Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 110 (13.9.1838)
- Date
- 1838-09-13
- Page
- Seite 445 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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445 tuts Lügen zu strafen, und seine reine, cosmopolitische Tendenz in Zweifel ziehen zu müssen glaubte, — ich meine das Gebrechen, daß manche Loge dem Juden, wenn er noch so maurisch anklopst, die Thüre des Tempels nicht öffnet. Diese Barbarei in der maurischen Welt ist noch unendlich sündhafter, als jene Barbarei in der profanen Gesellschaft, in den Casinos rc. wo man auch noch dem gebildetsten Juden das Glück einer geselligen Stunde mißgönnt, die er mit seinen andersglaubenden Nachbarn verleben möchte. Letztere profane Barbarei obwol sie heutzutage um so schmerzlicher wird, als der Jude aufgeklärter und würdiger, läßt doch noch einen denkbaren Grund, wenn auch nur einen schleckten, zu; es könnte sich nämlich dabei um Concurrenz, Interesse, Egoismus, oder Gott weiß, um welche Teufelei handeln, und selbst nur der Gewinn einer heitern Lebensstunde wäre, als Gewinn, schon wichtig genug, sie dem Bedrängten, Zurückgesetzten zu mißgönnen. Aber die Loge? Hier soll doch an der Schwelle alles Gehässige, Niedere, Profane abgeworfen werden, das Reinmenschliche soll nur mit hineingenommen werden — warum hier die schmerzliche Abweisung?! Ein Institut, dessen Wesen durch und durch Liebe ist, — antwortet mir, warum hier diese Lieblosigkeit? Ihr sagt, Wir haben diesen Gebrauch aus der Vorzeit überkommen, er ist eine Erbschaft, eine Gewohnheit, geheiligt durch Zeit und System! Ich aber sage euch, das Wesen der Freimaurerei steht über dem Systeme und der thörigten Observanz, und laut ruft das ächte, maurische Wesen seinen Mißdeutern entgegen: Werdet menschlich, werdet gerecht, und werfet die schlechten Gewohnheiten über Bord, und wenn sie auch so alt wären, wie die Welt!! — Ich habe eine hohe, schöne Meinung von dem Institute der Freimaurerei. Weit entfernt, mit den Oberflächlichen, Zerrissenen, Ueberbildeten zu glauben, das maurische Bestreben habe sich überlebt, halte ich vielmehr unsere Zeit noch an so vielen Mängeln und Schäden kränkelnd, daß ich um keinen Preis rathen möchte, die Zeit solle sich dieses mächtig unterstützenden Heilmittels zu ihrer Genesung entschlagenz tief überzeugt, daß diese Werkstätte der Menschheit früher oder später das einzige Asyl der Guten und Edlen sein werde. Allein wenn ich an das demüthigende Verhältniß der Juden zu manchen christlichen Logen denke, schäme ich mich meiner guten Meinung von der Sache, und beklage die Menschen, die, wollen sie sich zu etwas Höherem erheben, immer so viel Erdensckmuz an ihre Sohle heften, daß man ja noch in der höhern Region ihre niedere Abstammung erkenne. Ihr sehet in der Loge nur den Menschen — warum wollt Ihr in dem Juden nicht den Menschen sehen? Ihr enthaltet euch aller religiösen Beziehungen innerhalb des Tempels der Menschheit — warum wollt ihr gerade bei dem Juden an seinen Glauben denken? Hängt er nicht, wie ihr, durch seine warmen Pulsschläge mit der unendlichen Natur zusammen, und durch sein Gemüth und durch seine geistigen Kräfte mit der ewigen Lenkung derselben? Was habt ihr in der Loge vor demselben voraus? Warum soll jenes drückende Verhältniß in der Außenwelt auch Leben- und Glückzerstörend in die Wohnung der freien Maurers dringen? Giebt's nicht draußen Stoff genug zu Thränen für eine unglückliche Menschenklasse — warum auch eure heitern Raume mit diesem Elende trüben? Weit erfreulicher ist der Blick auf die tolerantern Werkstätten, die gern den Juden ihre Pforten öffnen. Davon sind, gottlob, auf dem festen Erdenrunde viele, und wenn man in diesen Wohnungen des Friedens inbrünstig die Brust der Natur und der Gottheit erschließt, wird dem Herzen darum nicht weniger Labung, weil auch Juden die Wollust des maurischen Gebetes thcilen! Und es ist das nicht blos in Ländern der Fall, wo die Juden der Wohlthat der Emancipation vollkommen theilhaftig sind, sondern auch mitunter in solchen, wo die socialen Verhältnisse dieser Menschenklasse noch trübe sind, zum besten Beweise, daß die Maurerei mit der Stellung der Menschen im bürgerlichen Leben nichts zu schaffen hat. Ueberhaupt sind mir die Unterscheidungen „christliche und jüdische Maurer," „christliche und jüdische Logen," durchaus zuwider! An der Pforte dieses Tempels der Menschheit soll's nur eine Losung geben, die da öffnet, sie heißt — Mensch. Innerhalb der Halle soll es nur ein würdiges Thema der Rede geben, es heißt — Menschheit! Soll aber durchaus in der Loge von Juden die Rede sein, so unterhaltet euch davon, wie die Schmach der Intoleranz und der Verfolgung in dem profanen Leben ausgemerzt werden kann. Denket darüber nach, wie man die Lage einer Menschenklasse verbessere, die sich der Bildung des Jahrhunderts theilhaftig gemacht hat, und doch noch die Kränkungen längst vergangener Jahrhunderte tragen muß! Trach« tet, daß das häßliche Gespenst „Judenhaß" in sein moderiges Grab hinuntersteige, und helfet das Verhängniß beschwören, das allzuhart auf diese Armen lastet! Ich sage euch, das ist ein maurisches Werk! Aber dem Hasse die Hand bieten, ihn an der eigenen Brust nähren, sein Gift in das reine Blut der Maurerei hineintragen durch diese unerhörte und schmerzvolle Zurücksetzung, das ist häßlich, unmaurisch, unchristlich!!! — (Schluß folgt.)