Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 110 (13.9.1838)
- Date
- 1838-09-13
- Page
- Seite 446 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3224856-3224967--01284-3305673- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
446 Correspondenzeu, Auszüge, Repliken, Kleine Bücherschau. (Fortsetzung.) 20) ftfcr'Tpp oder Erstes Elementarbuch der hebräischen Sprache, nach der Lautirmethode von K. L. Mailert. Caffel und Leipzig. 8. S. 53. Sehr brauchbar und praktisch nützlich. Leseübungen, nach der Lautirmethode angeordnet. Hebräische Sprüche mit deutscher Uebersetzung zum Auswendig lernen-. Wörtersammlung mit Verhältnißformen. Pronomina. ' Präpositionen mit Suffixa. Kleine Regeln. KaKonjugation. Hebräisch-deutsche Schreib- und Leseart. Namen der Vocale und Konsonanten. Fallzeit der jüdischen Festtage. Druck ausgezeichnet. 2—r. 21) Drei Vorlesungen als Einleitung zu Vorträgen über das Judenthum in der Erscheinung und in der Idee; gehalten in der Lesegesellschast: „dem neuen Verein," zur Weckung und Belebung einer größeren Kenntniß vom Geiste und Wesen des Judenthums, von vr. Abraham Alexander Wolff, Ober-Rabbine und Prediger. Kopenhagen, 1838. 8. S. 56. Wir haben es hier allerdings erst mit den Propyläen eines tüchtigen Bauwerkes zu thun, mit der Vorhalle. Die Gesellschaft, in welcher der ganze Kursus dieser Vorlesungen ,,über das Judenthum in der Erscheinung und in der Idee" vorgetragen wurde oder noch wird, verlangte den Druck dieser drei einleitenden Vorträge, und daS größere Publikum können sie daher nach dem Ganzen nur lüstern machen. Vorlesungen vor einem gemischten Publikum sind eine sehr plausible und bequeme Form, eine Fülle von Resultaten wissenschaftlicher Forschungen, eine Reihe von Gedanken, die sich an und aus der Forschung selbst entwickelten, ohne die gelehrte Bürde dieser an daS Publikum zu bringen. Diese Form ist hier sehr zwcckgemäß benutzt, und je näher diese Vorträge einer geistreichen, zwanglosen und doch consequenten Ansprache an eine wenigstens gebildete Versammlung kommen, desto eher müßte der ganze Kreis der Vorträge seinen Weg in daS allgemeine Publikum finden. Welchen Standpunkt derselbe in der Jetztheit einnehmcn würde, wollen wir hier im Voraus mit wenigen Worten zu bestiinmen suchen. Das jüdische Publikum, so verschiedene Stände und Bildungsstufen es auch jetzt umfaßt, ist von dem Drange erfüllt, den Inhalt des geistigen Judenthums zu erfahren und kennen zu Lernen. Je mehr die Form desselben an Anhänger verloren, je mehr Viele durch die bürgerlichen Verhältnisse gezwungen, den Bedürfnissen des Lebens nachgebend, einzelne Gesetze des Judenthums aufgeben, mit desto mehr Warme wollen sie geistig im Judenthume leben, und dessen Wahrheiten im Kampfe und in den Stürmen der Zeit festhalten. Daß hierzu eine immer tüchtigere Grundlage in den jüdischen Religionsschulen bei der Jugend schon gelegt werden muß, daß dieser Drang im Gotteshause durch Predigten befriedigt werden muß,ist allerdings wahr; aber ganz ausfüllen können weder Schule noch Predigt jenen nicht, weil weder letztere noch erstere sich in die Gänge des abstrakteren Denkens verlieren und die unmittelbarere Beziehung zum Leben nicht von sich entfernen können. Es muß also noch ein Mittelweg gefunden werden, wo dem größeren Publikum der geistige Inhalt des Judenthumö erwerbbar gemacht wird, ohne daß es die Schwierigkeiten selbst zu überwinden habe. Gerade hierzu wird dem jüdischen Theologen die Form solcher Vorlesungen am zweckdienlichsten sein, und die Relation einer näher gebrachten Persönlichkeit dabei der Beschäftigung der Idee noch eine gemächliche Unterlage geben. — Die erste Vorlesung bespricht den eigentlichen Zweck dieser Vortrage, und wenn auch auf etwas weitem Wege, kommt sie, nach einer Schilderung des gegenwärtigen Standes des Judenthums, und wie es zwischen seinen beiden Klippen: Unglauben und Unwissenheit hindurch zu der Erkcnntniß: eS muß der Jude darthun, daß er in allen Gebieten des menschlichen Wissens heimisch sein kann, daß er mit Lust aus jedwedem Borne der Erkenntniß schöpft, und am Aufbau derselben kräftig hilft, aber stets dabei sich durchdrungen zeigen von dem so lebendigen Urgeisie deö Iudenthums. Nur dadurch wird es möglich sein, eine eigenthümliche Kraft an den Tag zu legen, seine geistigen wie seine künstlerischen Schöpfungen werden dadurch um so mehr hervorragen und sich einen besondern Ruf erwerben. Dann erst ist er in die Reihe derjenigen getreten, deren Würde man ungeschmälert anerkennt, und wie bei ihm Wissen und Glauben nicht mehr als getrennt von einander dastehen, so wird man keineswegs ferner vermeinen letzteren hinwegdenken und gar nicht in Anschlag bringen zu müssen, wenn man ihm ersteres nachrühmt-c." Die zweite Vorlesung discutirt die Frage, ob zuerst daS Judenthum in der Erscheinung oder das in der Idee zu behandeln wäre? — und stellt die Absicht auf, diese abwechselnd zu behandeln. „In ihr, in der Geschichte des Judenthums, sagt der Redner, sehen wir die Geschichte der leidenden und der ausdauernden, der wandernden und der bleibenden, der bekämpften und der siegenden, der trauernden und der hoffenden Menschheit. Während die eine Seite so unaufhörlich an seiner Auslösung arbeitete, ging aus der andern eine bindende Kraft, und es immer verjüngt hervor." Somit geht er gleich in die philosophische Betrachtung der jüdischen Geschichte über. Die dritte Vorlesung eröffnet die Vorträge über das Judenthum in der Idee, und legt dabei daS Werk Ikkariin zu Grunde. Sie wirft einen Blick auf die Entstehungszeit des Buches, auf den Zweck und die Motive Albo's, und bespricht seine Einleitung. Indem uns der Verf. somit mit seinem Thema bekannt gemacht hat, würde es uns sehr freuen, auch die Lösung bald vor uns zu haben. Solcher Werke bedürfen wir jetzt sehr, um uns dadurch vor dem ermüdenden Kampfe materieller Partheien das freie Gebiet des ideellen Judenthums zu wahren. (Fortsetzung f olgt.) Bemerkung. Wir sehen uns genöthkgt, unsere Erklärung in No. 47. d. I. daß wir anonyme Einsendungen durchaus nicht berücksichtigen — noch einmal zu wiederholen *). Die Redaktion. •) Auch der jüngst eingctrcffene Artikel „Vom Nieder-Rhein" kann so lange keine Aufnahme finden. Red. Redaeteur vr. L. Phitippsvn. — Verlag von Baumgärtners Buchhandlung. — Druck von I. B Hirschfel-.