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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-09-18 · Heft 38 (18.9.1877) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 38 (18.9.1877)
Date
1877-09-18
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Hudenlhums. Ein unparteiisches Orgm für alles Wische Interesse. Herausgegeben von!Inredactionellen Auaelegercherlen I wende man fich an Dr. £. Vtzilip-son in Itu^brner Dr. Euitllliü itt S3onn. j Stoffe in Leipzig and dcfs^ Filialen^r ~ ' rTr I Berlin. Breslaurc. Inserate, welch« bis I Donnerstag eingehen. finden in der Kar- Berlag von Bamvgiirtuer's Buchhandlung in Leipzig- | «msfolgendm Nummer Beruafichtignng. Beilagen werden mit 1 Mark 50 Pf. pro Hundert berechnet. Diese Zeitnna erscheint wöchentlich, einmal in 2 bis 2ty2 Bogen. PreiS Bierteljähria 3 Mark. Inserate werden mit 2v Pf. für die Petitzeile over deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen. Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an. 41. Jahrgang. Leipzig, den 18. September 1877. Js? 38. Inhalt. Leitende Artikel: Eine Betrachtung. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Leipzig, Aus Württemberg. — Frankreich: Paris. — Türkei: Konstantinopel. — Rußland: Aus dem Russischen. — Amerika: New-Aork. — Bonn: Notizen, Literarische Notizen. — Feuilleton: Uebersicht der gesammten Schriften des vr. Ludwig Philippson. — Vermischtes. jCelteiiDe (3LxhkeL Bonn, den 12. September. Line Setrachtung. Zu den hohen Festen. Als wir in das letzte Viertel des laufenden Jahrhunderts eintraten und die geistigen Schätze musterten, die wir aus seinen drei Vorgängern mit hinübernahmen, und dabei einen vergleichenden Blick auf die erste Hälfte dieses Säculums warfen, nahmen wir wahr, daß nicht wenige Ansichten, hoffnungsvolle Meinungen, die damals vielfach gehegt wurden, jetzt sich verloren oder selbst als trügerisch erwiesen hatten. Än der That wird man die Sturmzeit in der Mitte unsres Jahrhunderts als einen Wendepunkt für Vieles im Leben und Geiste der civilisirten Völker ansehen muffen, nicht allein durch das, was diese kurze Periode revolutionärer Bewegung enthielt, sondern vielmehr durch die Entwickelung der Dinge, die ihr folgte. Es gab früher Viele, welche glaubten, daß die Menschen, je weiter sie in der Geistesbildung voranschritten, immer mehr und bald wohl ganz aller religiösen Ceremonien, aller religiösen Feierlichkeiten entbehren könnten, besonders aller, die zu Gebet und Gottesdienst aufrufen oder die gewiffe religiöse Gedanken und sittliche Grundsätze zu wecken bestimmt sind. Nicht diese letzteren selbst in ihrer Wahrheit setzten sie in Zweifel; aber sie meinten, daß der Geist der Menschen sich mit diesen Gedanken so erfüllen, mit diesen Grundätzen so durchdringen werde, daß sie ihm stets lebendig vorchweben, feinen Willen, sein Thun und Laffen leiten werden. . . Man ist von dieser Meinung zurückgekommen. Gerade das Gegentheil ist eingetreten. Das materielle Leben ist mit jedem Jahrzehnt weiter in allem was es bietet und fordert so angeschwollen; bas politische und nationale Leben hat die Geister dermaßen eingenommen; die geistige Thrtigkeit hat sich nach allen Seiten auf die bestehenden Dinge und ihr Wißen in solchem Grade ergosien, und die Wiffenschast selbst mit Zweifeln und Hypothesen, mit gewagten Combinationen und oberflächlich zusammengefaßten Theorien gesättigt — daß vor solchem, von allen Richtungen her zusammenstürzenden Strome die religiösen Anschauungen zurückgewichen, die sittlichen Grundsätze in ihrer bewußten Herrschaft geschwächt worden sind. Es bedarf jetzt mebr als je des immer wiederholten Weckerufs der Religion, mehr als je des immer erneueten Anstoßes seitens der Religion, um den Geist der Menschen zur religiösen Erkenntniß und zur Dersittlichung ihres Wesens zurückzuleiten, zurückzunöthigen. Unleugbar sind alle bloße Symbole für die Seelen in der Gegenwart abgeblaßt, haben den unmittelbaren Zusammenhang mit ihnen verloren und sind deshalb ohne Bedeutung. Darum Wohl der Religion, deren Hauptwerth nicht in ihren Symbolen, sondern in ihren scharf ausgeprägten Gedanken und in religiösen Acten besteht, die diese Gedanken zum Ausdruck bringen! Dies ist es, was den religiösen Festen des Juventhums, besonders Rosch-Haschanah und Jom-Kippur, ihren Werth verleiht, ihre Unentbehrlichkeit und darum ihre Heiligkeit. Man hat oft gesagt, daß auf dem Gebiete der Religion die Gewohnheit ein schlechtes Förderungsmittel sei, da sie nur zu außer-

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