Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-09-25 · Heft 39 (25.9.1877) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 39 (25.9.1877)
Date
1877-09-25
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227123-3227163--35672-3305652
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

"Allgemeine Zeitung des Iudenthums. Ein unparteiisches Organ für Ms Wische Interesse. HerauSgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philipp stm in Bonn. Verlag von Baumgärtuer's Buchhandlung in Leipzig. Beilage» werden mit 1 Mark 50 Pf. pro Hundert berechnet. Diese Zeitung erscheint «öchentlich. einmal in 2 bis 2'/, Bogen. Preis Vierteljährig 3 Mark. Inserate winde» mit 2» Pf. fiir die Petitzeile over deren Raum berechuet. Alle Buchhandlungen. Postämter und JeitungS-Expeditione» nehmen Bestellungen an. In redactionelle» Augüegenheuen wende man sich an Or. L. Vhilipuso» in Bonn; hinsichtlich der Inserate au 4t. Messe in Leipzig und dessen Filialen in Berlin. BreSlaurc. Inserate, welche bis Donnerstag eingehen. finden rüder darauffolgende» Nummer Berücksichtigung. 41. Jahrgang. Leipzig, den 25. September 1877. JYf 39. Inhalt. Leitende Artikel: Am zwölften September. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Don der Isar, Berlin. — Oesterreich-Ungarn: Wien. — Belgien: Brüssel. — Türkei: Konstantinopel. — Rußland: Aus dem Russischen. — Amerika: Albany. — Bonn: Notizen, Literarische Notizen. — Feuilleton: Die Juden aus der Insel Rhodus. — Vermischtes. Geltende- (SLxhlLei. Bonn, den 19. September. Am zwölften September. Wenn ein Mensch einen weiten Lebensweg mit bewußtem Ziele, mit bestimmten Gedanken und Zwecken zu durchwandern hat, so gleicht er nicht dem Reisenden auf der geradlinigen Eisenbahn oder auf breiter Kunststraße, die über Flur und Hügel führt — vielmehr dem Wanderer, der am Ufer eines weithinströmenden Flusses seine Pilgerschaft zurückzulegen hat. Wie viele Windungen hat er zu verfolgen, oft nach ganz anderer Weltgegend gerichtet; hier tritt er mit dem Laufe des Gewässers in eine lachende Ebene, dort muß er eine steile Felswand überklimmen, an deren Fuß die Wellen rauschend sich brechen, bald sich mühsam durch steinigen und sandigen Boden, bald durch Sumpf und Morast hindurcharbeiten — aber Eines hat er für sich, Eines ist ihm die Bürgschaft, daß er zum Ziele gelangen werde, das feste Halten an den Lauf des segenverbreitenden Stromes, der weiter und weiter zum Meere wallt — das ist die Idee, die sein ganzes Leben beherrscht, sind die Gedanken und Zwecke, denen er alle seine Kräfte widmet. Zu diesen Wanderern zahlen auch wir uns. Die Leser dieser Zeitung wissen, daß der Redacteur derselben es stets vermeidet, von seiner Persönlichkeit zu sprechen oder von Dingen, die sich auf ihn selbst beziehen. Wenn er heute eine Ausnahme macht, so glaubt er einen Rechtfertigungsgrund darin zu haben, daß sich dabei auch ein Moment von einiger allgemeinen Bedeutung vorfindet. Am 12. September waren fünfzig Jahre verflossen, seitdem meine erste Schrift in die Oeffentlichkeit getreten und ich ununterbrochen literarisch thatig war. Fünfzig Jahre, die zugleich für die civilisirte Welt und für das Judenthum insbesondere eine Zeit der großartigsten Entwickelung nach allen Richtungen hin, der schwersten Kämpfe und glänzender Errungenschaften waren. Wer den Anfangs- und den Endpunkt dieses Zeitraums in's Auge faßt, wird dies zugestehen. Selbstverständlich war diese bedeutsame weltgeschichtliche Periode vorbereitet und der große Kampfplatz bereits hergerichtet. Selbstverständlich sind wir gegenwärtig noch lange nicht zum Ende gelangt, die Aufgaben sind noch nicht vollendet, die Elemente des Kampfes noch nicht zur Lösung und zur Sicherstellung der Resultate gelangt. Die Gegenwart darf sich in nichts überheben. Aber daß Großes geschehen, Vieles erreicht ist, kann zweifellos ausgesprochen werden. Ein so seltenes Erlebniß wie ein fünfzigjähriges Schriftsteller-Jubiläum mußte daher den Schreiber dieser Zeilen mit dem tiefgefühltesten Danke gegen die gütige Vorsehung, die ihn gnadenvoll geführt, durchdringen, wie mit der reichen Erinnerung an die Fülle von Ereignissen, Erscheinungen und Persönlichkeiten, die an ihm vorübergegangen. Dabei belebte ihn der Wunsch, den Tag in stiller Zurückgezogenheit zu verbringen, was ihm schon fein Gesundheitszustand erforderlich machte. Dennoch gelangte in den letzten Wochen durch Freundeshand eine Kunde davon in die Oeffentlichkeit, und eine überaus große Zahl von Gemeinden, Celebritaten und hochachtbaren Personen sprach

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.