Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 10 (5.3.1878)
- Date
- 1878-03-05
- Page
- Seite 156 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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156 brachte, noch auf offenem Meere war, als Bonaparte endlich seinen Soldaten zu erkennen gab, wohin er sie führe und welches das Ziel seines Unternehmens sei. Seine Proclamation sagte ihnen: Sie gingen England einen tödtlichen Stoß zu versetzen, eine Eroberung zu bewerkstelligen, deren Wirkungen auf die Civilisation unberechenbar wären. Aber sie müßten sich mit den Bewohnern dieser Gegenden verständigen, indem sie ihre Sitten, ihre Gebräuche, ihre Religion achteten. Bekanntlich epi-! flirte damals in Frankreich keine Kirche, da diese durch die Revolution verdrängt worden war. Er fahrt fort: „Handelt gegen sie wie wir gegen die Juden und die Italiener gehandelt. Nehmet Rücksicht auf ihre Muphti's und ihre Jmanns, wie Ihr sie für die Rabbinen und die Bischöfe gehabt. Habet für die Ceremonien, welche der Koran vorschreibt, dieselbe Duldung, welche ihr für die Klöster, für die Synagogen, für die Religion des Moses und des Jesus gehabt. Die römischen Legionen beschützten alle Religionen." tlli-Uoire «le Napoleon 1. par Lanfrey, T. I, p. 370.) Noch Etwas über den Satan. Ein Mitarbeiter dieser Zeitung schreibt uns: Daß auch im jüdischen Bolksgeiste der Satan niemals die Vorstellung eines wirklichen Wesens erhalten, wird auch dadurch erwiesen, daß er in der Phantasie des Volkes niemals eine wirkliche Gestalt angenommen hat. Ausmalungen wie mit Hörnern, Pferdefuß, Schweif, Fledermausstügeln u. s. w. sind der Einbildungskraft der jüdischen Maffe niemals eingekommen, während diese doch z. B. dem Elija Hanabi einen Becher am Secerabend, einen Stuhl bei der Beschneidung hinsetzen ließ. Darum konnte auch ein Sprüchwort wie: „Male den Teufel nicht an die Wand", bei den Juden nicht Platz greifen, und wurde hier von dem Spruche ersetzt: zw'Lr ns nnsn vrr „Oeffne den Mund nicht für den Satan", d. h. zum Bösen, nämlich; sprich nicht ein etwa' drohendes Uebel aus, um den Umgebungen nicht Furcht einzustößen, da die Furcht den Verstand verwirrt und die Widerstandskraft halb lähmt. Charakteristisch ist auch, daß der Volkswitz vorzugsweise ein böses, zänkisches Weib mit dem Ehrennamen „Satan" belegte, den er hingegen Männern nicht zukommen ließ. Auch bezeichnete das Volk eine Familie, in welcher Zank und Hader vorherrschte: „Bei denen ist immer der Satan los." Gerade diese harmlosen Volksautzsprüche erweisen den unschuldigen Charakter, welchen Wort und Vorstellung bei dem Volke hatten. In die Lotterie gesetzte Kinder. In Dees geschah es jüngst, daß ein verarmter Israelit, der drei Kinder hatte, zum Rabbi ging, um ihm sein Leid zu klagen und sich bei ihm Rath zu erholen, was er bei solchem Elend mit seinen Kindern anfangen solle. „Setze sie in die Lotterie", lautete die Antwort. Der arme Mann ging nach Hause, verkaufte seine ganze Habe und setzte den Erlös in die kleine Lotterie auf die Zahlen der Altersjahre der Kinder. Und siehe da, die Nummern kamen heraus mit einem Gewinnst von viertausend Gulden und er segnete nun den weisen Rabbi, der ihm den guten Rath ertheilt, und der jetzt mit ähnlichen Bitten von allen Seiten bestürmt wird, aber sich wohl hütet, denselben zu willfahren. Siebenzig Jahre verheirathet! Ein nicht gewöhnliches Ereigniß wird gegenwärtig von den Einwohnern der Stadt Neutra und deren Umgebung besprochen. Die Eheleute Kopel und Johanna Ehrenfeld feierten am 17. Februar ihren siebzigsten Hochzeitstag im Kreise von 10 Kindern, 44 Enkeln und 39 Urenkeln. Bei diesem Ehepaare, welches sein 70jähriges Eheleben in glücklicher Eintracht verbrachte, bewährt sich das Sprichwort: „Jung gefreit, hat Niemanden gereut", denn der Jubilar hat bereits in seinem dreizehnten Lebensjahre um die Hand seiner Lebensgefährtin geworben, welche er in seinem fünfzehnten Lebensjahre erlangte. n' 3 o:y vrv'i „Es seien die Armen Kinder Deines Hauses." p. A. 1, 5. Unlängst war, wie man dem „Budapesti-Napilay" schreibt, zu einer Hochzeit auch der angesehene Grundbesitzer Salomon Weiß in Balassa - Gyarmat geladen. Als die Equipage vorgesahren war, die ihn nach Terbeczeg bringen sollte, und er eben darüber nachsann, welche seiner Familienmitglieder er mitnehmen solle, theils um sich die Zeit wahrend der Fahrt zu vertreiben, theils um der freundlichen Einladung zu entsprechen, die auf einen ganzen Wagen Gäste gelautet hatte, sah er vier arme Juden auf der Straße stehen, von denen Einer auf ihn zukam und von ihm, als reichen Mann, einen Biffen Brot bat für sich und seine Genoffen, da sie schon seit zwei Tagen nichts gegessen und getrunken hatten. „Gut, meine Freunde — sagte Salomon Weiß —. setzet Euch in den Wagen und kommt mit mir." Natürlich ließen die armen Teufel sich das nicht zweimal sagen und gelangten so mit ihm in das Hochzeitshaus, wo es zu offen und zu trinken vollauf gab, und wo Weiß, als der Hochzeitsgeber ihn mit den Worten empfing: „Aber mein Bester, wo haben Sie denn Ihre Familie gelaffen? die war ja auch geladen'." auf seine Begleiter zeigend, zur Antwort gab: „Hier diese Armen sind meine Familie," was zur Folge hatte, daß seine Schützlinge nicht nur von Seite des Hausherrn, sondern auch der übrigen Gesellschaft sich der aufmerksamsten Behandlung zu erfreuen hatten.