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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-10-16 · Heft 42 (16.10.1877) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 42 (16.10.1877)
Date
1877-10-16
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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"Allgemeine Zeitung des Iudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles Mische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. Verlag von Baumgärtuer's Buchhandlung in Leipzig. Beilagen werden mit 1 Mark Sv Pf. pro Hundert berechnet. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. einmal in 2 diS 2'/? Bogen. Preis Biertelzähria S Mark. Inserate werden mit 20 Pf. für die Petilzcile over deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen. Postämter und Zcikmrgs - Expeditionen nehmen Bestellungen an. In redactionellen Angelegenheuen wende man sich an vr. t. Philippson in Bonn; dinfichtlich der Inserate an R. Masse in Leipzig und dcss.n Filialen in Berlin, BreSlau:c. Inserate, welche bis Donnerstag eingehen. finden in der dar» aufsolgeuden Rümmer Bernckjichtignug. 41. Jahrgang. Leipzig, den 16. October 1877. JSf 42. Inhalt. Leitende Artikel: Das Verhältniß de« Judenthums zu den alten Religionen. H. — Literaris chcr Wo chenb cricht: Bonn. — Zeitungsnachrichten: Deutfckland: Bonn, Alzey, Gondershausen, Aus Württemberg, Plcß O/S-, Osnabrück. Breslau. — Türkei: Adrianopel. Konstantinopel. — Rumänien: Bukarest. — Rußland: Warschau. — Bonn: Notizen. Literarische Notizen. — Feuilleton: Die feierliche Eröffnung der Landes-Rabbinen-Bildungs-Anstalt zu Pest am 4. Oetober. — Vermischtes. jCeiteiw)e (SLxüket. Bonn. 10. October. Das Verhältniß des Ändenthums zu den alten Religionen. II. Führen wir uns zuvörderst die Grundanschauungen des Judenthums vor die Erinnerung. Der Mosaismus stützte sich auf den im israelitischen Volksstamm überlieferten Begriff Gottes als des Schöpfers der Welt und aller in ihr vorhandenen Wesen. Daher beginnt die heil. Schrift die Geschichte der israelitischen Vorzeit mit der Aufstellung dieses Begriffes und der Darstellung der Schöpfung. Hiermit war also die Identität Gottes mit dem Wesen aller Dinge verneint; alle Erscheinungen der sichtbaren Welt waren als ein Ganzes, Geschaffenes, innerhalb desselben als vergänglich, werdend und vergehend, zusammengefaßt, die Wesenreihe in aufeinanderfolgender Entwickelung geworden, jede Gattung „in ihrer Art sehr gut". Gott in diesem seinem Schöpferacte war in seiner Allmacht, Allweisheit und Allgüte begriffen. Diese Erkenntniß wird auf Abraham zurückgeführt; aber in ihrem richtigen Änstincte leitet die Tradition sie noch höher, insonders zu Sem hinauf, während zugleich die heilige Schrift die Anbetung Gottes als Schöpfers zwar schon den ersten Geschlechtern der Menschheit zuertheilt, diese aber in den folgenden vor der Sintfluth trüben, verdunkeln, ausarten läßt. Immerhin nahm dieser Gottesbegriff alsbald, weil er eben Eigenthum des Stammes war, auch einen nationalen Charakter an, der uns aber hier nicht weiter zu beschäftigen braucht. Moses stand völlig auf diesem überlieferten Gottesbewußtsein, definirte nunmehr Gott als das „ewige, unveränderliche Sein l)“f welches in die geschaffenen Wesen das veränderliche, begrenzte Sein hineingelegl hat, und stellt den Gottesnamen mtv auf, der, wie man auch über deffen Formatton verschiedener Meinung ist, doch seinem Wortstamme nach nichts Anderes als das ewige unveränderliche Sein bedeutet. Um so mehr betonte Moses hiernach die Einheit Gottes, seine Allheiligkeit und seine Unkörperlichkeit. Es wurde als ein Verbrechen gestempelt, Gott als zwiefach, dreifach oder vielfach anzuerkennen und anzubeten, ebenso wie ihn in irgend einer Gestalt darznstellen, sei es auch nur symbolisch. Hiermit war der wirkliche Monotheismus in seiner Unbedingtheit und vollendeten Reinheit gegeben. Der Pantheismus war ebenso wie der Polytheismus verworfen und jeder anderartigen Vorstellung, jeder vermittelst der Einbildungskraft geschaffenen Gestaltung vorgebeugt. Die Welt („Himmel und Erde") war Eines, nämlich das Geschaffene; alle Wesen bei aller ihrer Verschiedenheit doch Eines in ihrer Vergänglichkeit in ihrem Geschaffensein, in ihrer Abhängigkeit von dem Willen Gottes, d. h. von der Art, wie er sie geschaffen und von der göttlichen Fügung, für welche auch die Naturgesetze in dem Geschick des einzelnen Wesens einen weiten Spielraum laffen. Gott ist der unendliche Geist, deffen Begriff geschävigt, wenn nicht geradezu umgestoßen wird, sobald er in einer begrenzenden .sichtbaren Gestalt oder verschieden im 1) 2 Mos. 3, 14. 6, 3.

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