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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-11-27 · Heft 48 (27.11.1877) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 48 (27.11.1877)
Date
1877-11-27
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeilun -es Iudenlhums. Ein unparteiisches Organ für alles Wische Interesse. Herausgegebeu von Rabbiner Dr. Ludwig Philipps-» in Bonn. Verlag von Baumgärtuer^s BachhaaLlmtg in Leipzig. Beilagen werden mit 1 Marl 50 Pf. pro Hnndert berechnet. Dies« Zeitung erscheint wöchentlich, einmal in 2 viS 2'/i Bogen. PrerS Bierteljährig »Mark. Inserate werde» mir 2u Pf. für die Petitzeile over deren ' J ■ Alle Buchhandlungen, und Zeitung 0a redactiouevea Slaaelegraheirea wende mm sich an Dr. i Ptzilippsoa in Bona; biastchtlich der Inserate an «. Masse in Leipzig und dessen Fllialen in Berlin, BreSlaarc. Inserate, welche biS vonnerftag eiagehea. finden in der Laranffolgendea Nummer Berücksichtigung. 41. Jahrgang. Leipzig, den 27. November 1877. JVf 48. Inhalt. Leitende Artikel: Die Flüchtlinge von Kasanlik und die Wiener israelitische Allianz. — Der jüdische Religionsunterricht in den preußischen Schulen. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Bonn, Alls dem Elsaß. — Oesterreich-Ungarn: Pest. — Belgien: Brüssel. — Holland: Rotterdam. — Türk ei: Konstantinopel, Candia. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Das neue israelitische Tan-stummen-Jnstitut. — Vermischtes. — Nachtrag: Pest. <£elteMx)& (3CxhkeL Bonn, 21. November. Die Flüchtlinge von Kasanlik und die Wiener israelitische Allianz. Wir erhalten soeben einen Separalabdrnck eines Berichtes unter obigem Titel aus Nr. 45 der „Neuzeit, und geben denselben an dieser Stelle wieder, weil der ganze Vorgang eine erhebende geschichtliche Erscheinung ist, und weil die hochverdiente Wiener Allianz keine besonderen Bulletins, wie die gleichen Vereine zu Paris und London ausgiebt. Der Bericht lautet: Wir sind in der Lage, Ihnen eine Darstellung des bedeutsamen Humanitätswerkes zu geben, welches soeben zu Gunsten der unglücklichen, von den Greueln des barbarischen Krieges so hart betroffenen Glaubensgenossen geübt worden ist, und das in allen jüdischen Herzen die wärmste Anerkennung finden wird. Es war kurz vor dem Bersöhnungstage, als die Gerüchte von den entsetzlichen Greuelthaten, die von den Bulgaren in Kasanlik verübt worden waren, durch die einlaufenden authentischen Nachrichten noch bei weitem überboten wurden. Da trafen in Bukarest 337 Flüchtlinge ein, Männer, Frauen und Kinder, die dem verschiedensten Lebensalter augehörten, und die dem furchtbaren Gemetzel nur mit dem nackten Leben entronnen waren, unter den namenlosesten Mühsalen, Entbehrungen und Gefahren den Balkan, den Kriegsschauplatz durchwanderten, die Donau überschritten, um, der unentbehrlichsten Lebensmittel bar, mit zerlumpten Gewändern, sogar von den Kosaken bemitleidet, einen Zufluchtsort für den Augenblick zu finden. Die vielen mißhandelten Männer, Frauen und Kinder, letztere zum großen Theil verwaist oder den anderswohin geflüchteten Eltern entrückt, boten einen herzzerreißenden Anblick, der beredter sprach als irgend ein Aufruf. Sofort bildete sich in Bukarest ein Counts, welches die Sorge für die Unterbringung, Verpflegung und Bekleidung der meist kranken und verzweifelten Flüchtlinge unternahm. Eine sofort eingeleitete Sammlung hatte recht bedeutende Ergebnisse, da die Betheiligung seitens der Glaubensgenossen eine ausnahmslose und eifrige war, und so konnte das Comits einige Wochen hindurch die Bedürfnisse einer so großen Zahl von Flüchtlingen bestreiten und noch Erkleckliches für deren weiteres Fortkommen thrm. Denn einem dauernden Verbleiben in Rumänien widersetzten sich Verhältnisse der zwingendsten Art. Doch wie hätte man bei aller Opferwilligkeit der Glaubensgenossen in Rumänien die immensen Summen aufzutreiben vermocht, welche die Rückbeförderung einer solchen Menschenzahl erforderte? In dieser Situation sah sich das Comits in Bukarest veranlaßt, die israelitische Allianz zu Wien, die ja bisher für Rumänien so viel geleistet, um ihren Beistand anzugehen. Dieser Verein hatte, dem Bedürfnisse der Zeit Rechnung tragend, schon am 5. September den Beschluß gefaßt, den von den Leiden des Krieges so schwer Getroffenen nach Möglichkeit Hülfe zu leisten. Ohne einen Appell in die Oeffentlichkeit gelangen zu lassen, gelang es dem Vorstande der Allianz durch vertrauliche Inanspruchnahme der hiesigen, stets hochherzigen und opferfreudigen jüd. Kreise, — der Prediger Herr Dr. Jellinek hatte durch sein zündendes Wort alle Herzen empfänglich gemacht, — sowie durch die reichliche

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