Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 111 (15.9.1838)
- Date
- 1838-09-15
- Page
- Seite 450 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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430 tu trrtrfc in die Consistorien, Diamanten, und du erreichst das Central (Consist)." Oder sobald sich ein Israelit als Künstler, als Advokar auszeichnet, ohne dabei seiner Religion den geringsten Werth beizulegen, ohne für sie wahres Interesse zu hegen, und wahre Kenntniß von ihr zu besitzen, wird er Mitglied der Consistoricn. Er persistirt diejenigen Herren, welche stets von Reform sprechen, aber in so vagen, nichtssagenden Redeweisen, daß der Dalai-Lama, Don Miguel, der Präsident Jackson und die Juden von Altkirch sie unterschreiben könnten. Nicht'minder spottet er «der die Centralschule für Rabbinen in Metz, weiche anstatt sich rnit den Faculrärcn von Paris zu vereinigen, wo orientalische Lehrstühle, Bibliotheken, Museen in Fülle, sich in einen dunkeln Winkel einer schmutzigen Straße in Metz verbirgt, wo es an Allem fehlt. Man kann dem Herrn Zarfati in allem diesem nicht anders als Recht geben. e Wer, wie ich, Gelegenheit gehabt, diese französische Institute näher kennen zu lernen, und ihr iaineant zu bemerken, ihren Nihilismus, wie Zarfati sagt, muß bedauern, daß der Staat sic besoldet, ohne zu beaufsichtigen, ohne dann und wann ein Resultat von ihnen zu verlangen. Aber es ist sehr zu bedauern, daß ein so scharfsinniger Mann übersieht: wie diesem Nihilismus gegenüber das reformirendc Juden thum eben so eine compacte als geistige Consistenz gewinnen muß — daß er nicht erkennt: wie sein Iudcnthum mit dem bloßen Dogma der reinen Einigkeit, mit seinem Sonntag, mit der Verbannung der hebr. Sprache, „der protestantischen Predigt, der katholischen Orgel, den Accorden Meyerbeer'S und Halevy's" (wie er sich selbst auödrückt) gleichfalls ein Nihilismus, ein Schaustück rnit bunten Lappen, ein Kind des letzten Jahres ist, für daö er umsonst Begeiferung hegt und erwecken will. Das Iudenthum, gerade die positiveste aller Religionen, seiner Pofitiverät berauben, und noch glauben, daß e6 Juden giebt, ist echt zarfarisch, d. h. französisch. DaS Iudenthum, dem die Basis der Offenbarung genommen, ist eine seichte populaire Philosophie, die jeder Dorfschulmeister besitzt. DaS Iudenthum, ohne feine geschichtliche Grundlage, ist eine Maie für zwei Pfingsttage, von ihren Wurzeln abgeschnitten, am dritten Tage verdorrt. DaS Iudenthum rst mit Nichten allein das Dogma der reinen Einigkeit, es enthält auch das unmittelbare Verhaltniß zwischen Gort und Mensch, die Einigkeit der göttlichen Gerechtigkeit und Barmherzigkeit, das An und für sich sein des Menschen rc., und dies Alles auf dem Boden der unmittelbaren Offenbarung; daS Iudenthum giebt auch die Bereinigung der Freiheit des menschlichen Willens mit der Gesetzmäßigkeit des menschlichen Lebens, und inrolvirt daS in die Erscheinung Treten der abstrakten Tugenden mittelst der religiösen Gesetzgebung. DaS Iudenthum ist die Zeugenschaft der Offenbarung, daS argumentum a postoriori, ist die Geschickte der Offenbarung. Dies Alles kann das Iudenthum nickt sein, besonders nicht für die Masse fein, auf die Art, wie Zarfati es haben will. Wenn auch das Iudenthum mehre seiner Formen der Sozialetät freudig zum Opfer bringt, wenn eS auch durchdrungen sein muß, von dem Streben, alle seine Formen den Bedürfnissen der Zeit angemessen zu verfeinern und zu gesittigrn, so kann eS doch seine wesentlichen Institutionen nicht ausgeben, weil mir ihnen auch seine Wesenheit sich verfiüchligen würde. (Schluß folgt.) Anzeiger. Zn demselben werden Annoncen aller Art! Gr. Gebühre« für die gespaltene Zelle aus Petit-Schrift oder deren Raum ausgenommen. Die B«rla gshandlrrng. Stelle-Gesuch. Ein Mann, der schon eine öffentliche Lehrstelle bekleidet hat, gegenwärtig in Ober-Italien fungirt, mit rabbinischer Approbation versehen ist, wünscht bei einer deutschen Gemeinde eine Stelle als Lehrer und Prediger, Näheres in der Redaction dieser Zeitung unter Chiffre M. M. neuestes Werk, ron BenUsiel! Unter allen neuern Schriften fiir Juden, hat das nachstehende Werk, welches nunmehr ganz vollständig erschienen ist, die grösste Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Der Titel ist; Versuche über Jissroels Pflichten in der Zerstreuung, zunächst für Jissroels denkende Jünglinge und Jungfrauen^ von Samson llaphael Mirsch3 Grossherzogl. Oldenburg, Land-Rabbiner Kein Israelit versäume dies hochwichtige Werk kennen zu lernen, der Verfasser hat durch die 19 Briefe sich die Achtung aller Partheien erworben, die durch das vorstehende merkwürdige Buch n och um vieles gesteigert werden wird. In siiinmtlichen Buchhandlungen Deutschlands, Oestreicbs, Polens, Ungarns u. s. w. sind Hirsch Versuche für o^Thlr. zu haben. So eben ist erschienen: *527 -w jo-'p im-i rvnbm ima bnnman ta I «.-ns p"pi n"-n fa"« oder: Biographie des hochseligen Herrn 21kl ba Eger, Oberrabbinen in Posen, lkebsk einem Trau erg e dicht auf sein Hinscheidm, von S. I. Laempf. Diese für alle Verehrer des hohen Hingeschiedenen höchst interessante Schrift liefert in gedrängter, aber faßlicher Sprache die guS authentischen Quellen geschöpften Nachrichten über das Lebe« und Wirken dieses großen Mannes Israels und ist für 10 ggr. in feinem Schreib- und billiger in gutem Druckpapier bei Herrn Aaron Jacob Kaempf in Liffa, Herzogth. Posen, und Herrn Earl Brandes in Salzuffeln zu beziehen. — Redacreur: Dr. L. Philippfon. — Verlag von Baumgärtners Buchhandlung. — Druck von I. B. HirfchfelK (Hierzu das literar. und Homilet. Beiblatt No. 26.)