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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-04-02 · Heft 14 (2.4.1878) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 14 (2.4.1878)
Date
1878-04-02
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Iudenthums. Ein unparteiisches Organ sür alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 viS 2'/, Bogen. Preis Bierteliährig 3 Marl. Inserate werde» mit 2V Pf. snr die Petitzelle ober deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und ZeirnngS * Expeditionen nehmen Bestellungen au. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Bonn. Verlag von Bamugärtuer's Bnchhaudluuq in Leipzig. 2n redactionelleu Angelegcuhe^ren wende man sich an vr. £. Otjilijnifon in I Bonn; hinsichtlich der Inserate an 2k. Moste in Leipzig und beffcxi gilialm in Berlin, BreSlaurc. Inserete. welche bis i Dsnntrflag eingehen. finden in der tar-- I anffolgeuden krummer Berückftchtignng. I Beilagen werden mit 1 Mark 50 Pf. pro Hundert berechnet. 42. Jahrgang, Leipzig, den 2. April 1878. J\? 14. Inhalt. Leitende Artikel: Eine Zeitbetrachtung. II. — Analekten. II. und III. — Literarischer Wochenbericht: Bonn. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Aus Bayern, Bielefeld, Oldenburg. — Oesterreich>Ung arn: St. Gallen. — Frankreich: Paris. — Türkei: Don der untern Donau. -- Rumänien: Bukarest, Fokschan. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: König Friedrich Wilhelm II. von Preußen. (Fortsetzung). -CelteiiDe <fX.UÜ;ef. Bonn, 27. März. Eine Zeitbetrachtung. II. Auf drei Punkten brachen die Bekenner des Islam in Europa ein, nachdem sie Dorder-Asien und Nordafrika dem Christenthume entzogen hatten, in Spanien, Sicilien und Griechenland. Im Jahre 1453 vernichteten die Türken durch die Eroberung von Konstanlinopel das griechische Kaiserreich. Aber schon 38 Jahre später wurde der Herrschaft des Islam in Spanien durch die Eroberung von Granada ein Ende gemacht, nachdem schon früher die Sarazenen aus Sicilien wieder vertrieben worden. Noch zwei Jahrhunderte währte die Expansionskraft der Osmanen, die bis zu den Thoren Wiens drangen und den größten Theil Ungarns in ihrer Botmäßigkeit hielten. Die Türkenkriege waren, selbst als die kriegerische Tapferkeit der Osmanen abzunehmen begann, eine blutende Wunde an Oesterreichs Staatskörper, welche zu Zeiten deffen beste Kräfte verzehrte und das Fortschreiten seiner Macht hinderte. Doch schon 24 Jahre nach jenem Falle von Byzanz erstand der Staat, welcher ganz speciell bestimmt sein sollte, die türkische Herrschaft in Europa zu zertrümmern — Rußland, das 1477 durch Iwan Wasiljewitsch vom mongolischen Joche befreit wurde. Denn Schritt vor Schritt dehnte sich daS russische Reich nach Süden aus, traf zuerst in dem Streit um die Oberhoheit über die Kosaken mit den Türken zusammen, und von Peter dem Großen an hatten die russischen Staatslenker das bewußte Ziel im Auge, auf der Sophienkirche in Stambul das griechische Kreuz wieder aufzurichten, den ganzen europäischen Südosten sich zu unterwerfen und wie das schwarze Meer so den Bosporus und die Marmorasee zu russischen Gewäffern zu machen. Oft auf diesem Wege durch das Einschreiten europäischer Mächte aufgehalten, welche in solcher Ausdehnung des Czaarenreiches eine Gefahr für Europa, insbesondere auch für den europäischen Handel nach dem Oriente und hierzu jüngst für den gegenwärtigen Seeweg nach Ostindien erblickten, hat Rußland die augenblickliche europäische Conjunctur zu benutzen verstanden, mit seiner Uebermacht die bereits so tief herabgekommeue Türkei zu erdrücken. Noch einmal erheben die europäischen Staaten, wenigstens England und Oesterreich, ihren Einspruch; aber selbst im günstigsten Falle, daß ihre Stimmen Berücksichtigung finden, können sie doch nur geringe Vortheile für die Türkei in den Bestimmungen des Friedens von S. Stefano erwirken, und dazu kommt, daß jetzt wieder der Aufstand in Epirus, Macedonien und Thessalien wie auch in Kreta emporloderte, welche Provinzen fast unaufhaltsam nach Griechenland gravitiren. So ist bereits der eiserne Ring um Konstantinopel geschloffen, und es kann nur eine Frage der Zeit sein, wie lange diese Stadt und ihre Umgebung noch in der Hand der Osmanen verbleiben werden. Hiermit ist der Islam aus Europa gänzlich wieder ausgeschloffen, nachdem er im Jahre 711 zuerst in Spanien Fuß gefaßt hatte und nur durch den Sieg Carl Martell's 732 von Gallien und dem übrigen Westeuropa^zurückgehalten worden^war. Eines solchen mehr als

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