Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 17 (23.4.1878)
- Date
- 1878-04-23
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Allgemeine Zeitung -es Hudenlhums. Ein unparteiisches Organ für Mrs Wische Interesse. Dies« Zeitung erscheint «öchenüich einmal in 2 vis 2>/, Bogen. Prä- Bierteljährig S Diart. Inserate werden mit 20 Pf. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen. Postämter und Zeitung-» Expeditione» nehmen Bestellungen an. HerauSgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Wlippson in Bonn. Verlag von Baumgärtnrr's Buchhandlung irr Leipzig. I» redactiourlle» Angelegenhenr» wende mau fich an Dr. E. Düilippfon in Sonn; dinfichtlich der Inserate an St. Moffe in Leipzig und dessen Filiale» in Berlin. BreSlaurc. Inserate, welche bi« Vennerft»? cinacfcn. finden rüder darauffolgende» Süimmer Berücksichtigung. Beilagen werden mit 1 Mark 50 Pf. pro Hundert berechnet. 42. Jahrgang. Leipzig, den 23. April 1878. 17. 3tü)alt. Leitende Artikel: Die Angelegenheit der Inden in den Landern des ehemaligen türkischen Reiches. — Zur Beschneidungsfrage. — Literarischer Wochenbericht: Bonn, Potsdam. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin. Bonn, Oftrowo. — Oesterreich-Ungarn: Hohenems, Pest. Lemberg. — Belgien: Brüstel. — Türkei: Pera. — Bonn: Notizen, Literarische Notizen. — 9reutKeton: Die Juden in Fürth. I. u. II. — Vermischtes: Karl Gutzkow und die Juden. — Das Oratorium „JudaS Makkabäus". — Noch eine Anekdote von Pius IX. — Spanische Humanität. — Jüdische Emigranten in den vierziger Jahren. JOeileudc (SCxhJkel. Bonn, 17. April. Die Angelegenheit -er Juden in den Ländern des ehemaligen türkischen Reiches. Die unten folgende Correfpondenz, welche wir soeben empfingen, drückt unsre eigene Ansicht vollständig aus und geben wir sie daher hier an erster Stelle. Wir meinen, daß nach dem Wortlaute des Vertrages von San Stefano, wie wir ihn bereits in diesem Blatte geprüft haben, die Inden in den, dem türkischen Scepter entrissenen Ländern, so lange nichts zu hoffen haben, als Rußland allein die neuen Verhältnisse alldort zu bestimmen hat. Dies ist die einfache Folgerung aus den Festsetzungen jenes FriedensvertrageS, unterstützt durch die früheren diplomatischen Aeußerungen deS russischen auswärtigen Amtes. Nun haben allerdings auch die übrigen Großmächte, z. B. bei Gelegenheit der Konstantinopolitaner Conferenz stets nur von der Befteiuug und Gleichberechtigung der christlichen Unterthanen der Türkei gesprochen, allein die Dinge liegen jetzt anders, und die Macht der Verhältnisse zwingt oft zu Anderem, als man früher beabsichtigte. In mehreren zu reorganisirendeu Landschaften der ehemaligen Türkei wohnen nicht allein Anhänger verschiedener christlicher Kirchen, sondern auch zahlreiche Mohammedaner. Wenn ein Congreß zu Stande kommt, also die Verhältniffe durch Europa geordnet werden, so müssen sich die Mächte auch mit der Stellung der mohammedanischen Bevölkerung beschäftigen, können sich auf die der Christen nicht beschranken, und so muffen auch die Inden in Betracht gezogen werden. Daß in einem solchen Falle die Grundsätze der Gleichberechtigung zur Geltung kommen, bezweifeln wir nicht. Allerdings wird es in diesem Falle auch geboten sein, die europäischen Regierungen an ihr oft gegebenes Versprechen zu erinnern und für die Gleichberechtigung der Inden einzutreten. Bottnschan, 8. April. In den Nummern 10, 13 und 14 brachte diese Zeitung Correspondenzen von Rumänien, welche sich in verschiedenem Sinne für oder gegen den Schritt aussprechen, welchen unsere Glaubensgenossen Deutschlands durch Ueberreichung der bekannten Petition an den Fürsten Bismarck gethan haben. Wenn nun heute die Zusammenkunft des Congresses oder der Conferenz, wo auch nach Wunsch unserer deusschen Brüder über die Judenfrage in Rumänien verhandelt werden soll, mehr als fraglich ist, so hat doch dieses Thema um so weniger an Bedeutung verloren, da doch schließlich, möge auch inzwischen MarS ein ernstes Wort reden, die Lösung der orientalischen Frage nicht dem Forum Europas entzogen werden kann. Es muß immer dem gesammten Europa Vorbehalten bleiben, über das Schicksal der Länder der europäischen Türkei das letzte Wort zu reden. Die Frage also, ob die Verwendung für die Juden Rumäniens beim Congreffe seitens unserer auswärtigen Glaubensgenossen opportun oder inopportun wäre, ist nicht nur von akademischem, sondern auch von praktischem Werthe. Schreiber dieser Zeilen möchte sich nun erlauben, in dieser Hinsicht noch einige Bemerkungen zu machen, nachdem er sich schmeichle« kann, in Nummer 6 dieser Zeitung zuerst darüber