Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-10-23 · Heft 43 (23.10.1877) · p. Seite 679

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 43 (23.10.1877)
Date
1877-10-23
Page
Seite 679 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3227123-3227167--35742-3305732
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions (1 not found in this text)

679 nannte Stadt von ungewöhnlicher commerzicller und socialer Bedeutung, nahm aber mit dem Sinken des Ortes ab und verschwand endlich gänzlich, so daß ihre Synagoge und ihr Friedhof geschlossen sind, für deren Erhaltung jedoch Juda Touro, dessen Vater der letzte Geistliche der Gemeinde gewesen, ein Legat hinterlasien. Nicht bloS Longfellow, sondern auch eine jüd. Dichterin, Emma Lazarus, hat dem vereinsamten Friedhofe und der geschloffenen Synagoge sehr zartgefühlte Gedichte gewidmet. Viele Mitglieder dieser Gemeinde zeichnen sich gegenwärtig in der Gemeinde Shearith Israel aus, darunter auch der bekannte Generalconsul Peixotto. Aus ihr gingen auch einige gute Osficiere im letzten Bürgerkriege hervor und die Damen derselben erwarben sich große Anerkennung durch ihre Fürsorge für die Verwundeten. „Zur Zeit, als die New-Port und New-Ajork Gemeinden anfingen an Bedeutung zuzunehmen, war die Stellung der Juden in den amerikanischen Colonien eine höchst günstige. Die Vertreter der Race waren Männer von Bildung und brachten aus den Plätzen ihrer jüngsten Verfolgungen viele elegante und verfeinerte Sitten und Gewohnheiten mit, welche bei ihren auswärtigen Brüdern erloschen waren. In Folge davon nahmen sie bald eine hervorragende Stellung in der Gesellschaft der Cvlonie ein, und unter der etwas barbarischen Civilisation jener Tage leuchten sie in orientalischer Verfeinerung hervor, die an die schönen Tage erinnerten, als sie Prinzen in Flandern bcwirtheten und Königen unter iberischem Himmel Dienste leisteten. Doch genoffen sie zum ersten Mal wirklich die wahren Freuden der Freiheit. Selbst als ihre Stellung in Europa die beste und schönste gewesen, war dies nur eine Freiheit der Geduldeten; die Freiheit, die man einem Lieblingshunde gewährt; die Vertraulichkeit, mit der man einen Kammerdiener mit Du anrcdet, gleich einem Freunde, aber aus sehr verschiedenem Grunde." — Im Jahre 1733 befanden sich in Savannah genug Juden, um eine Gemeinde zu bilden. Einige ihrer Mitglieder nahmen einen thätigen Antheil an der jedesmaligen Regierung der Colonie. Die nächste in chronologischer Ordnung war die Gemeinde Mikweh Israel in Philadelphia 1782. Die Mitglieder waren Spanier und Portugiesen, und ihre erste Synagoge in Cherry-Street besieht noch heute. „Im Jahre 1802 wurde ein deutscher Minhag in der Quaker Stadt organisirt und 1847 noch ein anderer und auch eine holländische Gemeinde. Eine polnische Gemeinde baute eine Synagoge, welche 1849 eingeweiht wurde und seitdem wurden von Zeit zu Zeit andere errichtet. Die Juden in Philadelphia bilden eine große und wohlhabende Gemeinde. Die erste jüdische Gemeinde in Charleston, S. C., versammelte sich im Jahre 1791, obgleich die dort wohnenden Hebräer schon 1737 einen besonderen Friedhof besaßen. Die zweite Synagoge wurde 1843 gegründet. Die Namen mehrerer Charlestoner Juden erscheinen in den Reihen der Freiheitskämpfer. Mehrere von ihnen fochten in der Pnlaski Legion, und ihr Geld wie ihr Blut floß reichlich in dem Freiheitskampf der Nation, welche die erste gewesen, die ihnen die Hand der Freundschaft gereicht hatte. Die jüdische Gesellschaft in CharleSton stand schon in ihrer Kindheit den Gemeinden im Norden ebenbürtig zur Seile. Schon im Jahre 1750 wurde die erste Wohlthätigkeitsanstalt von den dort wohnenden Juden gegründet. Die „llelwerv llenevoleot Institution of Charleston“ wurde 1791 organisirt; eine andere folgte im Jahre 1795 und ein jüdischer Verein zur Unterstützung von Waisen und armen Kindern wurde 1801 gegründet. Die erste hebräische Sonntagsschule in Charleßton wurde 1839 eröffnet. 1791 kam in Richmond, Va., eine portugiesische Gemeinde zusammen und 1841 organisirte sich noch eine. 1819 entstand eine polnische Gemeinde, die in Cincinnati ihren Gottesdienst hatte, welcher 1840, 1848, 1850 andere Gemeinden deutscher und polnischer Israeliten folgten. 1849 wurde eine Schule für Unterricht im Hebräischen, Deutschen und Englischen errichtet. Baltimore baute seine erste Synagoge im Jahre 1823; New - Orleans 1828. Sie hatten ein Gebäude zum Gottesdienst in der Herkiner Street, Albany, und 1842 wurde das erste Gebäude zu demselben Zwecke von den deutschen Juden in Boston errichtet. Cleveland, Ohio, hatte 1841 ein jüdisches Gotteshaus. Louisville, Ky, besaß schon 1836 eine jüdische Gemeinde, und Mobile 1844 eine solche, wahrend die in St. Louis seit 1842 steht. 1845 entstand eine Gemeinde in Wilkesbarre, Pa., 1846 in Augusta, Ga; Columbia, S. C.; Norfolk, Ba. u. Syracuse, N. 1847 entstanden die Gemeinden in Buffalo, Chicago, Hartford, Lancaster, Montgomery, Ala., und Nochester; 1849 in Fort Wayne, Newark und Pittsburg und 1849 in Wheeling, San Francisco und Danville. Von da ab war der Anwachs der Gemeinden ein schneller und jetzt entstehen in fast jeder Stadt des Landes Synagogen. Die Synagogen in den Vereinigten Staaten waren jedoch nicht die ersten ihrer Art auf der westlichen Halbkugel. Die Juden in Surinam, holländ. Guiana, bildeten 1664 eine Körperschaft, welche ihren Gottesdienst in einer Synagoge in „Jüdisch Savannah" abhielt, eine Tagesreise oberhalb Paramaribo's an dem Fluffe deffelben Namens, so wie man in jenen Tagen reiste. Zwei Mal im Jahre suchten sie diesen Platz zur Andacht gemeinschaftlich auf. In den Zwischenräumen dieser beiden Pilgerschaften hielten sie ihren Gottesdienst privat in der Stadt ab. Jamaica ist ein hervorragender Platz für Juden. Die erste Synagoge wurde dort 1750 in Kingston errichtet. Auf der Insel Curaoao ist eine portugiesische Synagoge schon seit beinah zwei Jahrhunderten. Jedoch in Barbado es erscheint der erste Bericht von allen. Die erste Niederlassung von Juden auf der Insel datirt seit 1628. Auf dem dortigen jüd. Friedhofe steht ein Grabstein, der das Datum 1658 tragt. Es giebt keine Berichte über die frühe Niederlassung der Juden in Canava vor der englischen Eroberung der Provinz. Samuel Jacobs, Simon Levy und Aaron Hart kamen 1760 in Canada an, in Begleitung von Jnfanteriedetachements unter dem Befehl 43*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.