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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-12-04 · Heft 49 (4.12.1877) · p. Seite 776

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 49 (4.12.1877)
Date
1877-12-04
Page
Seite 776 (sequence 4)
Language
German
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776 Literarischer Wochenbericht. Frankfurt am Main, im November. Geschichte der Attributenlehre in der jüdischen Religionsphilosophie des Mittelalters von Saadja bis Maimuni von Dr. David Kaufmann. Gotha, F. A. Perthes, 1877. Es muß einem Jeden unbenommen bleiben, das, was er an Wissen sich angeeignet hat, zu Papier zu bringen, und das, was er niedergeschrieben hat, durch den Druck zu veröffentlichen. Andrerseits wird aber die Kritik, so sie ihr eigenes Amt nicht verleugnen will, sich das Recht heraosnehmen müssen, darüber zu entscheiden, ob durch ein literarisches Product, das so zu Markte getragen wird, der Wissenschaft, der angeblich die schriftstellerische Thatigkeit, durch die es zu Tage gefördert wurde, gelten soll, eine nennenswerthe Bereicherung erwachsen, oder ob die Literatur, die ja ohnehin schon bis in's Unerträgliche überladen ist, durch dasselbe nur noch mehr mit unnützem Ballaste beschwert worden ist. Mit diesem Maßstabe, der angesichts dessen in unseren Tagen zunächst an jedes literarische Erzeugniß, das in die Welt hinausgesendet wird, anzulegen wäre, haben wir an vorliegendes Werk heranzutreten um so mehr uns versucht gefühlt, als uns von Vornherein der Umfang desselben zu dem dem darin behandelten Thema in keinem Verhältnisse zu stehen schien, und es bereits Mode geworden ist, winzige Forschungsresultate mit einer vielschichtigen papiernen Emballage zu umwickeln, damit sie dadurch für das Auge recht ansehnlich erscheinen. Was wir in diesem Werke seinem Titel nach zu finden erwartet hatten, das war eine auf Erforschung der Quellen ruhende, systematische und wohl überschaubare Darstellung der Entwickelung, welche die Lehre von den göttlichen Eigenschaften in der ersten Hälfte der jüdisch-arabischen Periode unter dem Einflüsse der damals herrschend gewesenen philosophischen Systeme angenommen hat, eingeleitet durch einen kurzen Rückblick auf die frühere Geschichte derselben, da doch die vergeistigte jüd. Gottesidee wahrlich nicht auf einmal bei Saadja wie einst Frau Pallas Athene aus dem Kopfe Jupiters hervorgestiegen ist. Wir erinnern nur an die Hellenisten, unter denen besonders Aristobul sich, mit der Beseitigung der Anthropomorphismen viel zu thun machte, an das in den haggadischen Schriften so oft gebrauchte und Aehnliches. Wir wollen indeß dem Verfasser weiter keinen Borwurf daraus machen, daß er mit der Thüre in's Haus fällt und mit der Attributenlehre Saadja's beginnt, ohne von früheren Versuchen, die göttlichen Eigenschaften in vergeistigtem Sinne aufzufaffen, etwas zu erwähnen oder auch nur über den allgemeinen Charakter der Saadja'schen Religionsphilosophie, von der ja seine Theologie nur einen Theil bildet, welcher aber mit dem. Ganzen in gedanklichem Zusammenhänge steht, ein Wort zu verlieren. Es soll nur das, was in dem Werke selbst geboten wird, hier in die rechte Beleuchtung gerückt werden. Herr Kaufmann hat in den religionS-philosophischen Werken Emunot we-Deot, Likute Mekor Chajim, Kusari, Emuna rama, Olam Katon und Moreh Nebochim die Capitel, die die Lehre von den Eigenschaften Gottes zum Inhalte haben, gelesen, sich dieselben verdeutscht, wofür ja die fast von allen vorhandenen Uebersetzungen ein vortreffliches Hülfsmittel boten. Einzelnes, das in denselben knapp ausgedrückt ist, weiter auseinander gelegt; und diese Auszüge und paraphrastischen Bearbeitungen, versetzt mit einigen eigenen Reflexionen, welche aber für das Verständniß des in den Quellenwerken Borgerrageuen ziemlich entbehrlich sind, das macht im Großen und Ganzen die „Geschichte der Attributenlehre" auS, welche wir hier zu lesen bekommen. Das ganze Rohmaterial, das nicht einmal erst mühsam zusammengetragen werden mußte, weil es ja in den allgemein zugänglichen Quellenwerken so ziemlich an einem Orte gesammelt ist, wird zunächst, so wie es ist, gegeben, allerdings pvlirt und mit dickem Firniß überstrichen. Was wir in diesem Werke anzuerkennen haben, wollen wir darum keineswegs verschweigen. Der Verfasser hat dadurch, daß er für die betreffenden Stücke im Kusari das arabische Original und für den Theil im Olam katon, den er hier in's Deutsche übertrug, die Texte dreier Handschriften zur Vergleichung heranzog, manche Einzelnheiten berichtigt und ferner für die Gedanken der jüdischen Religionsphilosophen Nachweise, Belege und Parallelen aus Schahrastani's Religionschulen und Philosophensecten (übers, v. Haarbrücker, Halle, 185V), den Abhandlungen der lauteren Brüder (soweit sie von Dieterici übersetzt find) und einigen anderen Stücken der arabischen Literatur beigebracht, die theilweise belehrend und zutreffend sind, und theilweife wiederum nicht. Wie kömmt aber der Leser dazu, wegen einiger richtigen Bemerkungen, die, wenn man sich mit verständlichen Hinweisen begnügt, anstatt langer Auszüge zu geben, ganz gut in einer mäßig großen wissenschaftlichen Abhandlung untergebracht werden können, die ganze Stoffmaffe in den Kauf nehmen zu müssen, die er bereits besitzt, und wo nicht, mit der größten Leichttgkeit aus erster Hand habe» kann? Diesem wäre weit mehr damit gedient gewesen, wenn der Verfasser sich da, wo er sich der größtmöglichsten Breite befleißigt, eine weise Beschränkung auferlegt, dafür aber zerstreute und feruerliegende Aeußeruugen, die in der von ihm in Bettacht genommenen Periode über die Eigenschaften Gottes verlauteten, in einem vielgefügten Ganzen zusammengefaßt hätte. Wir verweisen hier z. B. auf die Auseinandersetzung des Sprachforschers Jehuda b. Koreisch in seinem Sendschreiben (Ed. Barges in Goldberg, 1857, S. 32—39) und auf die einschlägigeu Stellen in den Schriften Jbn Esra's. An ein Specialwerk über die Atttibutenlehre in der Zeit von Saadja bis Maimuni darf man billig den Anspruch stellen, daß es, wozu gar nicht viel gehört, feinen Gegenstand erschöpfe und Alles, was die damalige Literatur darüber bietet, in sich aufuehme. Der Verfasser hatte kein Recht, sich von der Behandlung Jbn Esra's nach dieser Richtung hin mit dem Scheingrunde zu dispensiren, daß „ein mosaikartiges Bild seiner Aeußeruugen

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