Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 38 (18.9.1877)
- Date
- 1877-09-18
- Page
- Seite 609 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3227123-3227162--35667-3305646- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
609 Unfehlbarkeit! Vierzig Jahre hatten hingereicht, das Papstthum und die päpstliche Kirche vollständig umzugestalten und in den schärfsten Gegensatz zu versetzen! Die Erklärung dieser merkwürdigen Thalsache haben wir in früheren Artikeln zu geben versucht. Edgar Quinet und die Psalmen. Bon dem berühmten französischen Denker und Dichter Edgar Quinet sind nach seinem Tode zwei Bände „Briefe an seine Mutter" (Paris, 1877. Germer-BaillLre) erschienen, Ergüsse eines zärtlichen Sohnes an seine liebe und geistvolle Mutter, die uns den Entwickelungsgang des von den Franzosen hochgeseierten Mannes in anziehendster Weise, namentlich aus seiner Knaben- und Jugendzeit, zeichnen. Von seinem fünfzehnten bis siebzehnten Jahre besuchte er das Lycöe in Lyon, um sich zum Eintritt in die polytechnische Schule vorzubereiten. Bekanntlich tritt Jeder, welcher seinen Cursus in letzterer Lehranstalt vollendet und die Prüfungen bestanden hat, sofort in den Staatsdienst ein, und hat eine gute Carriere vor sich. Die Verhältnisse der Familie machten es Dringend wünschenswerth, daß Quinet dieses Ziel baldmöglichst erreiche. Aber es zeigte sich, daß die eigenthümlichen Geistesanlagen des sonst genialen Knaben für diese Laufbahn nicht eigneten. Die mathematischen besonders allgebraifchen Studien, das wesentlichste Erforderniß zum Eintritt in die polytechnische Schule wollten, ihm durchaus nicht gelingen. Der hingebendste Fleiß brachte ihn darin nicht vorwärts, und wenn er sich durch lange Anstrengung eine Formel eingeprägt zu haben glaubte, war sie ihm in den nächsten Tagen gänzlich wieder entschwunden. Hierüber empfand er, da es seine Aussichten gänzlich trübte, den tiefsten Seelenschmerz, der ihn bisweilen den Tod herbeiwünschen ließ, und den er in den Briefen an seine Mutter zum rührendsten Ausdruck brachte. Da schreibt er unter Anderem (1817): „Ich habe mir gestern die Psalmen Davids gekauft, für welche ich eine ganz besondere Vorliebe habe; es scheint mir, daß ich nirgends wieder so große Ideen finde." Die Lectüre der Psalmen wird ihm zu einer Art Gewohnheit und sie unterstützen ihn in dem Kampfe, den er besteht. Sie erhalten die Kräfte seines Geistes im Feuer und spornen ihn zur Ausdauer an. Die folgenden Briefe zeigen in ihrem Styl den Einfluß der Psalmen auf ihn, so daß sie bisweilen vollständig den hymnologischen Charakter tragen. Aus Konstantinopel berichtet eine Correspondenz in der K. Z. vom 27. April nach dem Ausbruch des Krieges in einer Schilderung der jetzt dort herrschenden Aufregung: „Die flinken spanischen Juden, die in friedlichen Zeiten dem weihevollen Gewerbe oblagen, die Fußbekleidungen der Leute am Bosporus zu poliren, haben dies mechanische Handwerk jetzt aufgegeben und vermitteln die Befriedigung geistiger Bedürfnisse, indem sie mit affenähnlicher Geschwindigkeit durch die Straßen rennen, die Luft mit dem gellenden Ausrufe »8uppl6menr de la guerre“ oder TiltyQuq>Tjfj.uTa anb zov noXi/tov erfüllen und den Verkauf der Extrablätter besorgen." Anzeigen. In Folge einer «Lr> 's gehaltenen Predigt, sind mir nachstehende Spenden für die nothleidenden Israeliten in und aus Bulgarien zugegangen: Til. Hh. Bernheim u. Co. 30 Frcs.; Daniel Bernheim 15 Frcs.; Herm. Bernheim 10 Frcs.; Moritz Bernheim 10 FrcS.; Emil Bernheim 10 Frcs.; Sal. I. Bloch 20 Frcs.; B.10 Frcs.; Leopold Belag 10 Frcs.; I. Braunschweig jgr. 20 Frcs.; Louis Foulv 10 Frcs.; Chs. Guggenheim 25 Frcs.; Wilhelm Guggenheim 15 Frcs.; Guggenheim-Bach 10 Frcs.; Leopold Guggenheim 3 Frcs.; Kaiser Blüth 5 Frcs.; R. Lang 20 Frcs.; A. Oettinger 10 Frcs.; RiS, Wertheimber u. Co. 10 Frcs.; H. Saxs 20 Frcs.; H. Saxs, Sohne 20 Frcs.; Strauß 10 Frcs.; I. G. Ulmann 5 Frcs.; Ullmann-Fould 5 Frcs.; E. Waller 25 Frcs.; I. Waller 15 Frcs.; H. Wahl 10 Frcs.; Jsaac Weil 15 Frcs.; Leopold Weil 20 FrcS.; Willard Cm. 5 Frcs.; Wormann 5 Frcs.; M. Wyler 15 Frcs.; Samuel Wyler 10 Frcs.; Leop. u. Josef Wyler 10 Frcs.; Stettenheimer 2 Frcs.; sämmtliche in Zürich und Ausgemeinden. Außerdem von: N. N. 10 Frcs.; Ungenannter 50 Frcs.; Ein fremder Zuhörer 10 Frcs.; X. 3t. 20 Frcs.; X. I. 10 Frcs.; N. N. 3 Frcs.; zusammen 332 Francs, wovon ich 500 Francs heute an das Ceniral-Comii6 der Alliance Isr. Un. in Paris abgehen ließ. Mag Gott diesen hochherzigen Spendern reichlich heimzahlen. 41. Psalm, D. 2. (7986) Zürich, Ende 5637. Rabbiner Dr. Kisch. Die hiesige Lehrer-, Cantor- und Schochet- Stelle wird zum 1. April k. I. vacant. Gehalt 1100 Mk. Außerdem Ertrag der Schechita mit 210 Mk. garantirt. Gelegenheit zu erheblichem Nebenerwerbe durch Privatunterricht. Erwünscht wäre ein seminaristisch gebildeter, unverheirrtheter Lehrer. Bewerbungen sind unter Einsendung von Zeugnissen zu richten an J. Stern. Holzminden, im September 1877. (8. 8004.) Ein musikalisch geschulter C a n t o r, seminaristisch gebildeter Lehrer (ledig), sucht diesen feinen Eigenschaften entsprechende Stelle in einer großen Gemeinde auf sofort oder 1. October. Offerten beliebe man unter Chiffre W. # 2876. an Rudolf Mosse in Leipzig einzusenden. (7876)