Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 40 (2.10.1877)
- Date
- 1877-10-02
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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"Allgemeine Zeitung -es Iudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles Wische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 bis 2V2 Bogen. Preis Vierteljährig 3 Mark. Inserate werden mit 2» Pf. für die Petitzeile oder deren I Raum berechnet. Alle Buchhandlungen. I Postämter und ZeitungS <° Expeditionen > nehmen Bestellungen au. Herausgegeben vou Rabbiner vr. Ludwig Philippfon in Bonn. Verlag von Bamugärtner's Buchhandlung in Leipzig. In redactionellen Angelegenherren wende man fich an vr. <L JHtflippfon in Bon»; hinsichtlich der Inserate an 9t. Moste in Leipzig und dessen Filialen in Berlin, BreSlaurc. Inserate, welche bis vonnrrstag einaeheu. finden in der dar» anffolgenden Rümmer Berücksichtigung. Beilagen werden mit 1 Marl 50 Pf. pro Hnndert berechnet. 41. Jahrgang. Leipzig, beit 2. Octoter 1877. JV? 40. Inhalt. Leitende Artikel: Das BerhAtniß des Judenthums zn den alten Religionen. I. — Am zwölften September. (Schluß.) — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Breslau, Osterode (Ostpreußen). — Oesterreich-Ungarn: Wien, Pest. — Frankreich: Paris. — Afrika: Capstadt. — Feuilleton: Ueberficht der gesammten Schriften des vr. Ludwig Philippsou. (Fortsetzung). -Geltende (SCxJbJheh Bonn, den 26. September. Das Verhaltuiß des Äu-euthums zu den alteu Religionen. I. Seitdem das Judenthum aus den dunkeln Schallen der Ghetti herausgetreten, war es für dasselbe ein Bedürfniß, seine Stellung z» den übrigen Religionen erkennbar zu machen und mit dem Lichte der Forschung, deren BerhAtniß zu sich und das seinige zu ihnen zu beleuchten. Dies ist nun, was das Christenthum und den Islam betrifft, für die Wissenschaft wie für das Volksbewußtsein so weit geschehen, daß es eben nur der Weiterführung der Arbeit bedarf, wie dies auf allen Gebieten der Fall ist. Anders steht eS noch hinsichtlich der antiken Religionen. Für letztere, namentlich die indische, persische und egyptische Religionsanschauung, ist in den letzten Jahrzehnten überaus viel geschehen. Die Kenntniß der Monumente aller Art hat so große Fortschritte gemacht, daß die frühere Kunde von den Religioussystemen jener Völker nur As ein schwaches Licht gegen die vollstrahlende Sonne erscheint. Wie es aber immer zu geschehen pflegt, so hat alsbald eine Ueberschätzung des allgemeinen Werthes jener Erscheinungen aus der Vorzeit der Menschheit und zwar am meisten bei den Forschern selbst Platz gegriffen, und andererseits häufte sich das Material und mit diesem die Menge der EinzelgestAten so sehr, daß der Faden einheillichen Zusammenhanges innerhAb der letzteren annoch verloren, und das Berändmß des Ganzen äußerst erschwert ist. *) Hierzu kommt, daß;it längerer Zeit über den Ursprung und die Entwickelung der Religionen verschiedene Theorien aufgestellt, und mehr oder weniger herrschend wurden, von welchen aus das BerhAtniß der Religionen zu einander einseitig angeschaut wurde. Wir wollen hier nur jener zweiten Phase der Schelling'scheu Philosophie erwähnen, durch welche versucht ward, die christlichen Dogmen zu metaphysischen Ideen zu machen und diese in den alten Mythologien wieder zu finden, indem die letzteren ebenfalls zu gewissen Abstractionen verdünnt wurden. Der Versuch wurde von den Zeitgenossen zurückgewiesen, was diesen dadurch erleichtert wurde, daß Schelling seine Ansichten in einer fast mysteriösen, schwer verständlichen Sprache ausdrückte. Dahingegen wurde die Ansicht allgemeiner, daß alle Religionen von einer monotheistischen Anschauung ausgegangen, welche in den späteren Geschlechtern durch das Uebergewicht der Einbildungskraft zum vielgestAtigen Polytheismus, zur üppig wuchernden Mythologie entartete. In Folge dessen sollte der Monotheismus des JudenthumS keine isolirte Erscheinung, keine dem israelitischen Stamme eigeuthümliche sein; man fand ihn ja überall ursprünglich wieder; höchstens? gestand mau 1) Beginnt doch Prof. EberS seinen Aufsatz über die GLtterlehre der alten Egypter in Badeker's Egypten B. I., S. 135: „DieGrnndanschauungen der egyptischen Götterlehre sicher zn ersaßen und zur Anschauung zu bringen, wird besonders erschwert durch zwei Umstande : einmal durch die symbolische und mysteriöse Verhüllung, mit der die Priester alle auf das Wesen der Gottheit bezüglichen Texte zu umgeben beflissen waren, und sodann dadurch, daß jeder Nomos jeine eigene Localgottheit besaß, für welche die ihr dienenden Priestercollegien eigene kosmologische und metaphysische Allegorie» ersamreu."