Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 10 (5.3.1878)
- Date
- 1878-03-05
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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"Allgemeine Zeitung des Tudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles Mische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 diS -llz Bogen. Preis Bierteliährig S Mark. Inserate werden mit 20 Pf. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen. Postämter und ZeitnngS» Expeditionen nehmen Bestellungen an. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philipp so N in Bonn. Verlag von Baumgärtuer's Buchhandlung in Leipzig. 2n revactivnellen Aagelegenheuen wende man sich a Dr. L. Nhilippson in Bonn; dinsichNich der Inseraie an 2t. , Mosse in Leipzig und dess.n Filialen in > Berlin. Breslaurc. ^nserale, welche b^- vannerstay cinzehen. finden inder darauffolgenden Nummer Berücksichtigung. Beilagen werden mit t Mark 50 Pf. pro Hundert berechnet. 42. Jahrgang. Leipzig, den 5. März 1873. 10. Inhalt. Leitende Artikel: Die ..6on1empc»-ar>' Review“. I. — Die Verketzerung des Mairnenides. II. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Königsberg i. Pr., Aus der Provinz Posen, Aus Wefiphalen'. — Oestcrreich-Ungarn: Lcplitz. -- (Großbritannien: London. — Rumänien: Bukarest. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Der Separatismus des Jcrobeam. Vermischtes: Eine Proclamation Napoleon I. — Noch etwas über den Satan. - In die Lotterie gesetzte Kinder. — Siebenzig Jahre vcrheirathet. — Es seien die Armen Kinder Deines Hauses. — Nachtrag: Berlin. JÜeÄleude (fLtti&ef. Bonn, 26. Februar. Die „Contemporary Review“. I. Nichts ist fataler für die Religion, als wenn die Politik, nichts fataler für die Politik, als wenn die Religion sich in sie eindrängt. Beide werden dadurch geschädigt und entstellt, beide sanatisirt und gegen die eigenen Interessen verblendet. Im Alterthum kam dies nur in wenigen Fällen vor. Im Mittelalter war es die Regel, denn „die beidey Schwerter" (das geistliche und das weltliche) kreuzten oder vereintztrn sich. Daß aber auch die neueste Zeit, daß das 19. Jahrhundert nicht frei davon ist, erweisen die Ereignisse der jüngsten Tage. Wir haben bereits im vorigen Jahrgang S. 58 l nachgewiesen, daß in den Vorgängen betreffs des russisch-türkischen Krieges der religiöse Fanatismus in Europa keine gering anzuschlagende Rolle spielt. Seit 170 Jahren führt Rußland in consequentester Weise dieselbe politische Idee durch, nämlich die europäische Türkei sich zu unterwerfen, Stambul zu einer russischen Stadt zu machen und das schwarze Meer, die untere Donau, den Bosporus und das ägäische Meer in russische Gewässer zu verwandeln. Es ist dies eine politische Idee, welche als solche ihre politische Berechtigung hat, und mit demselben Rechte von denjenigen zu bekämpfen ist, welche ihre eigenen Interessen davon benachtheiligt sehen. Das Letztere that denn auch Europa zu aller Zeit, und dieser Widerstand gegen die russischen Ziele hat unter Anderem ebenso den französisch-russischen Krieg von 1812, wie den Krimkrieg von 1855 herbeigeführt. Schritt vor Schritt drang dennoch Rußland vor. Mußte es von Zeit zu Zeit in seinem Vorgehen zurückweichen, so wußte es doch jede günstige Chance wieder zu benutzen, um sein Terrain immer weiter vorzuschieben. Wie es die Lage der Dinge 1871 genügend würdigte, um einen Hauptparagraphen des Pariser Bertrages zu beseitigen, so sah es die Verhältnisse in den letzten Jahren für geeignet an, einen Hauptschlag auf die Türkei anszusühren. Zu diesem Zwecke rief es diesmal mehr als je die Religion zu Hülfe: es verkündete, daß es lediglich zum Schutze und zur Befreiung der christlichen Unterthanen der Pforte das Schwert ziehe. Und siehe ca, dies verfing bei einer großen Anzahl einflußreicher Männer, vor Allem in England. Hier war es, wo der Führer rer liberalen Partei, der ehemalige Premierminister Gladstone den religiösen Fanatismus auf die Fahne schrieb, die traditionelle und nationale Politik Englands über den Haufen warf, die Eroberung der Türkei durch Rußland billigte und sogar die Mitwirkung Englands forderte. Mit den gewaltigsten Anstrengungen in Rede und Schrift suchte er das britische Volk nach dieser Richtung hin zu fanatisiren, und es gelang ihm dies wenigstens insoweit, als das gegenwärtige Ministerium, ein conservatives, dadurch in seiner Politik lahmgelegt wurde. Wie ist dies zu erklären? Man braucht nur zu erwägen, daß in jedem Engländer mit geringer Ausnahme heimlich oder offen ein christlicher Theologe steckt, der unter Umständen in ihm zum Vorschein und selbst zur Herrschaft kommt. Sehe man sich zum Beispiel nur die beiden Gegner an, Lord Beaconsfteld und Gladstone; trotz ihrer heftigen Opposition