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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-05-07 · Heft 19 (7.5.1878) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 19 (7.5.1878)
Date
1878-05-07
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Iudenlhums. Ein unparteiisches Organ für alles Wische Interesse. HerauSgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. Verlag von Baumgärtuer's Buchhandlnnq in Leipzig. Beilagen werden mit 1 Mark 50 Pf. pro Hundert berechnet. In «dactiouellea Angelegenheiten wende man sich an vr. £. yhiliPpsou in Bonn; binfichUich der Inserate an 4t. Stoff e in Leipzig and dessc» Filialen in Berlin. BreSlaurc. Inserate, welche bi« voaaerflay cingehcn. finden rädert«- " —'— Nummer - aufsolgende» V x BcrüSfichtigung. Diese Zeitung erscheint wScheullich einmal in 2 di» 2'/. Bogen. Preis Viertel lädrig 3 iHart. Inserate werde» mit 2» Ps. für die Pctilzeile oder deren Raum dcrcchucl. Alle Buchbar.diungen. Postämter und Zeitung» » ExPedirionen nehmen Bestellungen an. 42. Jahrgang. Leipzig, den 7. Mai 1878. J\? 19. Inhalt. Leitende Artikel: Einige Blicke in Vergangenheit und Gegenwart, l. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Leipzig, AuS Württemberg, Sondcrshausen, Don der oberen Mosel, Fürth. — Oester re ich-Ungarn: Lemberg. — Italien: Rom. — Griechenland: Athen. — Türkei: Philopopel. — Rumänien: Bukarest. — Rußland: Odessa. — Bonn: Notizen, Literarische Notizen. — Feuilleton: Pintschew und Mintschew. — Vermischtes: Auch eine große That. — Eine Entführung. — Die Missionsgesellschaft in New-York. J&äkvwde (SCxhJkel. Bonn, 1. Mai. Erlüge Slicke iu Vergangenheit und Gegenwart. I. Die von uns bereits erwähnte (Nr. 17, S. 268) jüngste Schrift Karl Gutzkow's: „Dionysius Longinus" enthält eine Stelle, die wir nicht mit Stillschweigen übergehen, vielmehr zum Ausgangspunkt einiger Betrachtungen machen wollen. Gutzkow beginnt mit der Besprechung des letzten Romans von Georg Ebers „Homo sum!“ Er spricht diesem entschieden jeden wahren Kuvstwerth ab, und findet in ihm „den ästhetischen Schwulst", den er zu bekämpfen sich anschickt. Unsere Leser erinnern sich vielleicht, daß auch unser Uriheil (1877, S. 829) nicht sehr verschieden hiervon lautete. Der Gegenstand des Romans, die christlichen Höhlenbewohner des Sinai, ist abstrus und selbst widerwärtig, dabei die Mystik dieser sonderbaren Heiligen nur von der äußersten Obersiäche geschöpft, und das Ganze aus einer Anekdote aufgebauscht, wie EberS selbst bekennt. Einen Irrthum jedoch begingen wir. Da Ebers nach dem Beispiele anderer christlicher Autoren, alle in seinem Roman vorkommenden Heiden als erbärmliche Subjecte, alle Christen als Tugendhelden schildert, schrieben wir dies „einem anerzogenen christlichen Vorurtheil" zu. Wie wir jedoch von Gutzkow erfahren, der Ebers als Gymnasiasten und dessen „höchfiliebenSwürdige Mutter" kannte, ist Ebers ein geraufter Jude. Das Vorurcheil ist also nicht anerzogen. sondern angenommen. G. sieht nun in der Richtung, welche Ebers in seiner jüngsten Dichtung eingeschlagen, dieselbe, wie sie sich bei anderen getauften Juden, die mit einem Male eifrige Bekenner Christi geworden, bei Neander, Stahl, Paulus Caffel, Lassen u. A. gekennzeichnet hat, indem sie „die Anschauungen der Synagoge" in die christliche Dogmatik hineintragen, die Rückkehr zum Christenthume des Petrus, während sie — den Geist des Paulus, Hegel, Schleiermacher, dem Liebesrückblick auf die Gesetzestafeln der alten Synagoge opfern." Wir wollen auf diesen Gegenstand nicht naher eingehen, sondern nur hervorheben, daß es in der That, abgeseben von der Mehrheit der getauften Juden, welche gerade solche Christen geworden, wie sie vorher Juden waren, eine Schaar getaufter Juden giebt, welche sich die Meinung eingebildet haben, daß nur getaufte Juden die rechten Christen seien, daß von diesen die Regeneration des Christenthumes ausgehen und überhaupt nicht eher das Heil der Welt erstehen werde, als bis ihre, der getauften Juden, Zahl eine überwiegende geworden wäre. Ueberlassen wir jedoch diesen Käuzen ihre krankhaften Phantasien! Gutzkow fährt fort: „Wohl weiß ich, es vollzieht sich gegenwärtig innerhalb des Judenlhumes eine merkwürdige Erscheinung. Väter, die von jeher die entschiedensten Voltairianer gewesen sind, unterwerfen plötzlich ihre Kinder auf's Strengste dem allen Ceremonialgesetz, dem Buchstabenzlauben, dem Rabbinismus. Nicht weil die Großmama es so will oder die Erbtante. Nein, die Furcht vor den Folgen der jenaer „Jrreligion" hat die Väter so in Angst gebracht über die künftige Moralität ihrer Kinder. Das Rabbinerthum steht in voller Blüthe. Man betet, befiehlt Fasten und Kasteiungen, läßt

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