Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1878)
- Date
- 1878-04-30
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allgemeine Zeitung des Iudmlhums. Ew unparteiisches Organ für alles jüdische Juteresse. Diese Zeitung ericheiul wöchentlich einmal in 2 viS 2>/, Bogen. Prcr» Bierteli-Hrig 3 Mark. Inserate werden mit 20 Pf. für die Petitzeile ober deren Raum dev-chnet. Alle Buchhandlungen. Postämter und ZeiruogS»Expeditroue» nehmen Bestell,ragen an. Herausgegeben von Rabbiner Dir. Ludwig Philippsou in Bonn. Verlag von Bamugärtner'S Buchhanülunq in Leipzig. 2n rLactionelle» Angelegenheneu wende man sich an I>r. L. VdiUrvson in Bonn; hinsichtlich der Inserate a-.-. -X. Masse in Leipzig und dcsscn Filialen in Berlin, Breslau rc. Inserate, welche bis voanerstag eingehen. finden in der Larausfolgenden Nummer Berücksichtigung. Beilagen werden mit 1 Mark 50 Pf. pro Hundert berechnet. 42. Jahrgang. Leipzig, den 30. April 1878. JS? 18. Inhalt. Leitende Artikel: Die Jesaianische Moral. V. — Literarischer Wochenbericht: Bonn. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Bayreuth. — Oesterrcich-Ungaru: Wien. — Frankreich: Paris. — Rumänien: Bon der Donau. — Türkei: Paris. — Amerika: St. Louis. — Bonn: Notizen. —Feuilleton: Peter Schwarz oder keti-us Nigri. (Forts, u. Schluß). — Islam und Christenthum in Afrika. — Bermis chtes: Ein polnischer Jude als Bildhauer. jOetteude (ftxh&eL Bonn, 23. April. Die Zesaianische Moral. V.<) Dem Propheten, der als den höchsten Beruf des Menschen die Verbreitung der Wahrheit und des Rechts, als seine erhabenste sittliche Kraft nicht blos die eifrige und unermüdete Anstrengung, sondern auch das schwerste Dulden und Ertragen im Dienste der Wahrheit und des Rechtes anerkannte, lag es nahe, die unmittelbare Verbindung Gottes zu den geistesgebeugten Menschen zu lehren, sei es nun, daß dieser Geist durch die demüthigenden äußeren Geschicke oder durch das Bewußtsein der Schuldhaftigkeit und die Gefühle tiefer Reue gebeugt sei. Die Majestät Gottes offenbart sich nicht blos in dem, was Großes und Sieghaftes an dem Menschen sich zeigt, sondern auch in der Energie des Geistes, sich unter dem Drucke äußerer wie innerer Leidensmomente aufrecht zu erhalten. Er drückt dies vortrefflich 57, 15 aus: „Denn so spricht der Hohe, Erhabene, ewig Thronende, Heiliger ist sein Name: Hehr und heilig throne ich, doch auch beim Zerknirschten und Geistesgebeugten, zu beleben den Geist der Gebeugten und zu beleben das Herz des Zerknirschten." Und 66, 2 ruft er im Namen Gottes aus: „Auf den schaue ich, auf den Armen und Geistesgebeugten und der vor meinem Worte sich fürchtet." Denn schon im Beginne seiner Reden lehrte er: Gott „leiht dem Matten Kraft, dem Ohnmächtigen mehrt er Starke." (40, 29). Die wahre Kraft schöpft der Mensch deshalb nur aus seiner Hoffnung auf Gott, in welcher ihn keine Enttäuschung, keine Niederlage, kein Mißgeschick erschüttert. Unnachahmlich in Form und Innigkeit, fährt er daher a. a. O. fort: „Ob Jünglinge ermatten, ermüden, junge Männer straucheln; die des Ewigen harren, erneuen die Kraft, sie heben die Schwingen wie Adler, sie laufen und werden nicht müce, sie wandeln und werden nicht matt." Die Wege, die zu diesem Heile führen, deutet der Prophet wiederholt an. Vor Allem muffen wir das Rechte freudig thun (64, 4); keine Menschenfurcht darf unser Herz beschleichen, wie es heißt (51, 12—14): „Ich, ich bin eu'r Tröster. Wer bist du, daß du dich fürchtest vor dem Menschen, der stirbt, vor dem Menschensohn, der wie Gras dahingegeben wird? und vergiffest des Ewigen, reines Schöpfers, der den Himmel gespannt, und die Erde gegründet, und bebest beständig, den ganzen Tag, vor der Wuth des Bedrückers, wie er zielt zu verderben — und wo ist doch die Wulh des Bedrückers? Schnell wird befreit der Geschloffene, nicht in der Grube stirbt er, und nicht wird fehlen sein Brod." Wir müffen ferner „den Ewigen suchen, der Gerechtigkeit nachjazen", und darin wird uns der Blick auf die ftüheren Gotteshelren und auf die ganze Vergangenheit Israels stärken; nicht als ob wir uns auf deren Verdienste stützen und verlaffen dürfen, vielmehr um an ihrer Standhaftigkeit und Rettung das Verfahren Gottes und seine schützende Vorsehung immer mehr zu erkennen. (51, 1. 63, 16). So wir aber irgend von Gott abgewichen, vom Rechte l) S. Nr. 50 des vor. Jahrg., Nr. 6, 12, 13.