Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 12 (19.3.1878)
- Date
- 1878-03-19
- Page
- Seite 189 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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189 lästern, wo sie gestern noch vergötterte. Aber dies erstreckt sich auch über die Menge hinaus, namentlich in einer so schnelllebigen Zeit wie die unsrige. Selbst die Zeitgeschichte verschwindet schnell aus der Erinnerung sogar des Geschlechtes, das ihr angewohnt und in ihr milthätig gewesen. Dies ist ein großer Nachtheil für die richtige Beurtheilung, aus welcher doch wieder die Gegenwart und Zukunst zu entwickeln ist. Zeiten und Ansichten kommen in Verruf, welche dies durchaus nicht verdienen und die eigentliche Grundlage der gegenwärtigen Zeit sind. Mühsam hat dann der Geschichtsforscher die Richtigstellung der Thatsachen und ein unparteiisches objectives Urtheil zu erwirken, was nicht immer und oft erst nach langer Zeit gelingt. Man gestatte uns daher, noch einen besonderen Wink für den jüdischen Publicisten hinzuzufügen. Denn wir bilden uns ein, daß auch in Zukunft eine tüchtige jüdische Publizistik erwachsen und gedeihlich wirken werde. Die zum Theil wucherische literarische Production unsrer Zeit, in welcher sich die Mittelmäßigkeit, ja selbst die Unfähigkeit breitmacht, hat die Meinung verbreitet, daß drei Dinge sehr leicht seien: die jüdische Predigt, eine Novelle zu schreiben und ein Blatt herauszugeben. Der gewissenhafte Arbeiter weiß, daß, um etwas Gutes auch in diesen Fächern zu leisten, eine tüchtige Vorbereitung, bedeutende Anlagen und ein ernstes Studium nothwendig sind. Der jüdische Publicist muß vor Allem sich vor einem kurzen Gedächtniß zu bewahren suchen, vor einem Gedächtniß, das nur über die letzten Tage hinausreicht. Aus diesem heraus kommt es, daß so viele junge Leute wiederholen, was schon hundert Male gesagt worden, und sich einbilden, daß sie es zum ersten Male sagen; daher kommt es, daß sie, während sie vielleicht in rer früheren Geschichte und dem älteren Schriftthum ganz gut bewandert sind, das letzte halbe Jahrhundert nur höchst oberflächlich kennen, während dieses doch für Gegenwart und Zukunft entscheidender gewesen, als Jahrhunderte vorher. Hieraus entsteht dann eine Einseitigkeit, welche die eigene Kraft und die Wirksamkeit sehr benachtheiligt und schließlich behindert, sich ein wahres Verdienst zu erwerben. Sludirt emsig die Thaten, Richtungen und Werke Eurer Vorgänger, auf deren Schultern Ihr stehet und von deren Früchten, die sie unter Kämpfen und Mühen gezeitigt, Ihr genährt und großgezogen worden'. Dann erst ergreifet die Feber, und mit Hülfe eines guten Gedächtnisses werdet Ihr die Arbeit Eurer Vorfahren fortsetzen und zu gedeihlichen Zielen führen. Anzeige«. Durch anderweitige Berufung unseres bisherigen ersten Cantors, wird diese Stelle frei und soll zum 1. Juni oder 1. Juli a. c. wieder besetzt werden. Die Stelle ist, bei freier Wohnung im Gemeindehause, mir einem festen jährlichen Gehalt von 1500 Mark dotirt. Geeignete Bewerber, die auch das Amt als arrra und amp zu versehen haben, wollen sich gefl. unter Einreichung ihrer Zeugniffe an den Unterzeichneten wenden. Reisekosten werben nicht erstattet. Potsdam, im März 1878. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde: _ (B. 2141.)_K. ./. L,tt ho scher._ israelitischen Gemeinde- und Familienhlatt (gelesensle jüdische Zeitung) (B. 2213.) Abonnin. p. 2. Quart. (1. April 78), durch die I*osl 1 M. 25., durch den Buchhandel 1 M. Brilon (Westphnlen) Die Expedition. Höhere Handels-Fach-Schule Erfurt. Pensionat u. Erziehungs - Institut. „Die Anstalt ist zur Ausstellung gültiger Zeugnisse für den einjährig-freiwilligen Militärdienst berechtigt." Das Sommer-Semester beginnt am 26. April e. Ausführlichen Prospect durch den >2282) Director Dr. Wahl. Vorbereitung für die kaufmännische, gewerbliche und landwirthschaftliche Carriere. Göppingen (Württemberg), im März 1878. Zu sofort, event. zum 1. April d. I., sucht ein junger Die hiesige Vorsängerstelle, mit welcher einschließlich der Mann, 28 Jahre alt und militärfrei, eine Stelle als Nebeneinkünfre ein Einkommen von 1800 Mark verbunden ist,; ‘Jtcifctthcr soll sofort mit einem seminaristisch gebildeten Manne, welcher o^r auch als Lagerist in einem Bngros-Geschäft. Derselbe hat befähigt ist, Religionsunterricht zu ertheilen. mir einem Chor u. bereits in der Lampen-, Eisen- und Kurzwaarenbranche gereist in Begleitung eines Harmoniums vorzubeten und den Schächter-! und würde sich auch zu jeder anderen Branche qualificiren. dienst zu versehen, besetzt werden. Portofreie Meldungen mit j Nähere Auskunft hierüber ertheilt gerne Zeugniffen belegt, sind in Bälde zu richten an (2226) Moritz M. Bragenheim. das Israel. Kirchen-Vorsteherarnt. - Güstrow in Mecklenburg. (b. 229c.)