Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 12 (19.3.1878)
- Date
- 1878-03-19
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allgemeine Zeitung -es Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles Wische Interesse. HerauSgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philipp so n in Bonn. Verlag von Bavmgärtnrr's Buchhandlung in Leipzig. Beilagen werden mit 1 Mark 50 Pf. pro Hundert berechnet. 2n redactionellen Anizelezenheuen wend« man srch an vr. L. phittpiiion in Bonn; dinfichüich der Jnierare an 9t. Mvffe in Leipzig und fceff.n Filiale» in Berlin, Breslauic. 3n|trate, weil-« dis vonnerNaa cingehen. finden in der caranffolgenven Äiurnmer Berücksichtigung. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 di» 2>/, Bogen. Preis Vierteljährig S Mart. Inserate werden mit 20 Pf. für die Petitzeil« oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen. Postämter und Zeitung»»Expeditionen nehmen Bestellungen au. 42. Jahrgang. Leipzig, den 19. Mär; 1878. JV? 12. Inhalt. Leitende Artikel: Die Jesaianische Moral. NI. — Analeltcn. I. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Brandenburg an der Havel. — Oesterreich-Ungarn: Wien. Brünn. — Großbritannien: London. — Türkei: Adrianopcl. Pera, Konstannnopel, Paris. — Rumänien: Bottuschan. — Egypten: Kairo. — Bonn: Notizen, Literarische Notizen, Kunst-Neri; — 'Feuilleton: Etwas über das Gedächmiß, besonders das kurze. Stellende, (SCttiRef. Bonn, 13. Marz. Die Jesaianische Moral. »I.«) Auf einem ganz anderen geschichtlichen Boden erstand der große Prophet des Exil-Endes, besten im innersten Zusammenhänge fortschreitende Reben den zweiten Theil des Buches Zesaias ausmachen, der vom ersten Theile durch das geschichtliche Fragment (Capp. 37—39) getrennt ist. Der geistesgewaltige Seher Hiskia, der den Zusammenbruch ves Zehnstämmereiches und die Wegführung seiner Bewohner geschaut, aber auch die Befreiung des engumschlostenen Jerusalems und den Untergang des großen assyrischen Heeres, hatte mitten im Leben des sittenverderbten Volkes gestanden, gegen dessen religiöse und ethische Entartung gekämpft und das göttliche Strafgericht verkündet, durch welches hindurch die Läuterung und Wiederherstellung wie Sonnenblicke durch finsteres Gewölk, das den Himmel verhüllt, durchdringen werde. Jesaias II — wenn wir ihn so nennen wollen — hingegen, erhob seine prophetische Stimme, als schon zwei Menschenalter über das nach Babel verbannte Juda hinweggegangen waren und ras chaldäische Reich vor dem Ansturm des persischen Kyros wankte, um im weiteren Fortgang gänzlich zusammenzubrechen. Der Prophet erkannte alsbald, daß es gelte, das zerstreute Häuflein zu sammeln, ihm neues Leben durch ein neues Ideal einzuflößen, nämlich die Rückkehr nach dem heiligen Lande, den Wiederaufbau Zions und Jerusalems, die Herstellung des Volkes in Wesen und Staat. Er sah voraus, daß der Perserkönig das von den Chaldäern unterjochte, weggeführte und gedruckte Volk, wenn es sich in seiner Eigenthümlichkeit erhalten und stark zeigte, und dies erwies sich eben durch den eifrigen Drang nach Rückkehr, nicht zurückhalten, sondern ihm diese gestatten werde. Für den Sieger mochten hierfür politische Beweggründe vorhanden sein: für den israelitischen Seher lag die Nothwendigkeit der zu erfolgenden Rückkehr in der Geschichte, dem Berufe und rer Bestimmung Israels, in der Erhaltung der Gotteslehre, ja in rer Anschauung selbst, die er von der göttlichen Vergeltung haben mußte, welche nach der schweren Sühnung des Frevels die Wiederherstellung herbeiführen müsse. Je weiter der Sieg der Perser vor sich ging, desto bestimmter wurde der Aufruf deß Propheten an die Judäer, sich zum Abmarsch vorzubereiten und zu begeistern; nachdem Babel gefallen, lag es ihm ob, zur Ausführung zu ermahnen. Aber auch hier zeigte sich bald, daß die Wirklichkeit stets hinter dem Ideale zurückbleibt: ein großer Theil der Exulanten hatte es sich behaglich gemacht im fremden Lande, war sogar dem chaldäischen Götzendienste verfallen, und nur der geringere Theil der Gottgetreuen zeigte sich bereit zu dem großartigen, aber beschwerlichen und entbehrungsreichen Unternehmen. Diese waren daher zu stärken, jene zu züchtigen. In großen Bildern war die zukünftige Herrlichkeit Israels und der Sieg seiner Gotteslehre über die ganze Menschenwelt zu schildern, den Abgefallenen aber das Verschwinden vom Erdboden zu verkündigen. Hiermit war 1) S. Nr. 50 des v. I., Nr. V d. I.