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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-04-09 · Heft 15 (9.4.1878) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 15 (9.4.1878)
Date
1878-04-09
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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"Allgemeine Zeitung des Iudenlhums. Ein unparteiisches Organ für alles Wische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philipps-» in Bonn. Verlag von Baumgartners Bnchhau-luuq in Leipzig. Beilagen werden mit 1 Mark 50 Pf. pro Hundert berechnet. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 bi» 21/* Bogen. Preis Bierteliähria 3 Mark. Inserate werde» mit 2v Pf. fiir die Petitzeile ober deren Raum berechnet. Alle Buchhandinugen. Postämter und Zeitung»»Expeditionen nehme» Bestellungen an. In redactionellen Angelegenherren wende man sich an vr. £. Vhilippson in Bonn; binftchtlich der Inserate an 4t. Moste in Leipzig und besten Filialen in Berlin, Breslau rc. Inserate, welche bis Lonnerstag eumehea. finde» ra der darauffolgenden Nummer Berücksichtigung. 42. Jahrgang. Leipzig, den 9. April 1878. JV? 15. 2»half. Leitende Artikel: Der jüdische Religionsunterricht in den preußischen Lehranstalten. V. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Hamburg, Stuttgart. — Oesterreich-Ungarn: Dien, Brünn. — Italien: Rom. — Großbritannien: London. — Rumänien: Bonn. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: König Friedrich Wilhelm II. von Preußen. (Schluß). — Vermischtes: Erzherzog Frau; Carl. — Eine jüdische Schaufpielergesellfchaft. «Celteiide. (SLxJtikei. Bonn, 3. April. Der jü-ische Religionsunterricht in den preußischen Lehranstalten. V.') Die Berichte, die wir heute der ganzen Reihe früher gegebener anzuschließen haben, bieten uns in engem Rahmen ein recht deutliches Bild der Verwirrung, der Unsicherheit und der vollständigen Gegensätze, welche im gegenwärtigen preußischen Unterrichtswesen vorhanden sind und die bei den geringen Aussichten, welche das so oft erwähnte Unterrichtsgesetz hat, bereits den Charakter einer gefährlichen Dauerhaftigkeit angenommen haben. Es treten uns zuerst zwei Beispiele entgegen, in welchen von den städtischen Behörden jede Remuneration für den jüdischen Religionsunterricht durch Mehrheitsbeschluß verworfen wurde; diesen gegenüber gewähren uns zwei Berichte die Befriedigung, daß an den von ihnen besprochenen Orten wirklich nichts zu wünschen übrig bleibt. Von den beiden ersten ist das eine um so schmerzlicher, als es von einer der größten Städte des preuß. Staates ausgeht, von einer Stadt, die seit langer Zeit in religiöser Beziehung den Ruf des freisinnigen Geistes genoß, von Magdeburg. Das antiliberale oder bester das ungerechte Votum der Magdeburger Stavtverordneten-Bersammlung wird so sehr in Erstaunen i) S. Nr. 7. 'etzen, daß unsre Leser es gerechtfertigt finden werden, wenn wir einige Worte zum besseren Berständniß voranschicken. Vor einigen Wochen sprach sich bei der Debatte über die Sitze der Oberlandesgerichte im Herrenhause der preuß. Justizminister gegen Magdeburg aus und motivirte dies zum Theil mit dem Mangel an geistigem Leben, an welchem Magdeburg leide. Selbstverständlich konnten Magistrat und Stadtverordneten sich bei diesem Urtheile nicht beruhigen und richteten eine desfallsige Adresse an den Kaiser, der ihnen auch aus warmen landesväterlichem Herzen eine beruhigende Antwort ertheilte. Eine Beurtheilung jenes Ausspruches des Justizministers und dieses nicht gerade constitutionellen Schrittes der Magdeburger, da die nächste Instanz das Stratsministerium sein mußte, ist nicht unsre Sache. Wie stand es aber in Magdeburg, als wir drei Jahrzehnte hindurch dort fungirten und mit allen Kreisen der Bevölkerung in Beziehung kamen, nach der geistigen Richtung hin? Wer mit der Magceburger Bevölkerung bekannt wurde, mußte sich immer sagen, daß dieselbe in ihrer Masse eine Gesinnungstüchtigkeil, eine Charakterfestigkeit und einen aufgeklärten Sinn besaß, wie er selten zu finden. Dagegen wurde es ihm klar, daß bei dem Vorwiegen der industriellen und commerziellen Thätigkeit und bei einer gewissen Steifheit und Pedanterie in den oberen Schichten der Bevölkerung von wissenschaftlichem Leben, von einem Aufschwung des Geistes für Literatur und Kunst und für ein feineres Gesellschastsleben wenig vorhanden war. Was nach dieser Richtung hin geschah, das ging von einer kleinen Schaar jüngerer Leute aus, die z. B. allein dafür sorgten, daß zur Winterzeit bisweilen öffentliche Vortrage gehalten wurden. Jene Gesinnungstüchtigkeit,

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