Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1878)
- Date
- 1878-04-30
- Page
- Seite 285 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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285 ton Norden und Osten (letztere von Zangebar aus) in Masse und mit großer Energie eindringen. Dagegen will es nichts heißen, wenn der römische Stuhl jüngst vier Bischofssitze für Innerafrika creirte und vier Missionäre dazu ernannte. DaS sind Formen ohne Inhalt. Alle diese Beobachtungen verschaffen denn doch von der Weltstellung des Christenthums und des Islam zueinander eine andere Vorstellung, als die europäischen Schriftsteller gewöhnlich geben und die neuesten Ereigniffe zu bestätigen schienen. Vermischtes. Ein polnischer Jude als Bildhauer. In der diesjährigen Pariser Weltausstellung wird Rußland in einem Fache', in welchem es sich bisher keineswegs sonderlich auszeichnete, nämlich in der Sculptur, glänzend vertreten sein, und zwar verdanken die Ruffen die Rettung ihrer künstlerischen Ehre einem polnischen Juden — Namens Markus Antokolsky. DaS „Tageblatt" macht über den Künstler folgende Mittheilungen: Markus Antokolsky ist ein Autodidakt, der in seinen Knabenjahren so gut wie gar keinen Unterricht genoffen hat, ein Uebelstand, der sich auch heute noch sehr bemerkbar macht, namentlich in der Sprache; der Künstler spricht außer polnisch, nicht gerade dem gewähltesten, etwas russisch und etwas deutsch, ein wenig französisch und ebenso viel italienisch — alles aber gleich schlecht. In Wilna von armen Eltern geboren und früh verwaist, mußte er mit den untergeordnetsten Beschäftigungen sein Brod erwerben. Erst war er bei einem Schuhmacher in der Lehre, dann Aufwarter in einem Gasthause, und was der niedrigen Stellungen mehr waren; überall wurde er nach kurzem Verbleiben fortgejagt, nicht etwa wegen unmoralischen Verhallens, sondern wegen seiner unbesieglichen Leidenschaft, jedes Stück Holz, das ihm in die Finger fiel, mit seinem Meffer zu bearbeiten, so daß kein Tisch, kein Stuhlbein vor feinen Schnitzereien sicher war. Es würde zu weit führen, den jungen Mann, in welchem das Genie des Bildhauers in so primitiver Weise zum Ausdruck gelangte, auf seinen Irrfahrten durch herbe Verspottungen und bittere Enttäuschungen zu verfolgen bis er endlich einen Meißel in die Hand bekam, und nach erträglichem ersten Erfolg von einem Mäcen die Mittel erhielt, eine Reife nach Rom zu machen, dort Modelle zu studiren und den Streit des Geistes gegen die starre Materie des Marmors siegreich zu beginnen. Sein' erstes bekannteres Bildwerk war „Iwan der Schreckliche", der mit herabgesenktem Haupte auf seinem Throne sitzend, über irgend einem despotischen Gewaltact zu brüten scheint. Das Werk machte Aufsehen, und eines Tages kam einer jener reichen Kaufleute, die es heute in Unterstützung der Kunst dem halb ruinirten russischen Adel zuvorzuthun suchen, zu ihm und sagte: „Da, hier sind 2000 Rubel. Mache mir dafür, was Du willst". Das war freilich keine sonderlich große Summe, aber sie gewährte dem Künstler die Mittel, sich mit Muße an das geniale Werk zu machen, das er in seinem Geiste trug. Aber was ist der Gegenstand? Bei poln. Juden muß man immer auf etwas seltsames gefaßt sein. Markus Antokolsky, der Jude, wählte sich zum Vorwurf seiner Kunst — einen Christus, als Bild eines Dulders und Märtyrers!! Mit einem Kränzchen aus dem Kopfe, die Arme mit Stricken zusammengeschnürt, bittere Falten um den Mund, große, tief in ven Höhlen liegende Augen! Außer Iwan und Christus hat er auch einen Sokrates gemeißelt, und alle drei werden auf der Pariser Ausstellung zu sehen sein. Anzeigen. VTa« sind ausschliesslich an die Annoncen - Expedition von Rudolf jlfiwfyf wi't/ Jlosse in Leipzig oder deren Filialen in Berlin, Breslau. ChemnitZy Cöln aRh.. Frankfurt ajiJl. etc. zu adresssiren. l&D Berlin C. Zimmer v. Mk. 1.50 an Hdtel de Save Omnibus am Bahnhof. -lEO Burgstr. Nr. 20 neben der Börse. (B. 3196.) Ein alleinstehender Kaufmann (Wittwer), Mitte der 50er Jahre, in einer Provinzialstadt Posens, sucht zum sofortigen Antritt zur Fortführung seines durchaus streng religiösen Haushalts eine 2Strtf>fc§)afterm in gesetzten Jahren aus anständiger Familie. Offerten mit Referenzen und möglichst mit Photographie unter A. £. 3727 an Rudolf Mosse in Leipzig erbeten. (3727) Für mein Manusactur-, Modewaaren- und Wäsche-Geschäft suche per sofort oder später einen Lehrling mit guten Schulkenntniffen. Station frei. (3654) Preuzlau. Leo Friedländer. 1 tücht. Verkäuferin i. Schneidern bewandert w. bei freier Station sof. ges. kergsmeoter seo., Leipzig. (3690)