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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-04-16 · Heft 16 (16.4.1878) · p. Seite 253

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 16 (16.4.1878)
Date
1878-04-16
Page
Seite 253 (sequence 13)
Language
German
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253 hatte aber der Senat, nachdem einmal durch die Aufnahme der reformirren Niederländer und Engländer Bresche in den einheitlichen lutherischen Kirchenstaat — denn ein solcher war Hamburg Lurch seine enge Verbindung der Bürgerschaflsordnung mit den 5 Kirchspielen — gelegt war, müde der fortwährenden Anzapfungen von Seiten der Geistlichen und der Judenfeinde und gestützt auf eingeholte Universitätsgurachten von Jena und Frankfurt a. d. O., im Jahre 1612 die öffentliche Anerkennung der portugiesischen Juden als Juden und eine Duldung derselben unter Bedingungen, deren allmälige Ueberschreitung vorauszusehen war. Lurchgesetzt und dann im Jahre 1617 einen Contracl mir denselben geschloffen. In diesem ward die oben erwähnte engherzige Bestimmung hinzugesügt, welche bis 1842 für die Altstadt in Kraft geblieben ist, welche die Juden vom Grundbesitz in Stadl und Gebiet auSschloß und ihnen, wenn sie etwa solchen erworben hatten, den Rückverkauf an Bürger anbefahl. Wenn nun der Rath von eben dieser Maßregel, welche durch ein genaues, damals aufgenommenes Derzeichuiß aller in Hamburg wohnenden Juden unterstützt ward, den Dr. Rodrigo de Castro ausnahm, so setzt dies voraus, daß de Castro sich seit dem Jahre, wo die Juden ihre Anerkennung erlangt halten, als wirklichen Juden bekannt hatte. Offenbar hatte er dies für eine Ehrenpstichr gegen sein Volk gehalten und sich trotz seiner guten Stellung in der bürgerlichen Gesellschaft nicht von dem ausschließen wollen, was Andere thaten. Das geistliche Ministerium war aber mit dem Contracte nicht zufrieden; es wollte überhaupt die Juden nicht anders geduldet wiffen als unter Anstalten für ihre Bekehrung, daher es auch einen christlichen Rabbi für sie bestellt sehen wollte. Im Besonderen hat es damals auch gegen die dem de Castro erwiesene Begünstigung sich verwahrt. Die betreffende Eingabe ist verloren gegangen; in der Erwiderung des Senats aber heißt es unter 8. 2: „Dominum de Castro belangend, habe er sich bisher allzeit still gehalten, auch geschwiegen, wenn er der Religion wegen gefragt, und Alles stillschweigend verantwortet. Von seiner Polygamia hätte Senarus noch nichts gehört; es wäre vielleicht ein couaius gewesen, aber nicht;ul ellecunn kommen." Daß sich Rodrigo de Castro, sobald es gestartet war, wieder zum Judenlhume bekannte, gehr daraus hervor, daß er in dem, vom Rath der Bürgerschaft mitgetheilten Verzeichniß der portugiesischen Juden sammt feiner Hausfrau, zwei großen Söhnen und anderen kleinen Kindern aufgeführt wird. Als Juden wurden auch die beiden früher getauften Söhne Andreas und Bernhard in das Gymnasium ausgenommen. Was Len Verdacht der Polygamie betrifft, so war dies eine Verleumdung seiner Feinde, die aus dem Umstande geschöpft ward, daß eine Schwägerin zu ihm nach Hamburg gekommen, um Chaliza zu erhalten. Es gab dies dem Rodrigo Veranlassung, eine Abhandlung drucken zu laffen: Tranado de Haliffa et de Herem. Sein Tod wird auf den 20. Januar 1627 angegeben. Daß er vor 1631 gestorben, beweist das in diesem Jahre herausgegebene FlageUum calumuiautium, welches sein Sohn zur Ehrenrettung seines Vaters gegen die argen Schmähungen seiner Feinde veröffentlichte. Anzeigen. J/mm ^<#9Mwtsind ausschliesslich an die Annoncen - Expedition von Rudolf -»**»€/* fwwü/ JUosse in Leipzig oder deren Filialen in Berlin, Breslau, Chemnitz, Cöln ajRhFrankfurt ajJI. etc. zu adresssiren. Höhere Handels-Fach-Sclmle Erfurt. Pensionat u. Erziehungs - Institut. „Die Anstalt ist zur Ausstellung gültiger Zeugnisse für den einjährig-freiwilligen Militärdienst berechtigt." Das Sommer-Semester beginnt am 26. April c. Ausführlichen Prospect durch den «2282) Director Br. Wahl. Vorbereitung für die taufrnännischc, gewerbliche und landwirthschaftliche Carriere.!! Kunstvolle Stickereien!! für Cultus rc. in Gold, Silber, Seide rc., sowie Fahnen für Vereine rc., Kunststopfereien jeder Art fertige ich kunstvoll, elegant und billig. Referenzen zu Diensten. Ertheilung von Privatunterricht in allen weiblichen Handarbeiten. Frau Ra salie Reiter, erste Industrie-Lehrerin (Br. 2691.) d. jüd. Industrieschule Breslau, Unterbär 1. Berlin C. Zimmerv. Mk. 1.50 an Hdtel de Save Omnibus am Bahnhof. Burgstr. Nr. 20 neben der Börse. i8. 3196.)

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