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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-09-18 · Heft 112 (18.9.1838) · p. Seite 454

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 112 (18.9.1838)
Date
1838-09-18
Page
Seite 454 (sequence 4)
Language
German
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454 aller Dinge auf Erden in Eintracht und gemeinsamer Kraft mögen fördern helfen, — bis zu der fernen Zeit, in welcher der böse Streit der Menschen um die höchsten Güter des Lebens wird ausgekampft fein!" Das sind Worte, in denen Herz, Gemüth, Leben und Liebe verborgen liegen, und die man an die Pforte jedes maurischen Tempels schreiben sollte, zur ewigen Beschämung für die, welche die Maurerei blos für das Christenthum usurpiren wollten! Was Cretzschmars Schrift hervorgerufen hat, auch das muß ich hierkurz berühren. Die Zeit, die alles vermögende, hat endlich auch in den eclectischen Logen zu Frankfurt die Frage der Emancipation der jüdischen Maurer zur Reife gedeihen taffen; Anregungen von Innen und Außen kamen bei dieser Loge, um endlich einmal dieses große Problem zu lösen. Die Sache fand Anklang und man unterzog sich derselben mit Ernst und Würde. Cretzschmar, ein hochstehender Beamter in diesen Logen, erhielt den Auftrag, ein Gutachten zu entwerfen, und zur Beschlußnahme vorzulegen. Aus einer, dieses Gutachten umfaffenden und daffelbe ergänzenden, Arbeit besteht diese Schrift. Sie ist ein Meisterstück von Gründlichkeit und logischer Consequmz, und zugleich ein Denkmal der edlen Denkungsweise des ehrenwerthen Verfaffers. Daß sich die Angelegenheit in Frankfurt zu Gunsten der jüdischen Maurer entschieden hat, ist bekannt und in der allernächsten Zeit wird die Mutterloge des eclectischen Bundes in Frankfurt das große Wort sprechen: „Die Pforten unserer Hallen sind geöffnet für jüdische wie für christliche Maurer!" Dann wären in Frankfurt wenigstens alle Differenzen gehoben. Alle? da fällt mir mit Schmerz und Betrübniß ein, daß die ältere jüdische Loge daselbst sich abwendet von der jüngern, die ihr schon oft die Hand des Bruderbundes hinhielt. Wer erklärt sich dieses Rälhsel? Ich achte die „ausgehende Morgenröthe" zu sehr, als daß ich den eigentlichen Grund dieser unmaurischen Gehäffigkeit hier anführen wollte, der wahrlich dem erhabnen Sinne einer „aufgehenden Morgenröthe" nicht entspricht. Diese jüngere Loge „der Adler" verdient die Bewunderung der ganzen maurischen Welt, obgleich er kaum 6 Jahre alt ist. Edles, kräftiges entschiednes Wirken ist sein Grundsatz, und er verfolgt diesen Grundsatz so ganz im Sinne eines menfchheitbeglückenden erhebenden und beseligenden Bundes, zeigt dabei, neben Jugendfrische und Lebensmut!), so viel innere Reife und Consolidation, daß man wirklich erstaunen muß! Und eine solche Werkstätte wird von der „aufgehenden Morgenröthe" verschmäht, sie wendet sich ab von den Brüdern, von den Freunden, von den Glaubensgenoffen aus eitlen, kleinlichen Gründen! Es ist unglaublich, aber es ist wahr! — Correspondenzen, Auszüge, Repliken. Hildesheim, August. Predigten. Schule. Verein. Auch die Zustände unserer Gemeinde bessern sich mit jedem Tage, und Fortschritte, wie sie in der jetzigen Zeit von den Israeliten fast aller Staaten gemacht werden, sind auch hier durch die Leistungen des gelehrten Landrabbinen Dr. Bod e n heim er zur Freude der Helldenkenden wahrzunehmen. Seine Predigten zeichnen sich immer mehr durch Klarheit und Gediegenheit aus. Die Confirmarionsrede am verflossenen Pfingstfeste wirkte mit wahrer Zauberkraft auf das Gemüth und den Geist der großen Anzahl der Zuhörer. Der Redner sprach ein kräftiges Wort gegen das Missionswesen, oder die Sucht, Juden nicht durch Ueberzeugung, sondern durch Vorspiegelungen jeder Art zum Christenthume zu bekehren; er ließ sich besonders darüber so fd>6n aus, daß übergegangene Israeliten so gewillig zu diesem Geschäfte sich gebrauchen lassen. Eben so gründlich war auch der Vortrag,' welcher am Sabbate Sclilacli Lecha über Psalm 128 gehalten wurde. Das Familienheil, das aus dem Familienfrieden erwächst, bildete hier das Hauptthema, an welches sich die trefflichsten und schönsten Ideen über Gemeindewohl anreihten. Musterhaft aber dürfen wir mit vollem Rechte die Predigt nennen, mit welcher uns der geehrte Redner am Sabbate, Abschnitte iVIator, auf den Text: „Verursacht nicht dieses dir dein Verlassen des Ewigen, deines Gottes," wahrhaft erfreute. Wahr mußte dabei die Parallele, die zwischen dem Wohle des Einzelnen und dem einer Gemeinde und eines Volkes gezogen wurde, erscheinen und ergreifend war die Stelle, wo er mit Begeisterung davon sprach, daß bei allen Fortschritten der Israeliten dennoch der echte Sinn für Volkswohl größtenrheils feblt. Die herannahende Trauerfeier der Zerstörung Jerusalems leitete auf die Idee, daß nur der Eifer für die Erhebung des Volkes von Seiten Israels durch Facultät und Seminarien die Erreichung der so sehnlichst gewünschten Rechten und Freiheiten herbeiführe. Wer möchte an der segensreichen Wirkung solcher Vorträge zweifeln! — Die Thätigkeit dieses Geistlichen erstreckt sich aber nicht minder auf die Verbesserung des Schulwesens, und . die Schulen in diesem Landrabbinenbezirke zeichnen sich vor den übrigen israelitischen Schulen im Königreiche besonders aus. Gegenwärtig beabsichtigt man an der Volksschule hiesiger Gemeinde die Anstellung eines tüchtigen Hauptlehrers, der im Stande ist, in allen deutschen und hebräischen Hauptfächern, so wie im Gesänge, gründlichen Unterricht zu ertheilen. Die Volksschule steht jetzt so im Rufe, daß sie selbst von Kindern aus den andern Landrabbincnbezirken besucht wird. Kräftig wird auch für die Heranbildung der Jünglinge zu brauchbaren und nützlichen Männern für den Staat durch den Verein, der sich hier zur Beförderung von Handwerken unter den Bekennern des mosaischen Glaubens constiruirte, gesorgt. Auch bei diesem Vereine führt der Landrabbine das Präsidium, an seiner Seite stehen die Herren Israel Meyerhof jun. und Joel Meyerhof, zwei junge Männer, die sich, aus Liebe zur Sache, der Verwaltung mit lobenswerrhem Eifer annehmen. Es fließen dem Vereine Unterstützungen von Seiten der Honoratioren der Stadt zu, und er zählt als wirkliche Mitglieder auch den Herrn Geheimerctth und Landdrosten von S ch mid tphiseld eck und den Herrn Geheimrath Nie per. Mehre Knaben sind schon bei Meistern untergebracht, und, wie man aus sichern Quellen erfährt, soll der Fonds es schoß jetzt gestatten, wieder eine nicht unbedeutende Zahl lernbegieriger Jüngl-inge in die Lehre zu geben. So ist für Erbauung, Bildung und Erhebung, für Arbeitsamkeit und Fleiß in unserer Gemeinde schon Manches geschehen. Nur ein wichtiger Gegenstand fehlt uns noch, und dieser ist — ein neuer schöner Tempel. Die jetzige Synagoge, ganz sicher vierhundert Jahr alt, ist in keiner Beziehung der Zeit angemessen. Möge Gott die Herzen derjenigen erleuchten, die bisher gegen den Bau des Tempels gestimmt haben. Und da diests der Wunsch des größten rheiles der Gemeinde ist, so hoffe ich, Ihnen bei Abstattung meines nächsten Berichtes die Anzeige machen zu können, daß zur Errichtung eines geschmackvollen, den Forderungen der Gegenwart entsprechenden Gotteshauses geschritten worden sei. Redacteur: Dr. L. PhiUppfon. — Verlag von Baumgartners Buchhandlung. - Druck von I. B. HLrfchfeld.

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