Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 6 (5.2.1878)
- Date
- 1878-02-05
- Page
- Seite 94 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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94 bei dreißig Redner. Die Palme des Abends gebührt jedoch dem Dr. M. Rappaporr, der in seinem, von einem leuchtenden Huuior getragenen Toast aus cas Wohl seines edlen Freundes des Predigers trank, waS auch mir stürmischem Jubelruf ausgenommen wurde. Der Abend sollte jedoch seinen würdigen Abschluß in einem Wohlthätigkeitsact finden, und da war wieder der Förderer alles Guten, Rabbiner Löwenstein, bei der Hand, aus defien Anregung es geschehen ist. Er stellte nämlich den Antrag, daß man bei diesem freudigen Anlaß nicht der Armen, der durch den Krieg schütz- und obdachlos gewordenen Wirtwen und Waisen vergefie, worauf der Jubilar mit der Spendung von 100 st. den guten Anfang machte, was den Andern als Sporn diente, so daß in Kurzeui viele reiche Spenden zusammenstoffen. So wurde auch Vieser Abend in ähnlicher Weise, wie das ganze Leben des Dichters, vurch Poesie und echte Humanität gefeiert. Die Reminiszenzen des so heiter verlebten Abends werten uns wohl noch lange, lange im Gedächtnisse nachklingen. Sichel, der Menschenfreund. Im „Petit Moniteur", der in Bordeaux erscheint, wird folgende Schilderung eines zewiffen am 14. October v. 2. zur Erde bestatteten Sichel gegeben. Als ich ihn in Paris traf, vertrat er eine große Zndustrieanstalt im Elsaß. Damals nahm er Leute, die stellenlos waren und deren er gar nicht bedurfte, an und bezahlte sie aus seinen eigenen Einkünften. Man stellte ihm einen Böhmen vor, elend und schmutzig, der einige schöne Berse veröffentlicht hatte. Er ließ ihm sofort und in geschickter We-se Kleider, Leibwäsche und . . . einen großen Kasten Seife zukommen. Eines AbendS, als er in sein Logis einlral, traf er einen Hund, der die Drehkrankheit hatte. Er empfand ein großes Mitleid mir dem unglücklichen und häßlichen Thiere und kaufte eine Electrisirmaschine, um dessen Heilung zu versuchen. Ein alter Pfarrer in Lothringen zeigte ihm einst seine verfallene Kirche. „Ach, Herr Sichel", sagte er, „wenn Sie ein Katholik wären, so würde ich Sie bitten, mir von Paris eine h. Jungfrau für 20 Francs zu schicken!" Der Sohn des alten Rabbi sagte nichts, aber er schickte dem armen Pfarrer eine h. Jungfrau für 200 Francs. Bor dem Jahre 1870, wenn man ihn fragte: „Woher seid Ihr, Sichel?" antwortete er stets: „Bon Jerusalem!" — „Aber, seht doch, wo seid Ihr geboren?" — „Ich weiß nicht; irgend wo, auf dem Dache einer Synagoge wahrscheinlich, wie der Storch, den ich so gern betrachtete als ich klein war! . . ." Die Wahrheit war, daß er zu Namur „auf der Reise" geboren war. . . Niemals hatte er sich viel um die Rechte des französischen Bürgers gekümmert. Vorausgesetzt, daß es ihm gestattet war, Gutes zu thun, verlangte er nach nichts Anderem. Aber er liebte Frankreich mit ganzem Herzen, und 1871, als dieses Frankreich besiegt, gevemüthigt, mit Contributionen belastet war, hielt er den Augenblick für gekommen, wo er sich als Franzose naturalisiren lasie. Am 14. October 1877 wurde er in dem jüd. Antheil des Friedhofes Montmartre bestattet, und nicht wenige Freunde vergossen aufrichtige Thränen am Grabe des edlen, anspruchslosen Mannes. Vermischtes. Ein muthiger Greis. Der Oberrabbiner in dem kleinen russischen Städtchen Piotrkow, ein bereits 85 Jahre alter Mann, verheirathete sich vor Kurzem zum vierten Male, und zwar mit einem 17 jährigen Mädchen, einer armen jüdischen Waise. Diese Ehe berührte nicht nur vie erwachsenen Kinder des Rabbiners auf das unangenehmste, sondern erregte auch einen allgemeinen Unwillen in der jüdischen Gemeinde. Am Hochzeitstage wurden rem greisen Ehemann alle Scheiben eingeschlagen. Um seine dadurch erschreckte junge Frau zu beruhigen, soll der Rabbiner ihr an demselben Abend einen Schmuck im Werthe von 3000 Rubeln geschenkt haben. Anzeigen. Wrmm ****** **tfsscft * *ess *# c** an ***e Annoncen - Expedition ron Rudolf jiff C§V€/?/osse in Leipzig oder deren Filialen in Berlin, Breslau Chemnitz, Cöln ajBh.. Frankfurt ajM. etc. zu adres&sircn. Für einen vierjährigen verwaisten Knaben wird ein Unterkommen gesucht. Auskunft ercheilt (1010) A. Steintoe^ Lehrer, Nheda, Westphalen. Suche für mein Putzgeschaft auf Ostern eine geübte Arbeiterin. (707) M. ./- Valk W ice., Finden. Eine gepr. Lehrerin, musik., mir guten Zeugnissen, sucht Stellung als Erzieherin. Gefällige Nachfragen unter Cliillre II. (jJ. 907. an Ku«l. i>Ioss»e in Leipzig. (907) (Scfttctjt eine ittÖifdlC Köchin für ein süddeutsches Institut. Offerten unter ö. 4994 an Rudolf Mosse, Frankfurt am Main. (F. 712.)