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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-02-12 · Heft 7 (12.2.1878) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 7 (12.2.1878)
Date
1878-02-12
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Iudenlhums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Liefe Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 bis 2>/, Bogen. Preis Viertel; ädrig 3 'JUiarf. 3nierate werde» mit 20 Pf. für die Pctitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen. Postämter und ZeitungS » Expeditione» nehmen Bestellungen an. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippfon in Bonn. Verlag von Baomgartner's Buchhandlung in Leipzig- In redactionellen Angelegenheuen wende man sich an Dr. L. philivrlou in > Bon»; binsichtlich der Jnjeraic an A Moffe in Leipzig und dcss n Filialen in Berlin, BreSlaurc. 3useralk. welche b:S vonaerstaa cingehen finden in der carauffolgenden Nummer Berückfi.htiguug. --- Beilagen werden mit l Mark k»tt Pf. pro Hund ert berechnet. 42. Jahrgang. Leipzigs den 12. Februar 1878. J\? 7 Inhalt. Leitende Artikel: Judith. I. — Der jüdische Religionsunterricht in den preußischen Schulen. IV. — Das Austrittsaesetz rm Großherzogthum Hessen. I. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin. Magdeburg, Sttaßburq. Kolmar. Düsseldorf. — Oesterreich-Ungarn: Aus Mähren. — Frankreich: Paris. — Italien: Aus Oberitalicn. — Großbritannien: London. — Türkei- Parts. — Palasttna: Vom Karmel. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Die jüdische Journalistik — Vermischtes: Der Schwindel- Rabbr und kein Ende. £eltciid& (3Lxhitef. Bonn, 6. Februar. Judith. I. Durch eine vielgenannte begabte Schauspielerin wird seit einiger Zeit das Drama: „Judith. Eine Tragödie in fünf Acten von Friedrich Hebbel (Hamburg, Campe, 1S41)" auf den deutschen Bühnen zur Aufführung gebracht. Dieses Drama wurde zum ersten Male auf dem Hoftheater zu Berlin am 6. Juli 1S40 aufgeführt, und man ersieht hieraus, daß es sich bleibend auf der deutschen Bühne erhält, wenn es auch nur gegeben wird, falls sich eine geeignete bedeutende Künstlerin für die Titelrolle vorfindet. Daß diese Dichtung den Stoff, wenn auch nicht aus der Bibel, doch aus einem älteren jüdischen Schriftwerk, dem zu den Apokryphen gehörenden Buche Judith entnommen hat, und somit inhaltlich aus dem Leben des jüdischen Volkes geschöpft ist, dies allein hätte uns nicht bewogen, an dieser Stelle näher auf sie einzugehen. Aber der Dichter selbst beabsichtigte, eine tiefere Idee in ihr zur Darstellung zu bringen, und glaubte auch, daß ihm dies gelungen sei. Ueber die ideelle Bedeutung des Trauerspiels äußert sich Hebbel in einem Briefe an die bekannte Schauspielerin Auguste Crelinger, auf deren Veranlaffung daffelbe 1840 zum ersten Male über die Bühne ging, folgendermaßen: „. . . Judith und Holofernes sind, obgleich (wenn ich meine Aufgabe löste) wahre Individuen, dennoch zugleich die Repräsentanten ihrer Völker. Judith ist der schwindelnde Gipfelpunkt des Judenthums, jenes Volkes, welches mit rer Gottheit selbst in persönlicher Beziehung zu stehen glaubte. Holofernes ist das sich überstürzende Heitenthum; er faßt in seiner Kraftfülle die letzten Ideen der Geschichte, die Idee der aus dem Schooß der Menschheit zu gebärenden Gottheit, aber er legt seinen Gedanken eine demiurgische Macht bei, er glaubt zu sein, was er denkt. Judenthum und Heidenthum aber sind wiederum nur Repräsentanten der von Anbeginn in einen unlösbaren Dualismus gespaltenen Menschheit. Und so hat der Kampf, in dem die Elemente meiner Tragödie sich gegenseitig aneinander zerreiben, die höchste symbolische Bedeutung, obwohl er von der Leidenschaft entzündet und durch die Wirkungen des Blutes und die Verirrungen der Sünde zu Ende gebracht wird." Diese Worte des Dichters machen eS uns zu einem Bedürfnis, seine Tragödie naher zu prüfen, um zu erkennen, ob er seine beabsichtigte Idee verwirklicht habe, und in welchem Verhältniß sie zum Wesen und zur Geschichte des Judenthums siehe. Wiederholt ist es geschehen, daß geniale Dichter das Judenthum und die Juden zum Gegenstände ihrer dramatischen Poesie gemacht haben. Es versteht sich von selbst, daß in einem solchen Gedichte immerhin die subjective Natur des Dichters die Grundanschauung hergiebt; aber gerade weil es ein Drama ist, wird die Anschauung darin möglichst objectivirt, da Partei und Gegenpartei, Zusammenstoß und Auflösung in ihm gegeben werden müssen. Da fragt es sich denn, wie verhält sich das wirkliche Judenthum zu dem vom Dichter reprorucirten? Das Judenthum kann dem Dichter nicht verwehren, mit ihm nach seiner

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