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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-09-25 · Heft 39 (25.9.1877) · p. Seite 624

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 39 (25.9.1877)
Date
1877-09-25
Page
Seite 624 (sequence 12)
Language
German
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624 sich freiwillig mit den noch am Leben gebliebenen Rittern nach Europa zurück. Nach der Einnahme von Rhodus verließen die Juden, die durch ihr schönes Benehmen während der Belagerung sich die Feindschaft der Griechen zugezogen hatten, die Insel; ein Theil von ihnen ließ sich in Salonichi und der andere in Konstantinopel nieder, wo sie von den Muselmännern als Rajahs ausgenommen wurden. Da sie noch einen Funken jener Liebe zum Studium besaßen, den ihre Vorfahren aus Spanien mitgebracht hatten', wo sie sich in die Kenntniß der Sprachen des Occiventes vertieft halten, sah man sie bald als Vermittler in fast allen diplomatischen und Handelsbeziehungen dienen. Sogar einer ihrer Rabbiner, Namens I. de Castro, ein Mann von großer Gelehrsamkeit, errichtete in seinem Hause die erste Buchdruckerei, welche europäische Leitern besaß. Auch sah man die Juden Konstantinopels, noch lange vor den Griechen, Dolmetscherfunctionen ausüben sowohl bei der Pforte wie bei ausländischen Agenten. Später besetzten sie — so sagt Hammer — wichtige Aemter in der ottomanischen Verwaltung. Man citirt mehrere Israeliten, welche eine politische Nolle gespielt haben, wie Jean Miguös, der vom Sultan Selim II. bis zur Würde des Herzogs der Cycladen erhoben wurde; Salomon Rozly, der 1570 Abgesandter in Venedig wurde, um mit dem Dogen Fonseca den Frieden zu unterhandeln; dieser verdankte, wie viele seiner Glaubensgenosien, das Ansehen, das er am Hofe Ahmeds III. genoß, seiner Eigenschaft als Hekim-Raziri (Palastarzt). In Konstantinopel wie in Rhodus betrieben die Juden den Handel, die Bearbeitung von Edelsteinen; aber sie versäumten das Studium der Medicin fortzusetzen, das sie vielleicht vor den Verfolgungen geschützt hätte, deren Opfer sie später wurden. Der Patriarch Konstantins erzählt in seiner Constantinade, daß die Juden unter der Regierung von Amurat III. im Jahre 1598 ein recht großes Ansehen in Konstantinopel besaßen. Sie waren damals (1599), sagte er, von Einfluß in den Geschäften und die Geldunternehmungen lagen in ihren Händen. Aber nachdem der Defterdar, der Schatzmeister, sie beschuldigt hatte, die Truppen mit gefälschtem Gelde bezahlt zu haben, entstand ein Aufruhr unter den Janitscharen, welche den Palast belagerten und Begler-Bey niedermetzelten. Die Juden fielen in Ungnade; eine große Zahl von ihnen erlitt die Todesstrafe durch den Strang und die Anderen wurden ihres ganzen Besitzthums beraubt. Eine andere Tradition erzählt, daß dieser Begler-Bey, ein Renegat armenischen Ursprungs, und der Pascha von Roumvlim gewesen war, die Juden der Colonie von Rhodus beschützt hätte; daß sie vurch seinen Einfluß vom Sultan das Privilegium erhalten hätten, die kaiserliche Münze zu schlagen und daß nach seinem Tode die Israeliten nach Balata und K'has-Kecey verbannt wurden, wo sie noch heute in großer Anzahl leben." Vermischtes. Die Treue einer Negerin. Vor zehn Jahren lebte in der Stadt Brownsville in Texas eine jüdische Familie, deren Name Israel war. Frau Israel starb drei Tage nach der Geburt eines Knaben. Eine Negerin, die in der Familie diente, übernahm die Sorge für das Kind, als der Vater einige Monate später eine Reise in das Innere von Mexico antrat, von der er nicht wiederkehrte. Wie man vermuthet, ist er dort in Gesellschaft anderer Kaufleute getodtet worden. Die Negerin erzog das Kind mit mütterlicher Für- 'orge und als ihr von mancher Seite vorgeschlagen wurde, ihr die Last abzunehmen, verweigerte sie es mit den Worten, daß sie lieber eines ihrer eigenen Kinder als „den kleinen Oscar Israel" abgeben wolle. Vor drei Jahren zog die Negerin mit ihrem Mann und ihrer Familie nach Galveston, wo sich jetzt eine blühende jüdische Gemeinde mit einem sehr angesehenen Cultusbeamten, Rev. Blum, befindet. Die Negerfamilie gerieth in Noth, so daß das angenommene weiße Kind bisweilen betteln zu gehen genöthigt war. Der jetzt zehnjährige Knabe fiel auf und wurde über seine Abkunst befragt. Herr Blum erfuhr davon, und brachte die Geschichte desselben ans^ der Negerin heraus. Er nahm hierauf den Knaben zu sich in's Haus, verschaffte ihm alles Nothwendkge, läßt ihn die Schule, sowie die jüdische Religionsschule regelmäßig besuchen und vollzog auch die Aufnahme in den Bund Abrahams. Die Negerin war hiermit ganz einverstanden, da er ein Jude sei, und sie nicht zugelassen habe, ihn einer anderen Religion zuzuwenden. Blum sorgte auch für sie und wurde sie in dem von Blum geleiteten Galveston Female Seminary untergebracht, wo sie der zu einem intelligenten und vielversprechenden Knaben herangewachsene Oscar häufig besucht und seine Liebe für seine „alte Mammh" bezeugt. Der „Uebrerv Leader“ erzählt dies, und wünscht, daß die verschiedenen jüdischen Zeitschriften über diesen Vorgang berichten möchten, damit vielleicht entfernt wohnende Verwandte des Knaben darauf aufmerksam werden, oder gar der Vater, wenn er noch lebt, die jetzige Heimath seines Kindes erfahre. — Nachtrag. Deutschland. Thorn, 10. September. Die „Th. Ostd. Zig." meldet: „Zu den am 17. d. M. beginnenden Schwurgerichtssitzungen sind aus Thorn und dem Kreise fünf Bürger mosaischer Religion als Geschworene einberufen. Da auf den 17. September das Versohnungsfest der Juden fällt, welches

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