Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 47 (20.11.1877)
- Date
- 1877-11-20
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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"Allgemeine Zeilun -es Hudenlhums. Ein unparteiisches Organ für alles Wische Interesse. einmal in 2 ti8 21/. Bogen. Preis Bierrei,ädrig 3 Mark. Inserate werden mit 2« Pf. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. All« Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs » Expeditionen nehmen Bestellungen an. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson m Bonn. Verlag von Baumgärtuer's Buchhandlung in Leipzig. ~! In «dactionellea tocnbe man stch an D Bonn; binfichtlich der Inserate an «. Stoffe in Leipzig und dcfl-.u Filialen in Berlin, Breslaurc. Inserale. welche bid voaaerstag cingehe». finden ra der darauffolgenden Nummer Berücksichtigung. Beilagen werden nrit 1 Mark 50 Pf. pro Hundert berechnet. 41. Jahrgang. Leipzig, den 20. November 1877. «M* 47. Zuhalt. Leitende Artikel: Die Unsterblichkeitslehre. IN. — Ein Zusatz;u Virchow's Rede. — Literarischer Wochenbericht: Aachen. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Elbing, Kassel, Fürth, Marburg (Westph.), Bonn. — Oesterreich-unrn: Wien. — Belgien: Brüssel. — Großb ritan nien: London. — Türkei: Wien. — Rumänien: Bukarest. — Mittelasien (Tartar ei): Konstantinopel. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Rabbi Ben-Ephraim's Schatz. — Nachtrag: Berlin. «Geltende (SCthJlefw Bonn, 14. November. Die Unsterblichkeilslehre. III. Durch die bedeutenden Fortschritte der Sprachwissenschaft in der neuesten Zeit sind uns für die Kenntniß des geistigen wie des äußeren Lebens der alten Völker neue reiche Quellen erschlossen worden. Wir vermögen jetzt die Vorstellungen der Egypter, Inder, Perser und Aflyrer — letztere allerdings in noch nicht zweifelloser Weise — ganz anders zu erkennen und zu beurtheilen als früher, wo wir zu größerem Theile auf die mangelhaften und gefälschten Berichte der griechischen und römischen Schriftsteller beschränkt waren. Aus diesem Boden erwuchs auch die vergleichende Religionswissenschaft, da Religion und Sittlichkeit neben Politik und Kunst die Hauptmomente alles geschichtlichen Lebens und besonders jener allen Völker, bei denen Wissenschaft nur in den ersten Keimen vorhanden war, ausmachen. Hierzu rief auch die vergleichende Methode der Sprachwissenschaft auf, und schließlich machte die Zeitströmung auch die vergleichende Religionswissenschaft zum Bedürfniß, theils weil durch jene die verschiedenen Anschauungen mehr Gleichberechtigung erhielten, als sie früher genossen, theils weil der gegenseitige Kampf die geschichtliche Begründung forderte. Der Gewinn, der aus dieser wissenschaftlichen Vergleichung der religiösen, sittlichen und philosophischen Anschauungen hervorgeht, und bei weiterer Fortführung immer mehr hrrvorgehen wird, besteht hauptsächlich in zwei Momenten: in der Erkenntniß des Entwickelungsganges, den die Menschheit hierin, wenn auch nicht in gerader Linie, vollbringt, sowie in der Würdigung jeder einzelnen geschichtlichen Erscheinung, der man ihren Antheil zu geben und gerecht zu werden, genöthigt ist. Freilich kommt es hierbei sowohl auf die Unparteilichkeit an, mit welcher der Forscher zu Werke geht, als auf die gründliche und umfängliche Kenntniß des ungeheuren Materials, bei welchem sich nothwendiger Weise der Darsteller sehr oft auf die Mittelglieder angewiesen sehen wird, da Niemandem die Sprachkenntniß für alle Quellen möglich ist. Von jüdischer Seite — abgesehen von der Behandlung specieller Gegenstände — wurde der Anfang zu umfassender Religionsvergleichung im zweiten Theile unserer „Weltbewegenden Fragen" gemacht, und wir hoffen, daß das gegebene Beispiel weitere Nachahmung erhalten werde. Denn bei dem geringen Wohlwollen, dessen sich das Judenthum zu erstellen hat, und da am öftesten es gerade christliche Theologen sind, welche die vergleichende Forschung unternehmen, drangt sich uns noch besonders das Bedürfniß ans, für die vergleichende Religionswissenschaft thätig zu sein, und die Werke sorgfältig in's Auge zu fassen, welche auf diesem Gebiete erscheinen. Für die Unsterblichkeilslehre, über welche schon ganze Bibliotheken geschrieben sind, hat den Weg der vergleichenden Darstellung neuerdings beschritten: „Entwickelungsgeschichte der Vorstellungen vom Zustande nach dem Tode auf Grund vergleichender Religionsforschung dargestellt von Edmund Spieß" (Jena, Costenobel, 1877. S. XIV und 612). Der Autor behandelt im ersten Capitel die Vorstellungen vom Wesen und Urfprunglder Seele, im zweiten die verschiedenen Theorien über Bestimmung und Schicksal der Seele. Nachdem er im dritten