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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-09-15 · Heft 111 (15.9.1838) · p. Seite 449

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 111 (15.9.1838)
Date
1838-09-15
Page
Seite 449 (sequence 3)
Language
German
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449 herkömmlich, so ist auch kein Recht vorhanden, sie jetzt einzuführcn. Mein die gegenwärtige Frage muß noch von einem höheren Gesichtspunkte aufgcftrßt werden, wenn sie vollständig gelöst werden soll, und hiezu verschafft MaLmonides HLlch. Sanhedrin, Abschn. 2. den Schlüssel. Es heißt nämlich daselbst: kV« firrap2 p2 nrin^2 p2 •phntt502 pdr ^2, imnn n22H2 d^Vsua, tr»2fi trtösa msoD1-) p^2, m?:dn ‘WM n£p öwv» N2122 *J 12b D^VP *n2 ^R2 ÄÄTO etc. etc. p2'2M JÜDIN „Zu Mitglied ern des großen, wie des kleinen Sanhedrin, dürfen nur gelehrte und verständige Männer bestellt werden, die ausgezeichnet sind in der Kenntniß des Gesetzes, Männer von umfassender Gelehrsamkeit und einigermaßen bekannt auch mit den übrigen Wissenschaften, als Medicin, Rechenkunst u. dergl.; damit sie in denselben richten können. Also den Maaßstab für die geistige Befähigung zu einem Amte giebt, wie schon die gesunde Vernunft lehrt, der Wirkungskreis desselben an die Hand. Welche Kenntnisse und Fertigkeiten dieser erfordert, muß der Anzustellende besitzen, und bei .den Mitgliedern des Sanhedrin durfte nicht einmal die Kenntniß der Medicin, der Astronomie, und selbst der Mythologie (7"^ ^2Dk) vermißt werden, weil ihr Wirkungskreis solches nothwendig machte: Dieses führt uns zu folgender Erwägung: Es war eine Zeit, wo das Licht der Wissenschaften in Israel noch nicht leuchtete, wo man fremd blieb aller Industrie, aller Kunst, allem Wissen, das über den beschränkten Kreis des Ritualgesetzes hinaus lag. Dieses allein, seine Forschung, seine Kenntniß, seine Uebung, war die Lebensaufgabe für Allez in ihm concentrirte sich alles Denken, alles Fühlen, alles Wirken. Da hatte denn auch der Religions-Vorsteher, der Rabbine keine andere Aufgabe, als das Ritualgesetz zu lehren, über die Befolgung desselben zu wachen, und zweifelhafte Fälle (mVNTB) zu entscheiden. Und je gelehrter und treffender er entschied, je strenger er über das Ritualgesetz wachte, und je scharfsinniger und gewandter er über dasselbe predigte und discutirte, desto größer war sein Ruhm, desto höher stieg seine Würde, sein Ansehen. Das hat sich aber geändert! Das Studium der Wissenschaften rief auch in Israel eine höhere Lebensansicht hervor! Man erkannte bald, daß das einseitige Forschen und Leben im Rituatgesetze allein der wahren Lebensaufgabe nicht genüge, daß diese vielmehr ein reges Streben nach allem Großen, Guten und Schönen, eine lebendige Theilnahme an allen menschlichen Bestrebungen in Wissenschaft, Kunst und Industrie, und ein recht inniges Anschließen an die Fortschritte, welche die europäische Gesittung hierin gemacht, fordere. Man sah ein, daß nur im treuen Bunde mit der Wissenschaft die hohen Wahrheiten der Religion richtig erfaßt werden können, daß Formen und Gebräuche nur ihre Außenseite, ihre Hülle bildeten, ihr wahres Wesen, ihr eigentlicher Inhalt aber, in ihren göttlichen Wahrheiten und dem rein-sittlich- und menschlichwürdigen Leben, welches sie fordert, bestehe, und daß darum dieser ihr Inhalt, das Eigenthum Aller werden müsse, der Gelehrten wie der Ungelehrten, der Männer wie der Frauen, der Söhne wie der Töchter in Israel. (Schluß folgt.) Correspondenzen, Auszüge, Repliken. Paris, 10. August. I^etti'68 Zarfatiques, Der Herr Z a rfati ist ein hitziger Kopf. Ueberzeugt von der Wahrheit, von dem Rechte seiner Ansichten, will er "Nichts neben sich gelten lassen. Än Frankreich, und auf dieses Frankreich sich stets berufend, vergißt er, daß sich dort Niemand in seiner religiösen Ansicht zwingen zu lassen braucht. Widerspruch erbittert ihn. Aber man muß auch gestehen, daß er nirgends in Frankreich begründeten Widerspruch gefunden, und das ist ein schlechtes Zeugniß für die geringe Zahl tüchtiger Köpfe unter den französischen Israeliten. Die beiden Briefe, der 8te und 9te, über die ich noch zu berichten habe, sind in diesem Geiste geschrieben. Die Forderungen, die er in den ersten Briefen ruhig und motivirend gestellt, werden jetzt mit dem höchsten Ungestüm ausgesprochen, Bitterkeit, Ironie, Skandal, Personalitäten, Alles das dient ihm. Er denkt nicht mehr an seinen französischen Gottesdienst am Sonntage, er verlangt die Verlegung des Sabbats aus den Sonntag, die Gebete in nur französischer Sprache, Predigt, Orgel, die anderweitigen Momente des kirchlichen Judenthums läßt er ganz fallen, und sein Stillschweigen darüber bezeugt, daß er sie übergehen wollte. Sie werden fragen, welche ist denn eigentlich seine Ansicht über das Judenthum'! Er sagt darüber: „Wir sind und sollen immer sein die Aufbewahrer (depositaires) des Dogma der reinen Einigkeit Gottes?' — Der achte Brief (vom September 1836) ist ein Gespräch „über die Religion der Reichen im 19. Jahrhunderte" zwischen einem Reichen und einem andern Israeliten lentte uu Riehe et \m autre Israelite). Mir der schärfsten Geißel der Satyre haut er hier unbarmherzig auf jene große Zahl jüdischer Reichen los, wie sie jetzt überall zu finden, deren Judenthum in Nichts weiter besteht, als am Jom Kippur eine Stunde in die Synagoge zu gehen, und ihre Kinder beschneiden zu lassen, die vom Wesen des JudenthumS keinen Begriff haben, und die Form nicht beachten, und dabei unaufhörlich prätendiren, die indischen Angelegenheiten zu leiten, als Parnassim, Schulvorsteher, Consistorial-Ratbe an der Spitze der Judenheit zu stehen, um — gesehen zu. werden. Nachstdem betritt seine Ironie wieder die französischen Consistorien. „Habe Geld, sagt er, und Du kommst unter die Notabeln, Gold,

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