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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-01-01 · Heft 1 (1.1.1878) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 1 (1.1.1878)
Date
1878-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Iudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles Wische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 viS 2ty2 Bogen. Preis Bierteljäbria 3 Mark. Inserate werden mit 20 Pf. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen. Postämter und Zeitung»-Expeditionen nehmen Bestellungen an. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. Verlag von BLumzrrtuer's Buchhandlung in Leipzig. In redactionellen Slngeleaenheiteu wende man sich an Dr. £. Philipps«» in Bonn; binpchUich der Inserate an 4k. Moste in Leipzig und beste» Filialen in Berlin. BreSlau rc. Inserate, welche bi« vsnnerstag cingrhen. finden ra der darauffolgende» Nummer Bcrückfichtiguug. Beilage» werden »lit 1 Marl 50 Pf. pro Hundert berechnet. 42 Jahrgang. Leipzig, den 1. Januar 1878. JW 1. Inhalt. Leitende Artikel: Die Versuchung, l. — Der jüd. Religionsunterricht an den preußischen Schulen. III.— Zeitungsnachrrchten: Deutschland: Berlin, Unruhstadt, Bonn. — Oesterreich-Ungarn: Wien. Pest. Aus Böhmen. — Frankreich: Paris. — Türkei: Konstantinopel. — Amerika: Cincinnati. — Bonn: Notizen. Literarische Notizen. — Feuilleton: Der Winter. — Vermischtes: Keine confessionellen Baumeister. — Das Bettlergcwcrbe. — Gladstone und Midhat Pascha. £elteiidc (SLxbhdL Bonn, 26. December. Die Versuchung. I. Erinnerst Du Dich nicht, theurer Leser, aus Deinen! Leben, daß Du einmal an einem Scheidewege standest, an welchem Du Dich entscheiden mußtest, ob Du dem Gebote der Pflicht, den Forderungen des Rechts und der Liebe, selbst bei großem Verlust und vieler Mühsal folgen wolltest, oder den lockenden Verheißungen des Unrechts, der Leidenschaft, die sich Deiner bemächtigt hatte? Erinnerst Du Dich nicht, daß Du durch die Fügungen Gottes, wie sie sich im Zusammentreffen der Umstande bethätigte, plötzlich in eine Lage gekommen, in eine Situation versetzt wärest, wo Du von Trübsalen, Entbehrung, Verlust an Ehre und Eigen- Ihum bedroht warst, wenn Du nicht zu unrechtlicher That, zur Lüge, zur Hinterlist und allem üblen Thun greifen wolltest? Ein solches Begegniß in unsrem Leben nennen wir eine Versuchung. Ob sie schwieriger oder leichter Art, ob sie für unser ganzes Leben entscheidend oder nur von vorübergehender Bedeutung, ob sie mit Bewältigung oder der Obmacht einer flüchtigen oder uns lange Zeit beherrschenden Leidenschaft endigte: eS war eine Versuchung, die wir zu bestehen, eine Prüfung, die wir zu unsrem Heil oder zu unsrem Leibe durchzumachen hatten. Es war ein schwerer Kampf; in unsrer Seele rang und wogte.es, kürzer oder länger; vielleicht entschieden wir uns nur mit Thränen im Auge; denn was wir auch wählten, es galt eine schwere Entsagung, welcher erst spät das befriedigte Bewußtsein den höheren Reiz und Werth zuerkannte! — Das ist uns seitdem klar geworden, daß, was uns Anfangs ein böseS Geschick, ein Werk des ungünstigen Schicksals und unerträglich erschien, uns in der Folge der Zeit als ein Prüfstein deutlich wird, an welchem sich das edle oder unedle Metall unsres Charakters, die Festigkeit oder die Schwäche unsrer Gesinnung und unsres Willens bewähren, an welchem sich die Kräfte unsrer Seele üben und entfalten sollten, vielleicht um für noch schwierigere Kämpfe und für größere Werke rüstig, geeignet, ausreichend zu sein. Diese Erscheinung im Leben fast eines jeden Menschen ist darum auch ein Angelpunkt der religiösen Anschauung geworden, und hat in den verschiedenen Religionen eine verschiedene, ja entgegengesetzte Losung erhalten. Sie ist auf's Innigste verbunden mit der Anschauung, welche jede Religion über die physischen und moralischen Nebel entwickelte. In der egyptischen, indischen und altpersischen Religion traten dem Menschen die Nebel, die Schwierigkeiten, der Kampf mit den Elementen, der Schaden, den diese für ihn anrichten, ferner die Leidenschaften, die Verirrungen, die Verbrechen, denen der Mensch sich ergiebt, in so überwältigender Weise entgegen, daß sie die Herrschaft der Welt sich unter zwei einander bekämpfende Gottheiten vertheilt dachten, den Gott des Lichts und den Gott der Finsterniß, das gute und das böse Princip — wenn auch die Inder eine dritte Gottheit um das Gleichgewicht zwischen jenen beiden zu erhalten, annahmen — welche beide Gottheiten eine große Heerfolge von guten und bösen Geistern hatten. Die Religion Israels richtete einen völlig ent-

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