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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-11-06 · Heft 45 (6.11.1877) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 45 (6.11.1877)
Date
1877-11-06
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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"Allgemeine Zeitung des Judenlhums. Cm Mpartmsches Organ für alles Wische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig WLippson m Bonn. Verlag von Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig. Beilagen werden mit 1 Mark 50 Pf. pro Hundert ber 41. Jahrgang. Leipzig, den 6. November 1877. Inhalt. Leitende Artikel: Die Uusterblichkeitslebre. II. — Literarischer Wochenbericht: Brünn. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Kreuzburg (Oberschlesien), CLln, Frankfurt am Main- — Oesterreich-Ungarn: Lemberg, Wien. — Schweiz: Aus der Schweiz. — Belgien: Brüssel. — Spanien: Madrid. — Türkei: Bon der Donan. — Rußland: Riga — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Uebersicht der gesammten Schriften des vr. Ludwig Philippson. (Schluß). — Vermischtes. einmal in 2 over deren mit 2V Pj In ttdactionellen Anaelegenhenen wende man sich an vr. £. JJDtlipvfon in Bonn; hinfichUich der Inserate an R. Moste in Leipzig und dessen Filialen in Berlin, BreSlanrc. Inserat», welche bis vonnrrsta? eingehen. finden rn der darauffolgenden Nummer Berücksichtigung. JVf 45. £eiletide> GLxhkeL Bonn, 31. Oktober. Die Anfterblichkeilslehre. Moses fand also zwei Traditionen im Bolksbewußlsein des israelitischen Stammes vor: den überlieferten Glauben an den allmächtigen Schöpfer der Welt, national gefärbt, weil eben tradirt, und den Unsterblichkeilsglauben, der wohl in Egypten eine 1) Wir haben im ersten Artikel die Belegstellen nicht angeführt, theils weil sie Jedermann unschwer finden kann, theils weil wir aus unsere Abhandlung „über die Unsterblichkeitslehre im Judenthume" im zweiten Bande unsrer Religionslehre verwiesen, wo alle Stellen angeführt und besprochen sind, und wir uns nicht wiederholen wollten. Anders ist es um den Unsterblichkeitsglauben der Egypter, den wir hier in Betracht zogen. Wir führten darüber in der ged. Abhandlung die Anslasiungen Duncker's an. Diese möchten jetzt nicht mehr genügen, und wir ziehen daher die Darstellung des Prof. Ebers in „Egypten" von K. Badeker B. I, S. 15:; hier an: „Die Grundzüge des Unsterblichkeitsglaubens, der sich allerdings nicht zu jeder Zeit und an allen Orten gleichgeblieben ist, find in Kürze diese. Das menschliche Individuum bestand nach dem egyptischen Glauben aus drei für sich bestehenden, aber wahrend der Zeit des Lebens eng verbundenen Theilcn 1» dem Körper, der dem Stoff der Materie zugehörte, 2s dem Schemen oder der Gestalt, in der die Seele wohnte, welche der Unterwelt angehörte und zu ihr zurückkehrte, und 2) dem Chu. einem Ausflusse der göttlichen Intelligenz. Jeder dieser Theile konnte sich von dem anderen rrenuen, war aber, so viele Umwandlungen er auch zu erfahren hatte, an Qualität und Quantität unveränderlich und ewig bestehend. Wie der Sonnengott immer gleich und doch zu jeder Stunde ein anderer, erst Horns, dann Ra, daun Tum, dann Chnnm genannt wurde, so die Seele mit der sie erfüllenden, leuchtenden Intelligenz, der für sie, Gestaltung erlangt hatte. Moses richtete nun feine ganze Energie auf den Gottesglaube», während er den Glauben an die Fortdauer der Seele, an das Gericht und die Vergeltung im Jenseits mit Stillschweigen überging. Dies ist es, was wir uns erklären wollen. Die ganze Kraft seiner Gottbegeisterten Seele, das ganze Ziel feiner Lehre, die vollste Autorität des Gesetzes, das in diesem Punkte uuerbittlich fern sollte 2), die gesammte Volksbildung, die er zu bewirken suchte, fanden ihren Mittelpunkt in der Lehre vom einzigen, unkörperlichen, gestaltlos anzubetenden Gotte. Nichts gleicht dem Feuereifer, welchen der sonst so ruhige, besonnene Gesetzgeber bethättgt, so oft diese Gotteslehre durch Götzensobald ihr die Tbore der Gruft geöffnet worden sind, sprich: und handelt. Von den Thoren der Unterwelt an warten mannigfaltige Prüflingen der Seele. Reißende Thiere sind zu besiegen, Dämonen zu bewältigen, Schlösser zn sprengen, und das Alles mit Hülse von Sprüchen, Hymnen und Amuleten, die der Mumie ans PapvruSblättern, als Scarabaen, Ut'aaugen:c. beigegeben worden. Endlich gelangt sie zur Halle der doppelten Gerechtigkeit, woselbst das Herz in seiner Base ans die eine Schale, die Göttin der Wahrheit auf die andere gestellt wird. Horns und ein Hnndsaffe leiten die Wägung. Anubis bewacht sie, Toth verzeichnet das Resultat, Osiris mit 42 Beisitzern spricht den Spruch. Wird das Her; zu leicht befunden, so warten der Seele höllische Strafen, oder sie wird verdammt in Thierleibern fortzuleben, um nach einer bestimmten Zeitperiode in ihren alten Körper zurückgckehrt ein neues Leben zu beginnen, und sich nach dessen Abschluß abermals ihren Richtern darzustellen. Wird das Herz schwer genug befunden, so giebt es Osiris der Seele zurück, der Schemen darf zur Mumie zurückkehren und die Intelligenz nach einer Reinigungszeit im Gefilde der Seligen sich zu der Gottheit gesellen, der sie entstammt und als Horns, Osiris :c. in der Sonnenbarke den Himmel befahren, oder in allen Gestalten, die sie wünscht, von neuem unter den Lebenden wandeln. Schemen und Intelligenz suchen dann den sich neu belebenden Leichnam auf, der durch die Mnmisirung und gute Verwahrung wohl erhalten, der aus dem Amenthes oder der Reise durch die Leiber der Thiere heimkehrenden Seele harrt." 2) 5 Mos. 13, 2 rc. 17, 2 :c.

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