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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-04-23 · Heft 17 (23.4.1878) · p. Seite 269

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 17 (23.4.1878)
Date
1878-04-23
Page
Seite 269 (sequence 13)
Language
German
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269 Werk sehr angemessen in drei Acte getheilt. Die Trauer um den Tod des Matchatias, die Tröstung um diesen schweren Verlust, die Erhebung zu Gott, die Erweckung des Muthes und der Lobpreis der Freiheit füllen den ersten Act. Hier wie auch in den übrigen Acten stellt Simon das religiöse (jedoch nicht fanatische) Moment, Juda das heroische vor. Der zweite Act beginnt: die erste Schlacht ist siegreich geschlagen; man feiert den Helden Juda, er jedoch weist den Ruhm Gott allein zu. Da rückt das furchtbare Heer des Gorgias heran und es bedarf der Anstrengung Simons und Juda's, um die Verzagtheit des Volkes zu zerstreuen, und Juda mit seiner Schaar eilt muthig in die Schlacht, wahrend die Zurückgebliebenen den Entschluß aussprechen, alle Zeugen des heidnischen Cultus aus dem Lande zu entfernen. Der dritte Act beginnt mit der Feier des Lichtfestes; Juda hat auch zum dritten Male den Feind vernichtet; aber mitten in der Siegesfeier erinnert er an die großen Opfer, die der Sieg gekostet und verlangt, daß das Verdienst der Gefallenen mit Ehre gekrönt werde. Mit der Feier des Friedens, sich ausströmend im Hallelujah und Amen, schließt das Kunstwerk, welches wir hier auch in seinem dichterischen Theile würdigen wollten. Hier haben wir eine unsterbliche Schöpfung, welche ihres Theiles die große Makkabäer-Episode aus den Grenzen der jüd. Geschichte in das Bereich des menschengeschlechtlichen Besitzthums versetzt. Noch eine Anekdote von Pius IX. Die „Perseveranza" erzählt folgendes Witzwort des verstorbenen Papstes. Bor einigen Jahren, als die Municipalwahlen in Rom vor sich gehen sollten, circulirte eine Liste von Candidaten, die nur Namen von Männern enthielt, welche notorisch der Kirche feindlich gesinnt waren, außer einem einzigen. Es war dies Herr Alatri, ein römischer Israelit, ein gemäßigter Mann, der eine große Kenntniß der städtischen Angelegenheiten und einen solchen Ruf der Rechtlichkeit besaß, daß man ihn selbst wahrend der letzten Jahre der weltlichen Herrschaft des Papstes bisweilen über Fragen des öffentlichen Jntereffes zu Rathe gezogen hatte. Eines Morgens zeigte der Staatssecretär dem Papste diese Liste und fragte ihn, was er davon denke. Der Papst dachte einen Augenblick nach, dann sagte er mit einer sehr ernsten Miene: „Ich sehe auf der ganzen Liste nur einen einzigen Christen, und der ist gerade ein Jude!" Spanische Humanität. Wir lasen jüngst in einer Reisebeschreibung, daß in einigen Provinzen Spaniens noch jetzt im Volksmunde, wenn Jemand aufgefordert werden soll, eine Cigarre sich anzuzünben, das Sprichwort geläufig ist: „Steck' dir einen Juden an!" Schneidender kann wohl ein Volk seine Vergangenheit nicht verurtheilen, um io schneidender je unbewußter. Der Spanier betrachtete das Anzünden eines Scheiterhaufens für einen Juden gleichbedeutend mit dem Anzünden einer Cigarre und umgekehrt — so sehr hatte man ihn daran gewöhnt, so abgestumpft war sein Herz für die schrecklichsten Leiden seiner Mitmenschen, wenn dieser ein Ketzer war! Daß das Sprichwort noch jetzt gebräuchlich ist, wollen wir dem jetzigen Spanier nicht anrechnen. Redensarten erhalten sich lange im Volke, wenn sie längst gegenstandslos geworden und der Sprecher sich nichts Böses dabei denkt. Jüdische Emigranten in den vierziger Jahren. In seinen jüngst veröffentlichten „Erinnerungen" erzählt unter Anderem Heinrich Laube: „Leipzig wurde in den Vierziger Jahren ein Mittelpunkt schriftstellernder Liberaler, in der Mehrzahl Emigranten aus Oesterreich. Namentlich Kuranda, Moritz Hartmann, Kaufmann, Nordmann, Kolisch, Alfred Meißner. Diese Emigranten sind ziemlich alle tüchtige Männer geworden, welche in der öffentlichen Welt talentvoll gewirkt und Anerkennung gefunden haben. Kuranda ist nach der Umwandlung Oesterreichs als langjähriger Redacteur der von ihm gegründeten „Ostdeutschen Post" und als Abgeordneter im österreichischen Reichsrathe unermüdlich und maßvoll thätig geblieben in der Förderung politischen Fortschritts. (Wodurch Kuranda sich zunächst einen bedeutenden Ruf erwarb, war die Gründung der „Grenzboten", die er zuerst in Belgien herausgab, und welche eine Zeit lang von politischer Wichtigkeit waren. Redaction.) Moritz Hartmann, der schöne Christuskopf, wie er bezeichnet wurde, ist durch Noch und Gefahr überschwenglicher, will sagen poetischer Politik in den Hafen neutraler poetischer Schöpfung zurückgekehrt, aus welchem er einst mit „Kelch und Schwert" ausgelaufen. Freilich nach vielen Sturmtagen und -Nächten. Aus den Reihen der Linken im Frankfurter Parlament war er nach Wien geeilt, um sich den Kämpfern anzuschließen, welche Wien gegen Winbischgrätz vertheidigten, und als diese unterlagen, war er nach dem Oriente geflüchtet. Von dort zurückkehrend, sammelte er sich in Frankreich und der Schweiz, fand Ruhe des Gemüthes, ohne den lebensvollen Drang zu verlieren, fand Weib und Kind, fand die Stimmung zu geistvollen Compositionen in Vers und Prosa, und fand endlich auch die ersehnte Amnestie, welche ihn nach Wien zurückbrachte. Leider überfiel ihn dort bald die schmerzhafte Krankheit, welche ihn langsam zu Tode marterte. Er war ein liebenswürdiger Mensch. Kaufmann ist weniger bekannt geworden, weil ihn das Geschick bald nach England führte und er großentheils in anonymen

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