruch genommen, und es ist nicht zu viel gesagt, daß diese Körperschaft, mit so fähigen Beamten sie auch unzweifelhaft versehen ist, gezögert haben würde, irgend einen wichtigen Schritt zu thun, ohne vorher seine Billigung eingeholt zu haben. Eine seiner letzten Thaten war die Schenkung eines beträchlichen Beitrags zu den Fonds der Association. Bon dem rumänischen Comitö, welches auS dieser Association entsprang, war er der thätige und energische Präsident und bekleidete diesen Posten bis kurz ehe es in die erstgenannte Körperschaft aufging. In den zerstreuten Provinzen der Türkei wurde er als Verfechter der jüdischen Rechte angesehen; und in feinem Baterlande, in dem Hause der Gemeinen, erwarb er sich durch seine männlich ausgesprochenen Proteste gegen jede Ungerechtigkeit denselben ehrenhaften Titel. Bon welchem Gesichtspunkte aus swir ihn auch betrachten, können wir nicht umhin zu empfinden, daß sein plötzlicher Tod in der jüdischen Gemeinde eine große Lücke hinterlaffen hat. Bescheiden in seiner Wohlihätigkeit, geachtet und sympathisch in jeder Lebensbeziehung, war er vielseitig in seiner Wirksamkeit; und jetzt wo er hinübergezangen ist, bringen wir uns gern in Erinnerung, daß durch seine Existenz geistige Unwissenheit vermindert, religiöse Wahrheit immer weiter verbreitet und bas Judenthum gehoben worben. Vermischtes. Englisch. Der Hebrew Leader schreibt: „Unsre englischen Glaubensgenossen benehmen sich manchmal in gewissen Angelegenheiten sehr eigentümlich; zum Beispiel schlug es der Oberrabbiner ab, die Hambro-Synagoge in London zu besuchen, ehe nicht in der Frauengallerie gewisse Aenverungen vorgenommen seien. Nachdem dies zu seiner Befriedigung geschehen war, besuchte er das Gotteshaus am siebenten Tage Peßach und hielt eine Predigt. Anzeigen. V#A sind ausschliesslich an die Annoncen - Expedition vom Rudolf -m-Mm&Wy'R CC’v€/ Mosse in Leipzig oder deren. Filialen in Berlin, Breslau, Chemnitz, Cöln aiR/i., Frankfurt ajJU. etc. zu adresssiren. -1 &D Berlin C. Zimmerv.Mk. 1.50 an Hdtel de Snxe Omnibus am Bahnhof. "ilt'O Burgstr. Nr. 20 neben der Börse. (B. 3196.) In Contumaciam.

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